Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 6(1998) 1/2
[ Bestand im SWB ]

A directory of rare book and special collections in the


98-1/2-057
A directory of rare book and special collections in the United Kingdom and the Republic of Ireland / ed. by B. C. Bloomfield ... Publ. in assoc. with the Rare Books Group of the Library Association. - 2. ed. - London : Library Association, 1997. - XXIII, 740 S. ; 25 cm. - ISBN 1-85604-063-1 : œ 98.00
[4233]

Die 1. Aufl. 1985 dieses Bestandsführers zu gedrucktem Material vor 1851 in Bibliotheken Großbritanniens und der Republik Irland wurde in ABUN in ZfBB 32 (1985),5, S. 436 - 437 ausführlich besprochen. Die wesentlichen Charakteristika gelten auch für die vorliegende 2. Aufl.: Berücksichtigt ist primär gedrucktes Material vor 1851, späteres nur bei besonderer Seltenheit, bzw. dann, wenn es in engem Zusammenhang mit dem hauptsächlich beschriebenen Bestand steht. Anlage wie bisher: England (untergliedert nach counties und weiter im Ortsalphabet), Nordirland, Republik Irland, Schottland,[1] Wales, Kanalinseln und Isle of Man. Berücksichtigt sind "über 1200" Institutionen unterschiedlicher Trägerschaft (darunter sehr zahlreiche private[2]), wobei die neu hinzugekommenen ca. 50 durch den Abgang (Aufgehen in anderen Sammlungen, häufig aber auch Auflösung nach Verkauf vor allem von Privatbibliotheken oder solchen von nichtstaatlichen Körperschaften[3]) in etwa aufgewogen werden. Allen in der 1. Aufl. enthaltenen Bibliotheken wurde erneut ein Fragebogen zugeschickt; wurde dieser auch nach zwei Mahnungen nicht beantwortet, hat der Herausgeber gezielt recherchiert, ob die Bibliothek überhaupt noch existiert. Ggf. wurden bei nicht kooperierenden Bibliotheken weitere Angaben aus anderen Quellen gewonnen. Die Informationen zur einzelnen Bibliothek wurden auf den neuesten Stand gebracht und beinhalten wie bisher: 1. Adreßangaben, Öffnungszeiten und Benutzungsbedingungen; 2. kurze Geschichte der Bibliothek mit Literaturhinweisen; 3. Bestandsbeschreibung pauschal, gefolgt von der einzelner (benannter oder getrennt aufgestellter) Sammlungen mit Angaben über Herkunft, Umfang, inhaltliche Schwerpunkte und chronologische Schichtung, dazu Angaben zur Erschließung in Katalogen. Das Problem aller derartiger Bestandsführer - auch des Handbuchs der historischen Buchbestände - daß nämlich kleine Bibliotheken special collections benennen, deren Umfang und Bedeutung weit hinter dem zurückstehen, was große Bibliotheken in ihrem Altbestand verstreut verwahren, ist bei der Benutzung stets zu bedenken. Obwohl das Register mit Eintragungen unter Orten, Bibliotheksnamen, Namen von Sammlern und Sachbegriffen lt. Vorwort neu bearbeitet wurde, ist es nach Stichproben zu schließen, genauso unzuverlässig wie das der 1. Aufl.[4] und ebenso unbequem zu benutzen, da es weiterhin in Ermangelung einer laufenden Numerierung der Eintragungen (und Sammlungen) nur auf die Seite verweist.

Wurde in der Rezension der 1. Aufl. der mögliche Vorbildcharakter des Bestandsführers für das damals in Vorbereitung befindliche Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland angesprochen, so hat dessen - allerdings mit unendlich höherem Einsatz an Personal und Mitteln - zustandegekommenes Erscheinen inzwischen Maßstäbe gesetzt, die sich wohl auf kein anderes Land übertragen lassen. Trotzdem wäre es sehr erwünscht, wenn auch andere Länder derartige - und wie das hier vorgestellte Beispiel zeigt - auch mit weit geringerem Mitteleinsatz zu erstellende Führer zu ihren Altbeständen vorlegen würden.[5]

Klaus Schreiber


[1]
Als spezieller Führer zu Beständen mit Bezug auf Deutschland, allerdings überwiegend neueres Material betreffend, sei erwähnt:
Guide to resources for German studies in Scottish research libraries. - Edinburgh : Scottish Confederation of University and Research Libraries ; Wiesbaden : Harrassowitz, 1995. - XII, 128 S. ; 25 cm. - ISBN 0-9524051-0-5 : (kostenlos) [4380].
Die interessanten, z.T. alte deutsche Privatbibliotheken überliefernden Bestände in der National Library of Scotland mit besonderem Interesse für die Geschichte der Reformation (hier S. 66), sind jedoch nur im Directory ... genauer beschrieben (z.B. S. 635 Crawford und Dieterichs collection), aber leider über das Register (s.u.) nur unzureichend erschlossen. (zurück)
[2]
Die zum National Trust gehörigen Bibliotheken sind nicht sämtlich berücksichtigt. Der vom National Trust geplante Gesamtkatalog der ihm anvertrauten Büchersammlungen ist ein beliebtes Thema von Leserbriefen im Times literary supplement (z.B. 25.07., 15.08., 05.09 und 03.10.1997, jeweils auf S. 17). (zurück)
[3]
Auch Universitäts- u.a. öffentliche Bibliotheken haben sich seit der 1. Auflage von kostbaren Teilen ihres Altbestandes im Wege der Versteigerung getrennt. Besonders krasse Fälle sind auf S. XIII aufgeführt. Leider ist nicht auszuschließen, daß wir auch in Deutschland in Anbetracht leerer Staatskassen noch ebensolches erleben werden. (zurück)
[4]
Zum einen fehlen ganz einfach viele Sammlungen: z.B. die der Royal Photographic Society (S. 1) oder die photography collection der Trinity College Library (Cambridge, S. 39) unter photography, der Indien-Schwerpunkt des Oriental Club (S. 308) unter India, der als "especially rich" bezeichnete Bestand der Trinity College Library (Cambridge) an Lutherdrucken und deutscher Literatur 1780 - 1850 (S. 39) etc. etc. Bei letzterer Bibliothek wird der bedeutende Bestand an italienischen Drucken des 17. Jahrhunderts gleich gar nicht erwähnt (vgl. Italian 17th century books in Cambridge libraries / Roberto L. Bruni ... - 1997. - Rez.: IFB 97-1/2-049).
Auch die mangelnde Begriffskontrolle der verwendeten Schlagwörter wurde nicht beseitigt: es gibt zwar die Hauptstelle Children's books, daneben aber auch einen Eintrag unter Early children's books. Dagegen ist von den in der Rezension der Vorauflage erwähnten, nicht koordinierten Dreiheit der Eintragungen unter Erotica, Obscene publications und Pornography allein der mittlere Begriff übriggeblieben und enthält jetzt nur noch einen einzigen Hinweis auf die bekannte Sammlung der British Library, so daß man sich fragt, was aus den anderen in der 1. Aufl. nachgewiesenen Sammlungen geworden ist. (zurück)
[5]
Der Führer zum Patrimoine des bibliothèques de France (1995) - IFB 96-1-015 - kann neben dem hier besprochenen Führer nur schlecht bestehen, eher schon der Guide des fonds patrimoniaux des bibliothèques d'Alsace - IFB 96-1-016 -, während sich der noch nicht abgeschlossene Catalogo delle biblioteche d'Italia - zuletzt IFB 96-4-420 - 422 - nicht auf Altbestände beschränkt und vermutlich auch kein Gesamtregister erhalten wird. (zurück)

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