Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 3(1995) 4
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Duden "Etymologie"


95-4-528
Duden "Etymologie" : Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache. - 2., völlig neu bearb. und erw. Aufl. / von Günther Drosdowski. - Mannheim [u.a.] : Dudenverlag, 1989. - 839 S. ; 20 cm. - (Der Duden ; 7). - ISBN 3-411-20907-0 : DM 36.00
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95-4-529
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache / Kluge. - 23., erw. Aufl. / bearb. von Elmar Seebold. - Berlin [u.a.] : de Gruyter, 1995. - LXIV, 921 S. ; 25 cm. - Name des Begründers: Friedrich Kluge. - ISBN 3-11-012922-1 : DM 78.00
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Das Etymologische Wörterbuch des Deutschen, dessen Konzeption eher der Ausrichtung des Duden "Etymologie" denn der des Kluge ähnelt, empfiehlt sich durch die Aufnahme zahlreicher Fremdwörter, nach deren Etymologie erfahrungsgemäß besonders oft gefragt wird (Beispiele aus den Lemmata der Buchstabenfolge Hi: Histologie und Hit, beide nicht im Duden "Etymologie" dokumentiert). Den entscheidenden Vorteil für einen größeren Nutzerkreis stellt jedoch die "konsequente Angabe von Bedeutungshinweisen" (S. IX) dar, die wesentlich zur Anschaulichkeit, Plastizität und auch Stringenz der einzelnen Artikel beiträgt. Ein ganz unscheinbares, nicht spektakuläres, aber gerade deshalb besonders aussagekräftiges Beispiel zum Vergleich: Insekt wird sowohl im Kluge als auch im Duden "Etymologie" eingeführt als "Kerbtier", während im dtv-Wörterbuch der Artikel folgendermaßen beginnt: "Die Bezeichnung für die zwischen Kopf, Brust und Hinterleib stark eingeschnittenen oder eingekerbten Gliederfüßler (nhd. dafür öfters Kerbtiere, s. kerben) geht zurück auf lat. insecta [...]" (S. 583). Demjenigen, der weiterer Vergleiche bedarf, seien hier exemplarisch die Artikel hissen und Mythos empfohlen. Obwohl als benutzerfreundliches Kurzwörterbuch konzipiert und "für den praktischen Gebrauch bestimmt" (S. V), wird sich auch das vorliegende etymologische Wörterbuch aufgrund der erfahrungsgemäß recht schwierigen Materie nur dem spezialisierten Nutzer optimal erschließen. Bibliotheken sollten das vorzügliche Wörterbuch, das durch ein sehr gutes Preis-Nutzen-Verhältnis gefällt, in ihren Informationsbestand aufnehmen. Im übrigen möchte man aufgrund der in den einzelnen etymologischen Wörterbüchern vorgenommenen unterschiedlichen Aufbereitung und Selektion von Informationen häufig gerne mehrere Wörterbücher komplementär nutzen.

Der Duden "Etymologie" enthält mehr als 8000 Artikel; da in ihnen auch Ableitungen behandelt werden, beläuft sich das Gesamtkorpus dokumentierter Wörter insgesamt auf über 20.000 Wörter. Im Duden "steht die inhaltliche Seite der Etymologie im Vordergrund, das Motiv für die Benennung, die eigentliche Bedeutung und die Bedeutungsentwicklung der Wörter" (Vorwort des Bearbeiters, Günther Drosdowski, o.S.). Charakteristisch für den Duden "Etymologie" sind die "'erzählende' Darstellungsart" (ebd.) und die dezidiert kultur- und geistesgeschichtliche Ausrichtung der einzelnen Artikel.

