Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 6(1998) 1/2
[ Bestand im SWB ]

Enchiridion symbolorum definitionum et declarationum de


98-1/2-074
Enchiridion symbolorum definitionum et declarationum de rebus fidei et morum : Griechisch/Lateinisch - Deutsch = Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen [Computerdatei] / Heinrich Denzinger. Verb., erw., ins Deutsche übertragen und unter Mitarb. von Helmut Hoping hrsg. von Peter Hünermann. - Freiburg [u.a.] : Herder, 1997. - 1 CD-ROM für Windows und Macintosh + Handbuch. - Dieser CD-ROM liegt die 37. Aufl. des gedruckten Werkes von 1991 (Dokumente bis zum Jahr 1988, Nr. 1 - 4858) zugrunde, vom Hrsg. erweitert um Dokumente aus den Jahren 1989 - 1995 (Nr. 4860 - 5041). - ISBN 3-451-31503-3 : DM 248.00
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Der Denzinger gehört seit 1854 (!) zu den Standard-Hilfsmitteln in Studium und Lehre der katholischen Theologie. Er bietet die zentralen Passagen der grundlegenden Texte der christlichen Lehrtradition der Alten Kirche und des Mittelalters sowie der katholischen Lehrüberlieferung seit der Kirchentrennung im Abendland. Er ist damit ein praktisches Such- und Auskunftsinstrument für diese für die abendländische Geschichte grundlegenden bzw. höchst einflußreichen Texte von den frühen Glaubensbekenntnissen oder den grundlegenden Konzilsentscheidungen der Alten Kirche bis etwa zu den gesellschaftspolitisch relevanten Texten der katholischen Kirche (z.B. den Sozialenzykliken) oder auch zu kontrovers diskutierten Gegenwarts-Themen (von moraltheologischen Aussagen bis zu innerkirchlich relevanten Themen wie der Frauenordination). Von seiner Entstehung und Absicht her ist der Denzinger dabei kein unproblematisches Informationsmittel, da die Auswahl aus der Sicht einer theologischen Restauration erfolgt war und Hilfestellung vor allem für eine Form von "Schultheologie" bieten wollte, die inzwischen selbst historisch geworden ist.[1]

Die Geschichte des Denzinger zählt viele Bearbeiter. Bei manchen ist man geneigt zu sagen, "nomen est omen" (Clemens Bannwart SJ), bei anderen wundert sich der Außenstehende vielleicht - wenn auch zu Unrecht -, sie in diesem Kontext wiederzufinden (Karl Rahner SJ, der ja ein eminenter Kenner der "Schultheologie" war und dieses Instrument virtuos eingesetzt hat). Ein wirklich modernes, historisch-kritisch fundiertes Werk wurde der Denzinger erst in der Bearbeitung von Adolf Schönmetzer SJ (32. Aufl. 1963), die auch die Grundlage der Erweiterung (bis Johannes Paul II. und vor allem mit Einschluß des Vaticanum II) durch Peter Hünermann wurde. Hier wurde zudem der Schritt zur Zweisprachigkeit getan.[2]

Diese Ausgabe ist der vorliegenden 38. Aufl. (? s.u.) - eben als CD-ROM - zugrundegelegt, die hier nochmals erweitert worden ist um die Dokumente DH 4860 - 1541 aus den Jahren 1989 - 1995. Hier findet man etwa zusätzlich die Sozialenzyklika Centesimus annus oder das Apostolische Schreiben Ordinatio sacerdotalis zur Frage der Priesterweihe von Frauen, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Die Haupteinschränkung des Denzinger als Quellensammlung besteht in seiner Auswahlhaftigkeit im Blick auf die systematisch-theologisch relevanten Texte und Textpassagen, die dem bequemen Zugriff zugänglich sein sollen. Das setzt Entscheidungen über das aufzunehmende und auszuscheidende Material voraus, wie die verschiedenen Bearbeitungen deutlich zeigen. Umgekehrt besteht darin der Vorteil dieses Hilfsmittels: Durch die Zuweisung von Nummern zu den einzelnen Text(teil)en ist es ein bequemes Zitier- und Findinstrument.

Daß nun eine digitalisierte Ausgabe dieses Werkes in Angriff genommen wurde, ist verständlich. Die eminente Textmasse, die darin enthalten ist, drängt geradezu nach solchen Hilfsmitteln. Dabei böte eigentlich die CD-ROM Möglichkeiten, die Texte ggf. auch in größerer Vollständigkeit anzubieten oder auch früher ausgeschiedene Texte wieder aufzunehmen, was sich freilich wiederum am Prinzip dieses "Handbüchleins" stößt und - durch das Numerierungsverfahren bedingt - die Praktikabilität für die theologische Arbeit wohl gefährden würde. So wird man die Entscheidung für richtig und einzig praktikabel halten dürfen, die elektronische Version parallel zur Druckausgabe zu halten. Diese ist ohnehin umfangmäßig durch die Zweisprachigkeit an die Grenze der Praktikabilität in der Buchform gestoßen. Der Nutzer wird letztlich entscheiden, ob hier nicht auf Dauer die elektronische Version sich durchsetzen wird, bei der Probleme von Textmengen keine Rolle mehr spielen.

