Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 6(1998) 1/2
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Brockhaus, Die Bibliothek


98-1/2-036
Brockhaus, Die Bibliothek / hrsg. von der Brockhaus-Redaktion. - Leipzig ; Mannheim : F. A. Brockhaus. - 25 cm
[4745]
Die Weltgeschichte. - ISBN 3-7653-7400-8 (Gesamtwerk) : DM 1248.00 (Gesamtpr. bei Komplettabnahme bis 31.12.1998)
Bd. 1. Anfänge der Menschheit und frühe Hochkulturen / [red. Leitung: Mathias Münter-Elfner]. - 1997. - 698 S. : zahlr. Ill., graph. Darst., Kt. - ISBN 3-7653-7401-6 : DM 228.00 (Einzelpr.), DM 185.00 (Forts.Pr.)
Bd. 2. Antike Welten : (bis 600 n. Chr.) [red. Leitung: Mathias Münter-Elfner ...]. - 1997. - 704 S. : zahlr. Ill., graph. Darst., Kt. - ISBN 3-7653-7411-3 : DM 228.00 (Einzelpr.), DM 185.00 (Forts.Pr.)
98-1/2-037
Brockhaus, Die Bibliothek / hrsg. von der Brockhaus-Redaktion. - Leipzig ; Mannheim : F. A. Brockhaus. - 25 cm
[4744]
Kunst und Kultur. - ISBN 3-7653-6700-1 (Gesamtwerk) : DM 1248.00 (Gesamtpr. bei Komplettabnahme bis 31.12.1998)
Bd. 1. Von der Höhlenkunst zur Pyramide : Vorzeit und Altertum / [red. Leitung: Rudolf Ohlig ...]. - 1997. - 704 S. : zahlr. Ill., graph. Darst., Kt. - ISBN 3-7653-6701-X : DM 228.00 (Einzelpr.), DM 185.00 (Forts.Pr.)
Bd. 2. Säulen, Tempel und Pagoden : Kulturen im antiken Europa und in Asien / [red. Leitung: Rudolf Ohlig ...]. - 1997. - 703 S. : zahlr. Ill., graph. Darst., Kt. - ISBN 3-7653-6711-7 : DM 228.00 (Einzelpr.), DM 185.00 (Forts.Pr.)
Bd. 3. Herrscher und Heilige : europäisches Mittelalter und die Begegnung von Orient und Okzident / [red. Leitung: Rudolf Ohlig ...]. - 1997. - 704 S. : zahlr. Ill., graph. Darst., Kt. - ISBN 3-7653-6721-4 : DM 228.00 (Einzelpr.), DM 185.00 (Forts.Pr.)

Beide Abteilungen ergänzen sich inhaltlich insofern, als erstere primär das politische Geschehen behandelt, während letztere eine Geschichte der Kulturwissenschaften (lt. Vorwort zu Bd. 1 "ein Panorama menschlicher Schöpferkraft") darstellt, ohne daß der Verlag freilich durch ein Verweisungssystem diese Beziehungen leicht nutzbar gemacht hätte. Insgesamt wirken die Bände wie "von der Stange", wozu rein äußerlich schon die Tatsache beiträgt, daß die (bisherigen) Bände auf den Gardeumfang von genau 704 (oder 703, falls die letzte Seite unbedruckt ist) Seiten zurechtgestutzt wurden und lediglich Bd. 1 der Weltgeschichte verfehlt den geforderten Umfang um nur wenige Seiten. Was das für den Inhalt und seine Gewichtung bedeuten mag, kann man ahnen, wenn also den "Anfängen der Menschheit und den frühen Hochkulturen" (aber ohne das klassische Altertum) in Bd. 1 derselbe Umfang zugestanden wird wie dem gesamten Mittelalter und der frühen Neuzeit von 600 - 1650 in Bd. 3.