Das nach seinem Begründer noch heute als Kluge zitierte Etymologische Wörterbuch der deutschen Sprache erschien in 1. Aufl. bereits 1883, wurde im Laufe der Jahrzehnte von bedeutenden Germanisten (genannt seien vor allem Alfred Götze und Walther Mitzka) verbessert, vermehrt und bearbeitet und dazwischen teilweise auch unverändert nachgedruckt, bis es schließlich mit der 22. Aufl. 1989 zu einer Elmar Seebold zu verdankenden völligen Neubearbeitung kam.[1] Auf diese folgt die vorliegende, um 100 Seiten erweiterte 23. Aufl., die gerade noch rechtzeitig während der Endredaktion dieses Heftes von IFB ausgeliefert wurde. Sie enthält nach Angabe des Verlags (auf der Rückseite des hinteren Buchdeckels) über 1000 Stichwörter mehr als die Vorauflage und erläutert "Herkunft und Bedeutung von 13.000 Wörtern".[2] In dieser hohen Zahl dürften sowohl die eigentlichen Lemmata als auch die innerhalb der Artikel behandelten Wörter enthalten sein. Trotzdem stellt der Kluge hinsichtlich des Lemmabestandes das umfangreichste der drei hier verglichenen Wörterbücher dar. Weitere Besonderheiten zeichnen ihn aus, so insbesondere die Literaturangaben, die zahlreichen Lemmata beigegeben sind und die keines der anderen hier besprochenen Wörterbücher kennt. Diese Literaturangaben dienen nicht nur der Dokumentation von Belegen in anderen Nachschlagewerken, sondern zitieren auch Spezialliteratur, und zwar keineswegs nur linguistische, sondern auch Literatur "zur Sache".[3] So gehen dem Wörterbuch auch zwei lange Listen der abgekürzt zitierten Zeitschriften und Reihen einerseits und andererseits der sonstigen Literatur, insbesondere der Nachschlagewerke,[4] voran (S. XLIV - LXIV). Zu den Beigaben gehört auch ein langer Abschnitt "Einführung in die Terminologie" (S. XII - XXXV) "für diejenigen, die mit dieser Terminologie Mühe haben", d.h. für sprachinteressierte Laien. Dieser terminologische Teil wird sogar durch ein eigenes Register der Termini erschlossen. Die Erweiterung wurde auch dazu benutzt, neue, insbesondere aus anderen Sprachen (allen voran dem Englischen) entlehnte Wörter aufzunehmen. Berücksichtigung findet nicht nur der Standardwortschatz: die oben für das Etymologische Wörterbuch des Deutschen angeführten Lemmata aus der Umgangs- und der Fachsprache sowie die heute selten gebrauchten Wörter finden sich allesamt auch bei Kluge. Überhaupt hat dessen Bearbeiter "in größerem Umfang Datierungen aus dem Etymologischen Wörterbuch des Deutschen übernommen" (S. VII), da diese sich als sehr zuverlässig erwiesen haben und "in vielen Fällen genauere,[5] d.h. frühere Datierungen als die sonst gedruckt vorhandene Fachliteratur liefern" (ebd.). In Arbeitsteilung mit dem gleichfalls historisch ausgerichteten, von Hermann Paul 1897 begründeten Deutschen Wörterbuch,[6] das die Wortgeschichte betont, beschränkt sich der Kluge auf die "Untersuchung der Herkunft der Wörter" (S. IX). Als wichtiges Unterscheidungskriterium zu den anderen Wörterbüchern ist zu erwähnen, daß im Kluge "die Bedeutungsangaben nicht als Bedeutungsbeschreibungen gedacht (sind), sondern als Identifizierungshilfen, etwa bei Homonymen oder bei seltenen Wörtern (S. X).

Da das Wörterbuch als Datenbank vorliegt, lassen sich aus dieser auch weitere Produkte generieren. So ist "die Ausarbeitung des Register- und Auswertungsbandes zu dieser neuen Fassung ... in Arbeit und wird dem Wörterbuch so bald es möglich ist folgen" (Vorwort S. VII). Diese Ankündigung enthielt allerdings auch bereits das Vorwort zur 22. Aufl.

sh [nur für Kluge] 1.3 Teilwörterbücher : Sprichwörter und sprichwörtliche Redensarten


[1]
Nützlicherweise hat der Verlag die Daten der Publikationsgeschichte des Wörterbuchs auf der Rückseite des Titelblattes aufgeführt. (zurück)
[2]
Daß auf Verlagsangaben über den Lemmabestand von Wörterbüchern häufig kein Verlaß ist, da sie zu Übertreibung neigen, ist eine alte Erfahrung. So warb man für die 22. Auflage des Kluge bereits mit "ca. 14.000 Stichwörtern". (zurück)
[3]
Z.B. für Anis einen Beitrag in Gordian : Zeitschrift für Nährmittel und Genußmittel. (zurück)
[4]
Hier vermißt man viele der maßgeblichen etymologischen Wörterbücher anderer Sprachen, deren Datierungen sich für die Übernahme von Fremdwörtern ins Deutsche durchaus hätte heranziehen lassen. Um nur Beispiele für die romanischen Sprachen anzuführen: genannt sind das FEW, ferner Meyer-Lübkes REW, das jedoch den Forschungsstand von Anfang der 30er Jahre spiegelt; dagegen fehlen die modernen etymologischen Wörterbücher wie z.B. das LEI für das Italienische. (zurück)
[5]
Muß man schließen, daß die in der von W. Mitzka bearbeiteten 17. Aufl. 1957 des Kluge mit der Münchener Bauordnung von 1489 exakt angegebene Datierung für Altan doch nicht zutrifft und ausgeschieden wurde, da es sich um "nach dem neueren Stand der Forschung Fragwürdige(s)" handelt (Vorwort zur 22. Aufl. 1989, S. VII)? Im neuesten Kluge heißt es nur noch (< 15.Jh.). (zurück)
[6]
Deutsches Wörterbuch / Hermann Paul. - 9., vollst. neu bearb. Aufl. / von Helmut Henne und Georg Objartel. - Tübingen : Niemeyer, 1992. - XXXIX, 1130 S. ; 25 cm. - ISBN 3-484-10679-4 : DM 76.00. - Der Paul ist auch als CD-ROM-Ausgabe erhältlich, die dem Rezensenten jedoch nicht vorlag. (zurück)

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