Für die CD-ROM wurde eine Lösung gewählt, die die Texte im pdf-Format darbietet und auch damit eine relativ große Nähe zur Druckausgabe wahren kann, z.B. auch deren Seitenangaben enthält, obwohl die Gliederung durch Textnummern bei diesem Werk auch ausreichend gewesen wäre zur korrekten Benutzung und Zitation. Das Datenformat zeigt schon, daß die Realisierung mit dem Acrobat-Reader der Firma Adobe vorgenommen wurde. Da es sich dabei um ein gängiges Programm handelt, brauchen dessen Eigenheiten hier nicht mehr im einzelnen beschrieben zu werden.

Die konkrete Umsetzung erfolgt so, daß die einzelnen Dokumente (bei den frühen Einzeltexten auch Dokumentgruppen) eigene Dateien bilden, die mit dem Kürzel DZH und der Dokumentnummer benannt werden, also auch von dieser Benennung aus einzeln geladen werden können. Dazu kommen die editorischen Beigaben der Originalausgabe wie Einführungen, Abkürzungen etc. und die umfangreichen Indizes.

Neben der üblichen Suche in den Einzeldokumenten ist der Gesamtbestand - und zwar getrennt nach Dokumenten und Indizes - insgesamt indiziert und mit einigem Komfort recherchierbar. Dabei können die Booleschen Operatoren UND, ODER, NICHT verwendet und auch kompliziertere Operationen mit Klammerausdrücken durchgeführt werden. Daß dabei die Funktion Suche für die erstere Suchfunktion (Einzeldokument) und die Funktion Search für die eigentlich relevante indizierte Suche im Gesamtbestand des Werkes vorbehalten ist, ist vielleicht nicht besonders geschickt und gewöhnungsbedürftig, aber letztlich nicht relevant.

Die Suche über die Dokument-Infos ermöglicht in der Search-Funktion auch die gezielte Suche von Dokumentarten (z.B. Enzyklika) oder der Schriften einzelner Verfasser (z.B. Pius XII.) oder das ganze auch in Kombination. Hier sind die Suchmöglichkeiten durch die Anlage von recherchierbaren Dokument-Infos zu allen Texten wirklich optimiert.

Eine weitere Möglichkeit bei der Suche sind die Ankreuzfelder Wortstamm, Bedeutung, Umgebung und Groß- und Kleinschreibung. Letzteres können wir übergehen. Inwieweit Wortstamm nicht auch durch Platzhaltersuche ersetzbar ist, wurde mir nicht ganz klar. Die im Deutschen mögliche Suche mit Bedeutung bezieht verwandte Begriffe über einen internen Thesaurus in die Suche ein. Eine Suchhilfe gibt an, welche Begriffe verwendet werden. Die Ergebnisse sind nicht unbedingt sinnvoll, so wenn "erläutern" auch "[sich] äußern" sucht ... Doch ist die Idee sicher sinnvoll. Es müßte nur möglich sein, Begriffe abzuwählen. Vielleicht ist der zugrundegelegte Thesaurus auch zu unspezifisch (von Bulle zu Elefantenbulle ist zwar sachlich korrekt, für den Denzinger aber wohl nicht relevant). Die Umgebungssuche müßte m.E. exakt auf Präzision einstellbar sein (nicht weiter entfernt als x Wörter).

Ganz ausgezeichnet und aufwendig durchgeführt ist die Vernetzung der einzelnen Dokumente untereinander und dieser mit den Indizes, von denen aus die jeweiligen Nummern direkt angeklickt werden können. Damit werden die ohnehin sehr guten Sachregister der neueren Denzinger-Ausgaben nun wirklich auch bequem nutzbar. Die CD-ROM bietet zusätzlich zum Original noch ein weiteres Bibelstellen-Register in der Reihenfolge der Dokumente (zusätzlich zum Stellenregister der Originalausgabe in der Reihenfolge der biblischen Bücher, das hier gleichfalls enthalten ist und die Dokumente anklickbar verzeichnet).

Die Funktionen zum Blättern, zur Suchgeschichte, zum Springen auf die Ausgangsseite, zum Zoomen des Texte sowie die Umschaltmöglichkeiten zwischen Anzeigearten etc. sind bequem angelegt. Hier ist ein relativ großer Aufwand betrieben, was bei einiger Einarbeitung sehr bequem ist.

Eine ständig über eine entsprechende Schaltfläche aufrufbare Notizfunktion ermöglicht das Schreiben eines Kommentars bzw. von Arbeitsnotizen. Die Schaltfläche ist dabei von allen Dokumenten aus aufrufbar. Dabei wird der Texteditor des Betriebssystems aktiviert. Der Dateiname ist festgelegt. Bei Beginn eines neuen Kommentars muß man also ggf. diese Datei unter einem anderen Namen speichern, damit die Kommentardatei wieder frei wird. Das Kopieren ist selbstverständlich auch in die Zwischenablage und darüber in eine Textdatei möglich. Dabei können auch griechische Texte direkt kopiert werden, wobei in der Textverarbeitung die mitinstallierte Schriftart "ArsGreek" aktiviert werden muß. Die Suche griechischer Wörter ist über eine lateinische Umschrift möglich, was auch durch Herauskopieren des Suchwortes aus einem Dokument möglich ist.

