Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 4(1996) 1
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Lexikon deutschsprachiger Schriftstellerinnen im Exil 1933


96-1-109
Lexikon deutschsprachiger Schriftstellerinnen im Exil 1933 - 1945 / Renate Wall. - Freiburg i. Br. : Kore, 1995. - 20 cm. - ISBN 3-926023-48-1 : DM 58.00
[3084]
Bd. 1. [A - L]. - 1995. - 271 S.
Bd. 2. [L - Z]. - 1995. - 269 S.
96-1-110
Deutsche Intellektuelle im Exil : ihre Akademie und die "American Guild for German Cultural Freedom" ; eine Ausstellung des Deutschen Exilarchivs 1933 - 1945 der Deutschen Bibliothek, Frankfurt am Main / [Ausstellung und Katalog: Werner Berthold, Brita Eckert und Frank Wende]. - München [u.a.] : Saur, 1993. - XI, 584 S. ; 25 cm. - (Sonderveröffentlichungen / Die Deutsche Bibliothek ; 18) (Nachlaßverzeichnisse zur deutschsprachigen Emigration). - ISBN 3-598-11153-3 (Ln.) : DM 124.00 - ISBN 3-598-11152-5 (br.) : DM 68.00
[2052]
96-1-111
Richard A. Bermann alias Arnold Höllriegel : Österreicher, Demokrat, Weltbürger ; eine Ausstellung des Deutschen Exilarchivs 1933 - 1945 / Die Deutsche Bibliothek. [Begleitbuch: Hans-Harald Müller (Kapitel 1 - 7) und Brita Eckert (Kapitel 8 - 12). Unter Mitw. von Werner Berthold. Mitarb.: Mechthild Hahner]. - München [u.a.] : Saur, 1995. - XII, 431 S. : Ill. ; 24 cm. - (Sonderveröffentlichungen / Die Deutsche Bibliothek ; 22). - ISBN 3-598-11297-1 (Br.) : DM 78.00 - ISBN 3-598-11298-X (Geb.) : DM 98.00
[3278]
96-1-112
Exil in Brasilien : die deutschsprachige Emigration 1933 - 1945 ; eine Ausstellung des Deutschen Exilarchivs 1933 - 1945 / Die Deutsche Bibliothek. [Red.: Christine Hohnschopp ...]. - Leipzig ; Frankfurt am Main [u.a.] : Deutsche Bibliothek, 1994. - 173 S. : Ill. ; 24 cm. - (Sonderveröffentlichungen / Die Deutsche Bibliothek ; 21). - ISBN 3-922051-63-4. - (Beim Verlag vergriffen; lieferbar bei: Centro do Livro e do Disco de Lingua Portuguesa, Postfach 100839, 60008 Frankfurt)
[3277]
96-1-113
Deutsche Literatur im Exil in den Niederlanden : eine Ausstellung des Deutschen Exilarchivs 1933 - 1945 / Die Deutsche Bibliothek. [Redaktion: Frank Wende]. - Leipzig ; Frankfurt am Main [u.a.] : Deutsche Bibliothek, 1993. - 195 S. : Ill. ; 24 cm. - (Sonderveröffentlichungen / Die Deutsche Bibliothek ; 20). - ISBN 3-922051-55-3 : DM 15.00
[3276]

Das Lexikon deutschsprachiger Schriftstellerinnen im Exil enthält 203 Kurzbiographien nebst knappen Werk- und Literaturhinweisen. Vielfach ist auch ein kleines Photo beigefügt, dessen Wiedergabequalität allerdings nicht immer überzeugt (z.B. bei Jokl, Anna Maria). Das Buch wird durch ein vierseitiges Vorwort eingeleitet. Zur Orientierung dienen das Abkürzungsverzeichnis, das Namenverzeichnis der behandelten Schriftstellerinnen und eine Zusammenstellung der benutzten Literatur. Die Lexikonartikel sind unterschiedlich ausführlich und informativ. Sie reichen von der bruchstückhaften Faktensammlung (z.B. Auer, Grete) über die schlichte Aufzählung der Lebensstationen und Veröffentlichungen (z.B. Adolf, Helen) bis hin zur Skizzierung von Persönlichkeit und literarischem Werk (z.B. Canetti, Veza). Das Lexikon ist kein vollständig neues Werk, sondern die erweiterte Fassung eines 1988 veröffentlichten Titels. Seltsamerweise wird dies an keiner Stelle erwähnt.[1] Anlaß zur Irritation gibt auch die Haupttitelseite, die das Buch als Verfasserschrift ausweist. Während das Ursprungswerk offenbar tatsächlich noch allein von Renate Wall geschrieben wurde, halfen in der Neufassung 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie werden im Anhang kurz vorgestellt. Ihr jeweiliger Anteil am Gesamtwerk ist nicht auszumachen, da die Artikel nur teilweise gezeichnet sind.

