Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 3(1995) 1
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Den store danske encyklop‘di


95-1-025
Den store danske encyklop‘di . - [Kobenhavn] : Danmarks Nationalleksikon A/S. - 28 cm. - ISBN 87-7789-045-0 (Gesamtwerk, 20 Bd.) : Dkr. 16000.00 (helbind), Dkr. 20.000 (s‘rindbinding)
[2461]
Bd. 1. A - Arnoy. - 1994. - 616, [15] S. - ISBN 87-7789-001-9

Während Schweden mit der Nationalencyklopedin[1] über ein modernes Großlexikon verfügt, gab es in Dänemark in der Nachkriegszeit zwar mehrere mittelgroße Lexika, die jedoch weder an Reichhaltigkeit noch an Gründlichkeit an Salmonsens konversationsleksikon[2] heranreichten, weshalb dieses zu Recht immer noch in den Informationsapparaten der Bibliotheken steht, in ausländischen Bibliotheken häufig (und gleichfalls zu Recht) als einziges dänisches Lexikon. Trotzdem ist seine Benutzung auf Grund des starken Veraltens nur noch für historische Fragestellungen sinnvoll, und darin wird es weiterhin seinen Nutzen behalten, so wie alle älteren Lexika, vorausgesetzt, sie waren bei Erscheinen auf der Höhe der Zeit. Daß in Dänemark seit längerem an einem dänischen Nationallexikon gearbeitet wurde, erfuhren auch die ausländischen Bibliotheken spätestens Ende 1991, als die Subskriptionsaufforderung für Den store danske encyklop‘di einging, die bei Vorauszahlung des Gesamtpreises nicht nur eine Absolution von inflationsbedingten Preiserhöhungen verhieß, sondern auch das Anrecht auf den Bezug des Werkes in einem besonders stabilen Spezialeinband zum Preis der Normalausgabe; Subskribenten erhielten dann auch einen Garantibrev mit einer Bankbürgschaft und wurden darüber hinaus mit einer laufenden Kundeninformation Nyt fra Danmarks nationalleksikon[3] bedacht, die ihnen die Zeit bis zum Erscheinen des ersten Bandes 1995 verkürzen sollte (der Abschluß ist für 2001 angekündigt).[4] Um so freudiger war die Überraschung, als Bd. 1 mit Berichtsstand 1.9.1994 bereits im November 1994 erschien.

Als Verlag ist zwar die Aktiengesellschaft Dansk Nationalleksikon genannt, doch war schon aus den Prospekten ersichtlich, daß eigentlich der bekannte Verlag Gyldendal - um dessen Tochtergesellschaft es sich handelt - hinter dem Unternehmen steht, was deswegen beruhigend ist, weil Gyldendal seit den dreißiger Jahren und dann vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg der führende dänische Verlag für Allgemeinlexika ist.[5]

Das nur eine Seite umfassende Vorwort ist für ein solch bedeutendes Werk mehr als knapp, doch unterscheidet es sich darin nicht von vergleichbaren deutschen Beispielen, bzw. übertrifft diese sogar an Ausführlichkeit. Immerhin wird im Vorwort gesagt, daß es sich bei dem Werk trotz des Begriffs "Enzyklopädie" im Titel um ein Lexikon mit kurzen Artikeln handelt, auch darin den modernen deutschen "Enzyklopädien" vergleichbar. Daß sich ein modernes Lexikon der neuen Produktionstechniken bedient, ist selbstverständlich und so ähnelt es auch anderen vergleichbaren Lexika. Dreispaltiger Satz mit einer Marginalspalte, die Abbildungen und deren Legende vorbehalten ist, doch sind Abbildungen keineswegs auf diese beschränkt, sondern finden sich auch an anderen Stellen der Seite plaziert, z.T. über die ganze Breite der Seite ohne allerdings je eine ganze Seite einzunehmen. Die Qualität der Abbildungen ist von der inzwischen dank moderner Drucktechnik erreichbaren guten Qualität, sowohl bei den zahlreichen farbigen als auch bei den schwarzweißen Abbildungen. Erfreulich zahlreich begegnen Skizzen anstelle von Photos, vor allem für Sachverhalte aus dem Bereich der Technik. Obwohl die Abbildungen fast ausnahmslos auf derselben Seite zu finden sind, auf der auch die zugehörigen Lemmata stehen, sind die letztere entsprechend markiert. Ungewöhnlich für ein Lexikon ist die Tatsache, daß ein Teil der Artikel namentlich gezeichnet sind. Die Auflösung der Namenskürzel erfolgt im nicht paginierten Anhang, der auch ein Verzeichnis der Mitarbeiter nach der Fachzuständigkeit enthält. Der größte Mangel an dem neuen Lexikon besteht darin, daß die Artikel keinerlei Literaturhinweise enthalten und daß solche auch nicht (wie es die Unsitte neuerer, namentlich französischer Lexika aus dem Verlag Larousse ist) am Ende jedes Bandes zusammengefaßt sind.