Die Bände "sind als Lesebücher und Nachschlagewerke gleichzeitig konzipiert: Die Texte, allesamt verfasst[1] von Experten des jeweiligen Faches, bieten ... fundierte Sachinformationen in anschaulicher und verständlicher Form." An anderer Stelle der Werbung heißt es vollmundig: "Sämtliche Texte sind von namhaften Autoren verfasst, die durch ihre fachliche Kompetenz und die plastische Sprache ihrer Beiträge überzeugen." Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes, darunter einige wirklich bekannte Namen,[2] sind jeweils im Vorspann genannt, ohne daß ihre Anteile am Werk aus dem Inhaltsverzeichnis hervorgingen. Man muß vielmehr in den Bänden bis ans Ende der Kapitel und Abschnitte blättern, um den Verfasser feststellen zu können: dabei sind deren Namen in Bd. 2 der Weltgeschichte in voller Form jeweils am Ende eines Kapitels aufgeführt, während in Bd. 2 von Kunst und Kultur jeder Abschnitt gezeichnet ist, dafür nur mit Initialen, selbst dann, wenn das ganze Kapitel von einem Autor stammt.[3] Was die "plastische Sprache" angeht, so muß man das nicht so ernst nehmen, es sei denn, man bescheinige eine solche Abschnittsüberschriften wie Skandal in Rom: Octavian ... spannt Tiberius Claudius Nero die Frau aus! oder, im selben Abschnitt, "Am 31. Dezember 38 v. Christi lief das ... Triumvirat ab, und man wüsste gerne ..., was denn jetzt passieren würde." (Weltgeschichte, Bd. 2, S. 420 - 421). Inwieweit dergleichen die "namhaften Autoren" zu verantworten haben, oder die auf dem Titelblatt genannte Brockhaus-Redaktion, bleibe dahingestellt. Mehr Mühe hat sich diese mit der insgesamt guten, fast ausschließlich farbigen Bebilderung gemacht, desgleichen mit thematischen Karten, Plänen und (farbig hinterlegten) Tabellen.

Uneinheitlich verfahren beide Bände bei dem jeweils sachlich gegliederten Literaturverzeichnis am Schluß: bei der Weltgeschichte ist es Literaturhinweise überschrieben und erstreckt sich über nicht weniger als 13,5 Spalten: aufgeführt sind deutsch- und englischsprachige (ganz wenige französischsprachige) Monographien und ganz vereinzelt auch Aufsätze, darunter höchst spezielle Titel, die jenseits des Interessenhorizonts der Zielgruppe liegen dürften.[4] Bei Bd. 2 von Kunst und Kultur heißt der entsprechende Abschnitt Weiterführende Literatur und begnügt sich mit 6 Spalten ausschließlich deutschsprachiger Monographien (darunter zahlreiche Ausstellungskataloge), die überwiegend auch bei der Zielgruppe Akzeptanz finden werden.[5] Dazu kommen knapp zwei Spalten mit Zitierten Werken.

Uneinheitlich verfahren beide Abteilungen auch mit den Registern: Bd. 2 der Weltgeschichte hat gar kein Register (was im Widerspruch zur Behauptung der Werbung steht, wonach "sämtliche Reihen ... Register zur schnellen Orientierung" bieten) und Bd. 2 der Reihe Kunst und Kultur verfügt lediglich über ein Namenregister für historische Personen und mythologische Figuren. Fehlende bzw. unzureichende Register entlarven den Anspruch des Verlages, mit Brockhaus. Die Bibliothek sowohl "Lesebücher und Nachschlagewerke gleichzeitig" anzubieten, als Werbespruch.

