Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 6(1998) 3/4
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Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den


98-3/4-235
Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den Quellen / von Karl Goedeke. [Hrsg. von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften]. - Berlin : Akademie-Verlag. - 25 cm. - Teilw. hrsg. von der Akademie der Wissenschaften der DDR, Zentralinstitut für Literaturgeschichte. Index [1/15] im Verlag Kraus-Thomson, Nendeln ersch.
[0943]
Bd. 18. Bearb. von Herbert Jacob
Register 1 - 3. - 2., ganz neu bearb. Aufl. - 1998. - 440 S. - ISBN 3-05-002558-1 : DM 220.00

Daß Bibliographien ebenso wie Bücher ihre Schicksale haben, lehrt uns nicht nur die Geschichte des Goedeke,[1] der jedoch zugleich ein Beispiel dafür bietet, daß auch Register (und deren Bearbeiter) ihre Schicksale haben. Obwohl die einzelnen Bände des Goedeke über Register verfügten, die vor allem Eintragungen unter Namen enthielten, dagegen nur wenige unter Sachschlagwörtern, war der Redaktion klar, daß nur ein Gesamtregister eine gezielte Suche etwa nach einem in mehreren Bänden behandelten Autor bequem ermöglichen würde. Das Vorwort schildert die drei früheren Anläufe der Redaktion zur Schaffung eines Gesamtregisters und nennt deren wechselnde Bearbeitungsgrundsätze ebenso wie das Scheitern der beiden ersten aus unterschiedlichen Gründen. 1. Seit 1895 bis zu seiner Entfernung aus der Redaktion 1935 auf Grund seiner jüdischen Abstammung arbeitete Alfred Rosenbaum an einem umfassenden Gesamtregister, das z.B. auch die Titel der Werke von Verfassern (nicht bloß der anonymen Schriften) berücksichtigen sollte; das Manuskript verbrannte zu Kriegsende; 2. Nach 1935 wurde - als Hilfsinstrument für die Redaktion - eine Kumulierung der in den Bd. V bis XI enthaltenen Namen angefertigt, die sowohl wegen Teilverlusten im Krieg als auch wegen sonstiger Mängel keine Zukunft hatte; 3. Ab 1950 schuf der Verfasser des hier besprochenen Registers ein alle Bände des Werkes umfassendes Namenregister, das aber gleichfalls nur der Redaktion zur Verfügung stand. In Anbetracht des Ausbleibens eines soz. offiziellen Registers gab es drei Versuche von außerhalb der Redaktion, die Informationen des Goedeke wenigstens ansatzweise in zusammenfassender Weise nachzuweisen, von denen der von Hartmut Rambaldo angefertigte Index, der allerdings die mittelalterlichen und die lateinisch schreibenden Autoren, neuere Übersetzer sowie einen Teil der dargestellten Verfasser wissenschaftlicher Texte ausläßt, die weiteste Verbreitung gefunden hat.[2]

Um so mehr ist es zu begrüßen, wenn jetzt das - in der Sprache heutiger Werbung sicher so zu benennende - "ultimative" Gesamtregister zu erscheinen beginnt, das "nicht als eine lästige Verpflichtung anderswo in Auftrag ... (ge)geben" (S. 5), sondern vom nun bald ein halbes Jahrhundert am Goedeke, zuletzt als Leiter von dessen Arbeitsstelle mitarbeitenden Herbert Jacob erstellt wurde und zwar - wie man in Anlehnung an den Titel des Goedeke sagen könnte, "aus den Quellen", d.h. "unmittelbar aus dem Text neu ... (ge)schaffen" wurde, also nicht etwa durch eine Kumulation der bereits vorhandenen Bandregister.[3] Diese Arbeiten liefen parallel zur Bearbeitung der Bd. XIV bis XVII, wobei die letzten beiden ganz von Jacob stammen, "insbesondere als [deren] Veröffentlichung für anderthalb Jahrzehnte unterbrochen wurde" (S. 8): Schicksal.

