Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 6(1998) 3/4
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Deutsche Presse


98-3/4-186
Deutsche Presse : biobibliographische Handbücher zur Geschichte der deutschsprachigen periodischen Presse von den Anfängen bis 1815 / Holger Böning. - Stuttgart- Bad Cannstatt : Frommann-Holzboog. - 25 cm. - ISBN 3-7728-1589-8
[3438]
Bd. 2. Altona : Bergedorf, Harburg, Schiffbek, Wandsbek ; kommentierte Bibliographie der Zeitungen, Zeitschriften, Intelligenzblätter, Kalender und Almanache sowie biographische Hinweise zu Herausgebern, Verlegern und Druckern periodischer Schriften / Holger Böning ; Emmy Moepps. - 1997. - LV, 933 S. - ISBN 3-7728-1706-8 : DM 690.00

In IFB 96-4-386 ist der erste, der historischen Pressemetropole Hamburg gewidmete, in drei Teilbände aufgeteilte Band[1] des großen Unternehmens Deutsche Presse ausführlich gewürdigt worden. In der Rezension war bereits auf den "Ergänzungsband" für Altona und Schiffbek hingewiesen worden, der inzwischen ausgeliefert worden ist und hier nur kurz vorgestellt werden soll.

Die im Titel genannten Ortschaften Altona, Bergedorf, Harburg, Schiffbek und Wandsbek beziehen ihre pressehistorische Bedeutung durch ihre unmittelbare Nachbarschaft "vor den Toren" der Post- und Nachrichtenzentrale Hamburg. Nicht selten sind sie - gelegentlich auch nur fingierte - Ausweichplätze für Hamburger Drucker und Verleger, die dem politischen Druck der Hamburger Zensurbehörden ausweichen wollen, und fast durchweg nehmen die an diesen Orten gedruckten Presseorgane inhaltlichen Bezug auf Hamburg und finden dort auch ihren Absatz. Einen relativ eigenständigen Platz nimmt nur Altona ein, das als königlich dänische Stadt innerhalb des deutschen Reichs dänischen Zensurgesetzen gehorchte, die als freizügiger galten und kurzfristig (1770/1772) sogar Pressefreiheit verkündeten. Die übrigen Ortschaften liegen in verschiedenen politischen Einzugsbereichen, mit je spezifisch sich wandelnden Zensurbedingungen. Gemeinsam ist allen wieder die Abhängigkeit vom Nachrichtenplatz Hamburg, die sich für alle Zeitungen und Zeitschriften dort zum gleichen Vorteil wendet, da - um die längeren Laufzeiten der Nachrichten aufzufangen - auf eine eingehende Vorzensur verzichtet wurde. Zudem wurden Nachrichten, die sich auf Hamburg bezogen, nicht so kleinlich zensuriert wie in der Stadt selbst. Zur Bedeutung des historischen Presseplatzes Hamburg sei nur auf die Einschätzung verwiesen, daß dort im 17. und 18. Jahrhundert etwa ein Achtel der seinerzeit in Deutschland veröffentlichten Presseorgane erschienen sind.[2]

Da das Handbuch für die hamburgischen Nachbarorte vom selben Bearbeiterteam und im selben Arbeitszusammenhang erarbeitet worden sind wie das Handbuch für Hamburg, erübrigt sich eine erneute Vorstellung der Arbeitsprinzipien. Immerhin ist auffällig, daß die Bearbeiter sich deutlich mehr Platz für die Vorstellung und Kommentierung der einzelnen Zeitungen, Zeitschriften, Intelligenzblätter und Kalender genommen haben als im ersten Band: Hier werden 248 Titel auf 682 Spalten vorgestellt (in Hamburg 1018 auf 1956 Spalten), d.i. je Titel durchschnittlich 2,75 Seiten (für Hamburg nur 1,9 Seiten), auch die Register der Personen und Institutionen fallen ausführlicher aus (je Titel 0,5 statt 0,23 Seiten), desgleichen die Register der Sachen und Orte (je Titel 0,38 statt 0,15 Seiten). Da man nicht annehmen wird, daß die größere Ausführlichkeit von der Sache her geboten ist, muß man wohl konzidieren, daß die Bearbeiter sich mehr Raum genommen haben, um diesen Band ähnlich umfangreich wie die Hamburger Teilbände werden zu lassen. Da die größere Intensität vor allem den bekannteren Presseorganen zugute kommt, geraten einige Artikel zu kleineren Abhandlungen (mit über 20 Spalten), während andere so knapp beschrieben werden, wie es ihnen aus heutiger und damaliger Sicht wohl zukommt. Den 218 in historischer Folge abgehandelten Presseorganen aus Altona folgen ein Bergedorf zugeschriebener Almanach, eine Zeitung aus Harburg, 13 Periodika aus Schiffbek und 15 aus Wandsbek; die schon erwähnten Register gelten für alle Ortschaften zugleich. Zeitungen wie der Hollsteinische (später: Hamburgische) unpartheyische Correspondent, die an wechselnden Orten erschienen sind, werden sowohl in Hamburg - in diesem Fall mit dem umfangreicheren Beitrag - als auch in Schiffbek - hier mit den Schiffbeker Einzelheiten - vorgestellt. Ein Verfahren, das man sich etwas weniger aufwendig hätte vorstellen können, das aber dem Vorhaben, ortsbezogene Pressehandbücher zu erarbeiten, voll entspricht.

Die biobibliographischen Handbücher haben mit dem Altonaer Band gegenüber den Hamburger Teilbänden an Intensität noch gewonnen, ob und wie das editorische Programm für die weiteren Bände gewahrt werden kann, wird sich mit der Veröffentlichung des nächsten Bandes, der Leipzig gewidmet ist, erweisen. Der erwähnte Arbeitsbericht läßt die gleiche sorgfältige und exakte Arbeitsweise erkennen, wie sie bisher galt. Ein Projekt ist begonnen worden, das im Detail erschöpfende pressehistorische, bibliographische und biographische Auskunft für die bearbeiteten Orte und Regionen verspricht. Mit den Hamburger und Altonaer Handbüchern sind Vorbilder und Maßstäbe gesetzt worden, die prägenden Charakter für ähnliche Unternehmen haben sollten - und die aller Einschätzung nach kaum zu überbieten sind.

Wilbert Ubbens


[1]
Bd. 1. Hamburg : kommentierte Bibliographie der Zeitungen, Zeitschriften, Intelligenzblätter, Kalender und Almanache sowie biographische Hinweise zu Herausgebern, Verlegern und Druckern periodischer Schriften / Holger Böning ; Emmy Moepps
1. Von den Anfängen bis 1765. - 1996. - LVII S., 758 Sp. - ISBN 3-7728-1589-8 : DM 510.00
2. 1766 - 1795. - 1996. - Sp. 761 - 1566. - ISBN 3-7728-1591-X : DM 510.00
3. 1796 - 1815. - 1996. - Sp. 1569 - 2419. - ISBN 3-7728-1763-7 : DM 510.00 (zurück)
[2]
So die quantitativen Angaben in: Das Projekt "Deutsche Presse" / Holger Böning und Michael Nagel. // In: Zeitungen verzeichnen und nutzen / Hrsg. Hans Bohrmann, Wilbert Ubbens. - Berlin : Deutsches Bibliotheksinstitu, 1998. - (Informtionsmittel für Bibliotheken : Beiheft ; 7) [In Vorbereitung für Herbst 1998]. (zurück)

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