Als Beitrag zur Wiedereinbürgerung verfemter und weithin vergessener Autorinnen ist das Lexikon deutschsprachiger Schriftstellerinnen im Exil ohne Zweifel wichtig. Konzeptionell wie inhaltlich bietet es indes gravierende Angriffspunkte, die bei einer weiteren Neuauflage auszuräumen wären. Der erste Einwand betrifft die Personenauswahl. Selbst bei großzügiger Auslegung des Berichtsfeldes "deutschsprachige Schriftstellerin im Exil 1933 - 1945" verfehlt die Herausgeberin in mehr als 40 der 203 Fälle das vorgegebene Thema, da sie Schriftstellerinnen verzeichnet, die entweder erst lange nach 1945 zu schreiben begannen oder aber niemals aus Deutschland emigrierten. Zur ersten Gruppe zählen etwa Hilde Domin, Anna-Judith Kerr (*1923, Als Hitler das rosa Kaninchen stahl), Cordelia Edvardson (*1929, Gebranntes Kind sucht das Feuer) oder Edith Bruck (*1932), außerdem Monika und Elisabeth Mann. Deutschland gar nicht verlassen haben z.B. Gertrud Kolmar und Elisabeth Langgässer. Erstere kam bekanntlich in Auschwitz um.

In der mangelnden Berücksichtigung von abweichenden Namensformen, Namensänderungen und Pseudonymen liegt eine zweite wesentliche Schwäche des Nachschlagewerkes. Unter den Lemmata ist nicht eine einzige Verweisung zu finden, in das Namenverzeichnis im Anhang gelangten nur drei.[2] Wer demnach z.B. nicht bereits weiß, daß die Autorin Susi Eisenberg später Susanne Bach hieß oder daß Katarina Brendel und Hilde B. Winrich zwei Pseudonyme von Hilde Rubinstein waren, wird im Lexikon nicht fündig.

Der Gebrauchswert des Nachschlagewerkes leidet schließlich auch unter der ungenügenden Verwertung der neueren Literatur. Manche Beiträge (und selbst das Vorwort) der Neuausgabe sind gegenüber der Erstauflage nicht fortgeschrieben, grundlegende biographische und bibliographische Hilfsmittel wie der Katalog der Bücher und Broschüren des Deutschen Exilarchivs, die gehaltreichen Ausstellungskataloge dieser Institution oder das Deutsche biographische Archiv, N.F. kommen im Literaturverzeichnis nicht vor. Andererseits finden sich gerade unter den neu hinzugekommenen durchaus auch überzeugende Artikel (z.B. Brodnitz, Käthe; Hirsch, Käthe; Penkala, Alice; Stöcker, Helene). Eine weitere Auflage sollte hier aufbauen.

Bedeutende Impulse für die Exilforschung gingen in den letzten Jahren immer wieder vom Deutschen Exilarchiv der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main aus. Der umfangreiche Katalog zur 1993 gezeigten Ausstellung Deutsche Intellektuelle im Exil markiert dabei zweifellos einen Höhepunkt der bisherigen Arbeit. Erstmals ausführlich vorgestellt werden hier die auf Initiative von Hubertus Prinz zu Löwenstein gegründete Deutsche Akademie der Künste und Wissenschaften im Exil und die eng damit verbundene Künstlerhilfsorganisation American Guild for German Cultural Freedom. Das Archiv der Akademie und der American Guild konnte bereits 1970 von Prinz Löwenstein erworben werden. Die biographischen Akten aus diesem Bestand bilden bis heute den meistgenutzten Archivalienfonds des Deutschen Exilarchivs.

Mit Hilfe von zahlreichen, häufig faksimilierten Dokumenten - Aktennotizen, Briefen, Aufrufen, Zeitungsausschnitten u.a. - und mit vielen Photographien zeigt der Katalog die wechselvolle Geschichte des "merkwürdigen Zwillingsgebildes" American Guild / Deutsche Akademie, zu dessen Mitgliedern und Förderern Thomas Mann, Sigmund Freud, Stefan Zweig und andere Prominente zählten. In drei eingeschobenen Blöcken (S. 140 - 216, 270 - 357, 439 - 538) präsentiert der Band außerdem 35 "Einzelfälle" von unterstützten Flüchtlingen. Darunter befinden sich neben wieder zu entdeckenden (Uriel Birnbaum, Iwan Heilbut, Maria Leitner u.a.) so klangvolle Namen wie Ernst Weiß, Siegfried Kracauer, Robert Musil und Anna Seghers. Der Aufbau der Einzelfallberichte ist immer gleich. Einem Abriß des Werdegangs bis in die dreißiger Jahre folgt die Dokumentation des Kontaktes zwischen Flüchtling und American Guild, begleitet von Erläuterungen der Herausgeber. Abschließend werden die Lebensgeschichten zu Ende erzählt. Längst nicht immer enden sie gut.

Mit ihrer durchdachten Materialauswahl und den kenntnisreichen Kommentaren haben die Katalogbearbeiter - Werner Berthold, Brita Eckert und Frank Wende - nicht nur einen hervorragenden Ausstellungskatalog, sondern ein länger gültiges, unentbehrliches Arbeitsinstrument geschaffen. Das sorgfältig erarbeitete Personenregister und die im Anhang gebotenen, personengeschichtlich bedeutsamen Listen der Stipendiaten der American Guild sowie der ermittelten Teilnehmer an einem literarischen Preisausschreiben der Hilfsorganisation bestätigen diesen Eindruck nur noch. Hoffentlich ist das Werk in den meisten Bibliotheken bereits angeschafft worden.