Der erste Teil von Bd. 18 enthält die drei folgenden Register:

1. Bandweise Übersicht über die Gliederung des Werkes (S. 15 - 29); obwohl durch typographische Mittel (Leerzeichen, Doppelpunkte) versucht wird, die komplizierte Gliederung zu veranschaulichen, hätte man sich zur weiteren Verbesserung der Übersicht eine hierarchische Präsentation auf jeweils neuen Zeilen mit unterschiedlichen Einrückungen gewünscht. Die in dieser Gliederung verwendeten Sachbegriffe (Sachschlagwörter, Geographica) werden im Index zur Gliederung (S. 30 - 43) alphabetisch erschlossen, wobei die inhaltliche Differenzierung sogar teilweise über die Gliederung selbst hinausgeht.[4]

2. Register aller am Goedeke beteiligten 64 Bearbeiter mit knappen biographischen Angaben und Hinweisen auf wichtige Funktionen und Publikationen sowie der Angabe der von ihnen stammenden Paragraphen, Teile oder ganzen Bänden (S. 45 - 57).

4. Den breitesten Raum (S. 59 - 440) nimmt naturgemäß das Hauptstellenregister ein, also der Nachweis der "monographischen Darstellungen der Schriftsteller" (S. 9). Daß eine Zusammenführung der in verschiedenen Bänden behandelten und nicht immer einheitlich angesetzten Namen unter einer Namensform umfängliche zusätzliche Recherchen erforderte, glaubt man gerne, und sinnvollerweise wurden auch dabei gewonnene neue Erkenntnisse mitgeteilt,[5] ebenso die im Text selbst fehlenden Geburts- und Todesdaten und -orte; sie sind mit Erg.: markiert. Das Register enthält natürlich auch Einträge unter Denkmälern (Nibelungenklage), die, ebenso wie die Autoren durch Fettdruck hervorgehoben sind; Namensverweisungen sowie übersetzte Autoren[6] und Denkmäler sind in Normalschrift gesetzt.

Die grundsätzliche Entscheidung für getrennte Register ist für die in Teilband 1 enthaltenen Register 1 und 2 selbstverständlich. Über den Nutzen der Absonderung der in anderer Funktion begegnenden Erwähnungen - als Übersetzer "fremdsprachiger Autoren, ... Vorlagenautoren, Komponisten, Briefpartnern" (S. 9) - in ein separates Register, das Teilband 2 enthalten soll, wird nach dessen Erscheinen zu prüfen bleiben. Die Erarbeitung weiterer denkbarer, im Vorwort (S. 8) erwähnter Register sei ausdrücklich als wünschenswert vermerkt, werden sie doch zusammen mit den Hauptregistern den Goedeke und seine reichhaltigen Informationen erst in adäquater Weise erschließen.

Klaus Schreiber


[1]
Vgl. dazu die Rez. der Bd. 16 (1985) und 17 (1991) der 2., ganz neu bearb. Aufl. in ABUN in ZfBB 33 (1986),1, S. 27 - 28 und 39 (1992),1, S. 64 - 67 sowie die der Fortsetzung Deutsches Schriftstellerlexikon : 1830 - 1880 in IFB 95-3-397. (zurück)
[2]
Index [zu Bd. 1 - 15] / bearb. von Hartmut Rambaldo. - 1975. - 393 S. - $ 60.00. - Rez.: ABUN in ZfBB 23 (1976),1, S. 37 - 38. (zurück)
[3]
Ein Beispiel dafür findet sich weiter unten bei der Besprechung des Gesamtregisters zur Weimarer Klassik-Bibliographie (IFB 98-3/4-239). (zurück)
[4]
Z.B. wird die Eintragung unter Bd. III Übersetzer, Übersetzungen 364 - 371 im Register weiter detailliert: Italienisch (Übers.) II, 367 - 368. (zurück)
[5]
Bsp.: Pernet, Hedwig Albertine Louise, geb. Baronin Kemmeter (nicht: Kemmete). (zurück)
[6]
So wie Dante Alighieri würde man eigentlich auch Petrarca, für die beide nur Fundstellen von Übersetzungen angeführt sind, in Normalschrift statt in Fettsatz erwarten; PadŁa wäre in Padua zu korrigieren (S. 310). (zurück)

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