Bleibt die Frage, ob man sich vom alten Salmonsen trennt, oder nicht. Wer über genügend Platz in seinem Informationsapparat verfügt, sollte ihn stehen lassen, falls nicht, wird man trotz unvermeidlicher Informationsverluste nur das neue Lexikon aufstellen: als Stichprobe wurden Eintragungen mit dem Familiennamen Andersen gewählt, der ganz überwiegend Dänen betrifft: das neue Lexikon hat 53 Eintragungen, wobei die Zahl neuer Namen beträchtlich ist, da von den nur 32 Eintragungen bei Salmonsen nicht weniger als 20 nicht mehr im neuen Lexikon begegnen. Vergleicht man die Zahl von 53 Eintragungen unter Andersen mit denen in Bd. 2 (1971) von Meyers enzyklopädischem Lexikon (6, davon 3 Deutsche) oder in Bd. 1 (1986) der Brockhaus-Enzyklopädie (2, davon eine Deutsche), oder in der New encyclop‘dia Britannica[6] (2) ergibt das auch die Begründung dafür, daß man ein derartiges Lexikon kauft, obwohl vielleicht 80 - 85 % der Lemmata ganz ohne Interesse für Benutzer außerhalb des Ursprungslandes sind. Ganz generell wäre daher den nationalen Lexikaverlagen zu empfehlen - nachdem sie den Markt mit den Gesamtausgaben bedient haben - nachträglich Auswahl-Lexika nur für die Lemmata auf den Markt zu bringen, die Personen und Sachen des eigenen Landes (ggf. des entsprechenden Kulturkreises) betreffen. Dank der elektronischen Speicherung der Texte ließe sich dies leicht realisieren und würde die Informationsapparate von viel Ballast entlasten.

sh


[1]
Nationalencyklopedin : ett uppslagsverk p† vetenskaplig grund utarbetat p† initiativ av Statens Kulturr†d. - Höganäs : Bra Böcker. - ISBN 91-7024-619-X. - Bd. 1 (1989) - . - Der letzte im Dezember 1994 vorliegende Bd. 14 reicht bis Par. (zurück)
[2]
Salmonsens konversationsleksikon. - 2. udg. / red. af Chr. Blagstrup. - Kobenhavn : Schultz, 1915 - 1930. - Bd. 1 - 26. (zurück)
[3]
Nr. 1 (1991) - 5 (1992); jedenfalls ist das die letzte, dem Rezensenten vorliegende Nr. (zurück)
[4]
Zum Lieferumfang gehört auch eine Sonderausgabe von Ordenes historie : dansk etymologisk ordbog / af Neils Źge Nielsen. - 4. udg., 2. opl. - 1991. - 522 S. ; 23 cm., das aber in den meisten Bibliotheken in der Originalausgabe von 1966 oder in einer sonstigen Auflage vorhanden sein dürfte. (zurück)
[5]
Vgl. die Lemmata Dänische Lexika und Gyldendal in: Kleine Geschichte grosser Lexika. - Gütersloh : Bertelsmann-Lexikon-Verlag, 1990. - 252 S. ; 18 cm. - ISBN 3-570-01115-1 : DM 19.80 [1225] - Vgl. ABUN in ZfBB 38 (1991),5, S. 477 - 481. (zurück)
[6]
Ed. 15., Ausg. 1985, Microp‘dia. - Die eingangs erwähnte Nationalencyklopedin hat mit 20 wesentlich mehr Eintragungen als die deutschen Lexika, aber trotzdem beträchtlich weniger als dänische. (zurück)

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