In einem Interview, das zwei Vorstandsmitglieder, der stellvertretende Redaktionsleiter und Koordinator für Brockhaus. Die Bibliothek sowie die Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit dem Börsenblatt ...[6] anläßlich der Markteinführung gegeben haben, erfährt man weitere interessante Details, insbesondere über die Absatzchancen, zu deren Ermittlung sich der Verlag sogar der Hilfe eines Marktforschungsinstituts versichert hatte. Die Zielgruppe ließ sich dabei aber offensichtlich auch nicht präziser als mit den berühmten "interessierten Laien" bestimmen. Daß Käufer offensichtlich die Meinung des Vorstandsmitglieds teilen, nämlich "daß man einen köstlichen Inhalt anständig präsentieren muß" und deshalb bereit sind, sich Inhalt und Verpackung etwas mehr kosten zu lassen, läßt sich am "sehr positiv" eingeschätzten Absatz ablesen: "Im Durchschnitt verkaufen wir mehr als drei Reihen, und eine überraschend hohe Zahl unserer Kunden kauft sowohl die komplette 'Bibliothek' als auch die komplette 'Enzyklopädie'." Wünschen wir dem Verlag, daß er wesentlich mehr als die für die Erstauflage gedruckten 10.000 Exemplare pro Reihe verkauft, da sich erst dann die Investitionen auszahlen werden. Aber da ist der Verlag sehr zuversichtlich: "Die Auflage muß wesentlich höher sein, und sie wird auch wesentlich höher sein." Hoffentlich muß man das nicht als Pfeifen im dunklen Wald verstehen; aber nötigenfalls kann der Verlag ja nach Marcel Reich-Ranicki ("Wer viel weiß, will noch mehr wissen") und Heiner Geißler ("Wissen ist Macht. Unwissen ist Ohnmacht") auch noch Nina Ruge und Ulrich Kienzle mit Bodo Hauser an die Werbefront schicken, deren Sprüche bereits in einem Prospekt zu Brockhaus. Die Enzyklopädie unter dem Motto "An dieser Werbung kommt keiner vorbei" nachzulesen waren.

Die Feststellung des Verlages "daß es derzeit keine neuere deutschsprachige große Weltgeschichte, keine moderne Kulturgeschichte und kein Werk über den Menschen zwischen Natur und Technik gibt", stimmt natürlich nur bedingt; es sei denn, man lege an den Begriff "modern" den Maßstab des gerade frisch Erscheinenden oder den der modernen "grafischen Gestaltungselemente" (s.o.) an. Bibliotheken besitzen solche Werke bereits,und auch Privatleute als primäre Zielgruppe von Brockhaus. Die Bibliothek konnten in den letzten Jahren manches ursprünglich teure Großwerk (und nicht nur den Grzimek) als preiswerte Paperbackausgabe oder - zum Schluß - die Originalausgabe im modernen Antiquariat erwerben. - Für wissenschaftliche Bibliotheken ist Brockhaus. Die Bibliothek verzichtbar, für öffentliche Bibliotheken ist der Kauf für den Informationsapparat aber wohl erwägenswert.

Klaus Schreiber


[1]
Daß der Verlag nicht nur in der Werbung, sondern auch in beiden Abteilungen des Brockhaus die neue Rechtschreibung verwendet, versteht sich fast von selbst. Lediglich Grzimeks Säugetiere dürfen ihr altes orthographisches Fell weiter tragen. (zurück)
[2]
Von den 24 bzw. 37 Mitarbeitern in Bd. 2 der beiden Reihen fehlten 11 (46 %) bzw. 23 (62 %) - die wenigen Namen aus dem nicht-deutschsprachigen Ausland wurden dabei nicht in Abzug gebracht - in Kürschners deutschem Gelehrten-Kalender. - 17 (1996), überprüft an dessen CD-ROM-Ausgabe. (zurück)
[3]
Im selben Band liest man am Schluß unter der Überschrift Hinweise für den Benutzer: "Texte, die mit 'Red.' gekennzeichnet sind, liegen in der Verantwortung der Redaktion" (selbst bei vielfachem Blättern hat der Rezensent allerdings keine so gezeichneten Texte entdeckt). "Das gleiche gilt für alle Bildunterschriften, Randtexte und Kurzdarstellungen sowie die Auswahl der Zitate." - Ein derartiger Hinweis fehlt in Bd. 2 der Weltgeschichte. (zurück)
[4]
Z.B. Suppiluliuma and the Amarna Pharaohs : a study in relative chronology (S. 694). (zurück)
[5]
Nicht zutreffen dürfte das für die Neubearbeitung von Ueberwegs Grundriss der Geschichte der Philosophie, von der ohne diesen Titel und ohne den Namen des Begründers unter dem Titel der Abteilung Die Philosophie der Antike lediglich Bd. 4 zitiert wird, obwohl es bekanntlich auch bereits den früher erschienenen Bd. 3 gibt. (zurück)
[6]
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel. - 164 (1997),23, S. 10 - 13. (zurück)

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