Die Installation der CD erfolgt wahlweise in den Sprachen Deutsch, Englisch oder Französisch. In Kleinigkeiten scheinen mir das (doch wohl etwas zu knappe zwölfseitige) Handbuch und die Realisation nicht ganz übereinzustimmen, so bei der Benennung des Menüpunktes Datei mit Ablage (evtl. für die "Mac"-Version gültig?); in anderen Fällen hilft eine genauere Lektüre der Hinweise (z.B. zu den über Bearbeiten zu ändernden Grundeinstellungen für Search). Da zudem eine ausführlichere Online-Hilfe vorhanden ist, ist das eher ein Problem von "Schnellanwendern", für die eine derart komplexe Realisierung manchmal etwas hinderlich ist. Der mit etwas Geduld sich einarbeitende Benutzer wird umgekehrt die Vorteile dieses doch recht ausgefeilten Instruments schätzen.

Die Verwendung von DzH als Abkürzung für die Nummernzählung im Handbuch (weniger relevant bei der Dateibenennung) ist eine kleine, aber etwas ärgerliche Abweichung vom Standard des IATG[3] bzw. von der Abkürzungsliste des LThK[4] im Herder-Verlag. In der CD-ROM selbst wird zudem mit D nach den Denzinger-Nummern gesucht, was bislang die Abkürzung für das Werk bis zur 31. Aufl. (mit anderer Nummern-Zählung) war. Deren Zählung ist - wie in der gedruckten Ausgabe - im übrigen über eine Konkordanz gleichfalls auffindbar. - Das ist zwar eine Kleinigkeit, aber man sollte davon ausgehen, das der Anwender nicht ständig mit diesem Arbeitsmittel umgeht und deshalb möglichst solche Standards nicht ändern und beim eingeführten DH für dieses Werk bleiben.

Eine kleine sprachliche Kritik: "Indexe" tut weh, wiewohl der Duden es schon vor der neuen Rechtschreibung erlaubte; die Online-Hilfe benutzt das ebenfalls Duden-korrekte "Indizes" und die CD-ROM hat den bei einem weitgehend lateinischen Werk schönen Verzeichnisnamen "Indices", den witzigerweise erst die neue Rechtschreibung alternativ erlaubt. Vielleicht wäre etwas Vereinheitlichung sinnvoll.

Eine bibliographische Anmerkung. In der CD wird mitgeteilt: "Dieser CD-Rom liegt die 37. Auflage des gedruckten Werkes von 1991 (Dokumente bis zum Jahr 1988, DZH0001 - DZH4858) zugrunde, vom Herausgeber erweitert um Dokumente aus den Jahren 1989 bis 1995, DZH4860 - DZH5041". Ist das nun die 38. Auflage? Oder will man die Buchzählungen getrennt laufen lassen?

Insgesamt hat man mit dieser Version des Denzinger ein Arbeitsinstrument in der Hand, das zwar für halbwegs geübte Anwender durch die zugrundegelegte Standardsoftware zunächst auch weitgehend intuitiv benutzbar ist, auf Grund seiner komplexen Anlage aber durch genauere Einarbeitung erst wirklich komplett auszuschöpfen ist, ggf. also auch etwas Beratungsaufwand erfordert. Für Bibliotheken mit theologischem Schwerpunkt sollte es zur Normalausstattung gehören.

Albert Raffelt


[1]
Zur Geschichte vgl.: Der "Denzinger" : Geschichte und Bedeutung eines Buches in der Praxis der neueren Theologie / Joseph Schumacher. - Freiburg : Herder, 1974. - 318 S. - (Freiburger theologische Studien ; 95). - ISBN 3-451-16923-1. (zurück)
[2]
37. Aufl. 1991, inzwischen auch in französischer und italienischer Bearbeitung erschienen; die Sprachkennzeichnung im Titel ist dabei nicht ganz zutreffend, da es nicht nur griechische und lateinische, sondern auch englische, französische oder spanische Originaltexte in der Sammlung gibt. (zurück)
[3]
Internationales Abkürzungsverzeichnis für Theologie und Grenzgebiete : IATG2 / Siegfried M. Schwertner. - 2., überarb. und erw. Aufl. - Berlin [u.a.] : de Gruyter, 1992. - Rez.: ABUN in ZfBB 40 (1993), 3, S. 279 - 285. (zurück)
[4]
Lexikon für Theologie und Kirche. - 3. völlig neu bearb. Aufl. - Freiburg [u.a.] : Herder. - Abkürzungsverzeichznis. - 1993. - Rez.: IFB 94-3/4-421. (zurück)

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