Ein enger Weggefährte Prinz Löwensteins beim Aufbau der Deutschen Akademie und der American Guild war der österreichische Schriftsteller und Journalist Richard A. Bermann alias Arnold Höllriegel. Im gerade besprochenen Ausstellungkatalog ist ihm ein eigenes Kapitel gewidmet. In der jüngsten Ausstellung des Deutschen Exilarchivs vom Herbst 1995 rückte Bermann nun ganz in den Mittelpunkt. Das umfangreiche, von Hans-Harald Müller und Brita Eckert redigierte Begleitbuch bezeugt die bemerkenswerte Vielseitigkeit des fast völlig vergessenen Autors. Um Bermanns Schaffen wieder bekannt zu machen, wurde es in erster Linie als Lesebuch angelegt. Zahlreiche Photographien ergänzen die Bermann-Texte. Das bis dahin unpublizierte Material stammt vorwiegend aus Bermanns 1978 erworbenem Nachlaß sowie aus dem Archiv der Deutschen Akademie und der American Guild. Hinsichtlich der editorischen Sorgfalt steht der Katalog dem zuvor besprochenen Werk nicht nach. Ein ausgewähltes Schriftenverzeichnis Bermanns hätte seinen Wert indes noch erhöht.

Die Bermann-Ausstellung war gewissermaßen der Beitrag Der Deutschen Bibliothek zum Schwerpunktthema Österreich der Frankfurter Buchmesse 1995. Gleiches leisteten in den Vorjahren die Ausstellungen Exil in Brasilien (1994) und Deutsche Literatur im Exil in den Niederlanden (1993). Zu diesen Veranstaltungen sind ebenfalls Kataloge erschienen.

Die im wesentlichen von Christine Hohnschopp zusammengestellte Broschüre über das Zufluchtsland Brasilien versammelt Lebenszeugnisse, Erinnerungen und literarische Texte von deutschen Emigranten, wobei Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Kunst berücksichtigt werden. Eine instruktive Einführung Patrick von zur Mühlens, 51 Kurzbiographien namhafter Brasilien-Emigranten (neben Stefan Zweig u.a. Susanne Bach, Ernst Feder, Johannes Hoffmann, Erich Koch-Weser, Paula Ludwig) sowie eine Auswahlbibliographie zum Thema runden das gelungene Bändchen ab.

Wie schon der Titel anzeigt, wird in Deutsche Literatur im Exil in den Niederlanden neben dem Asylland für Emigranten auch der bedeutende Produktionsort für deutsche Literatur gewürdigt. Demzufolge enthält die von mehreren Mitarbeitern Der Deutschen Bibliothek erstellte Schrift eine Bibliographie der in den Niederlanden erschienenen Exil-Zeitschriften sowie ein Verzeichnis aller in Der Deutschen Bibliothek (Deutsches Exilarchiv Frankfurt und Sammlung Exilliteratur Leipzig) erhaltenen Bücher und Broschüren. Dieses Verzeichnis entspricht nahezu einem Gesamtkatalog der deutschsprachigen Produktion der holländischen Verlage in jenen Jahren. Das Ausstellungsbändchen bietet darüber hinaus eine facettenreiche Anthologie von Briefen, Berichten und Literatur über das Exil in den Niederlanden und eine aus dem Biographischen Handbuch der deutschsprachigen Emigration erarbeitete Liste bedeutender deutscher Emigranten (Beruf bzw. Tätigkeitsgebiet, Lebensdaten, Zeit des Aufenthalts in den Niederlanden). Lesenswert ist schließlich auch die kleine Einführung Hans Würzners, die u.a. die beiden wichtigsten Exilverlage, Querido und Allert de Lange, sowie Förderer und Autoren von deutscher Literatur in den Niederlanden porträtiert. Nach so vielen Eindrücken und Anregungen hätte eine kleine Auswahlbibliographie zum Thema gutgetan. Dem positiven Gesamtbild kann dieses Manko freilich nicht schaden. Wie das Brasilien-Buch sollte auch der Niederlande-Katalog in keiner Bibliothek fehlen.

Achim Bonte


[1]
Verbrannt, verboten, vergessen : kleines Lexikon deutschsprachiger Schriftstellerinnen 1933 bis 1945 / Renate Wall. - Köln : Pahl-Rugenstein, 1988. - (Kleine Bibliothek ; 510). - In der 2. Aufl. von 1989 ist das Buch derzeit noch lieferbar. Es umfaßt rund 150 Einträge. (zurück)
[2]
U.a. wird von Martha Halbrand (Pseudonym in den USA) auf Katrin Holland verwiesen. Katrin Hollands wirklicher Name (Heidi Huberta Freybe) und ihr Ehename (Lamon) fehlen dagegen wieder. (zurück)

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