Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 9(2001) 2
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Zeugen für Christus


01-2-275
Zeugen für Christus : das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts / hrsg. von Helmut Moll im Auftr. der Deutschen Bischofskonferenz. - Paderborn [u.a.] : Schöningh. - 25 cm. - ISBN 3-506-75778-4 : DM 98.00
[5944]
Bd. 1. - 2., durchges. Aufl. - 2000. - LXIV, 651 S.
Bd. 2. - 2., durchges. Aufl. - 2000. - XXIV S., S. 652 - 1308
01-2-276
Die katholischen deutschen Martyrer des 20. Jahrhunderts : ein Verzeichnis / Helmut Moll. - 2., durchges. Aufl. - Paderborn [u.a.] : Schöningh, 1999. - XVI, 83 S. : Ill. ; 24 cm. - ISBN 3-506-75777-6 : DM 9.80
[5972]
01-2-277
Blutzeugen der Erzdiözese München und Freising : die Märtyrer des Erzbistums München und Freising in der Zeit des Nationalsozialismus / hrsg. von Peter Pfister. [Autoren: Winfried Becker ...]. - 1. Aufl. - Regensburg : Schnell und Steiner, 1999. - 86 S. : Ill. ; 30 cm. - ISBN 3-7954-1270-6 : DM 9.90
[6016]

Das Apostolische Schreiben Tertio millennio adveniente vom 10. 11. 1994 zur Vorbereitung des Jubiläumsjahres 2000 enthielt u.a. die Aufforderung an die Ortskirchen in aller Welt,[1] Verzeichnisse jener Männer und Frauen zusammenzustellen, die im 20. Jahrhundert um des christlichen Glaubens willen Verfolgung und Tod erlitten haben. Die Deutsche Bischofskonferenz nahm im Herbst 1995 diese Anregung auf und setzte den ihr zur Verfügung stehenden Apparat in Bewegung, ohne den es nicht möglich gewesen wäre, in gut vier Jahren das vorliegende biographische Verzeichnis von über 700 Blutzeugen zusammenzustellen. Diese Feststellung schmälert in keiner Weise die Leistung des am 1. 1. 1996 bestellten Beauftragten für das deutsche Martyrologium, den durch seine Tätigkeit als theologischer Konsultor an der römischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsverfahren ausgewiesenen Prälaten Helmut Schmoll. Die Aufnahme in das deutsche Martyrologium basiert auf den von dem italienischen Kanonisten Prospero Lamberti, dem späteren Papst Benedikt XIV. im 18. Jahrhundert entwickelten theologischen und kanonistischen Kriterien, erweitert um die Neuregelungen der seit 1983 geltenden Kanonisierungsverfahren (nach denen auch die an den Folgen erlittener Torturen Gestorbenen als Blutzeugen gelten).

Das bereits kurz nach seiner rechtzeitigen Veröffentlichung im Heiligen Jahr in einer durchgesehenen zweiten Auflage vorgelegte Martyrologium gliedert sich in folgende vier, unterschiedlich lange Teile: A. Blutzeugen aus der Zeit des Nationalsozialismus (1933 - 1945),[2] gegliedert in folgende fünf Abschnitte: Diözesanpriester (weiter im Alphabet der Diözesen), Priester aus den Jurisdiktionsbereichen der Visitatoren (d.h. den Diözesen der ehemals deutschen Ostgebiete), Ordensmänner, Ordensfrauen und Laien; B. Blutzeugen aus der Zeit des Kommunismus (ab 1917) mit drei Untergliederungen: Geistliche aus Deutschland, Rußlanddeutsche Bischöfe, Diözesan- und Ordenspriester (dieses ist die zahlenmäßig stärkste Gruppe des zweiten Teils), Donauschwaben; C. Reinheitsmartyrien (20. Jahrhundert), hier vor allem Ordensschwestern und Frauen am Ende des Zweiten Weltkriegs, dazu deren getötete Beschützer(innen); D. Blutzeugen aus den Missionsgebieten in chronologischer Folge unter den Namen der Missionsorden.

Den bei weitem größten Raum mit rd. 900 S. nimmt Teil A ein, gefolgt von Teil D mit rd. 160 S., während die Teile B und C je rd. 100 S. umfassen. Die von ca. 135 Mitarbeitern gezeichneten Artikel beginnen mit dem Artikelkopf (Name, Diözesan/Ordenszugehörigkeit, Geburts- und Todesdatum und -ort), ergänzt nach Möglichkeit um ein Porträtphoto. Es folgt die Biographie in erzählendem Stil (wobei die Goutierung der Darstellung schon eine gewisse Disposition von Seiten des Lesers voraussetzt)[3] unter besonderer Berücksichtigung der Umstände des Martyriums. Die Länge der Artikel ist natürlich von der Quellenlage abhängig, wobei nicht nur die Diözesan- und Ordensarchive sowie die Sekundärliteratur ausgewertet, sondern nach Möglichkeit auch Zeitzeugen befragt wurden. Quellen und Literatur sind am Schluß der Artikel zitiert; ihnen gehen (Auswahl-)Verzeichnisse der eigenen Schriften voran. Register: 1. der Märtyrer, getrennt nach Katholiken und Nichtkatholiken in ökumenischen Gruppen (D. Bonhoeffer, die Geschwister Scholl und zwei weitere) und Sonstiger Personen des 20. Jahrhunderts; 2. Ortsregister.

Klaus Schreiber

Der zweite Titel erschien als Einleitungsband in 1. Aufl. bereits 1999. Außer der Einführung enthält er in derselben Gliederung wie das Hauptwerk die Angaben aus dessen Artikelköpfen, ergänzt um das Datum der Priesterweihe bzw. das der Ewigen Profeß. Register 1. der Märtyrer und 2. ihrer Geburts- und Sterbeorte.

Klaus Schreiber

Bei den Blutzeugen der Erzdiözese München und Freising handelt es sich um einen von Friedrich Kardinal Wetter in Auftrag gegebenen, bearbeiteten Auszug der Märtyrer seiner Diözese unter Beschränkung auf die Zeit des Nationalsozialismus: drei Priester (darunter der Jesuit Alfred Delp, obwohl Ordensleute lt. den Angaben auf S. 23 eigentlich ausgeschlossen werden sollten) und 17 Laien. Nach Stichproben zu schließen sind die aus dem zweibändigen Martyrologium entnommenen Biographien nicht verändert, doch wurden dortige Photos hier z.T. durch bessere ersetzt. Eine Namensübersicht über alle Blutzeugen der Diözese im 20. Jahrhundert findet sich auf S. 27 - 29 als Auszug aus dem Einführungsband von Schmoll. Als Einleitung findet man einen Beitrag von Georg Schwaiger über Das Erzbistum München und Freising in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft (S. 9 - 19).

Klaus Schreiber


[1]
Andere Länder gingen Deutschland voran, auch wenn sich keines von ihnen mit der Zahl der deutschen Märtyrer vergleichen kann. Die folgenden Titel verdankt der Rezensent einem Hinweis von Prof. Heinz Finger, Erzbischöfliche Diözesan- und Dom-Bibliothek, Köln.
Palme mucenistva : ubiti in pomorjeni slovenski duhovniki, redovniki in bogoslovci in nekateri verni laiki / [zbrali in uredili Anton Pust ...]. - Celje : Mohorjeva Druzba, 1994. - 447 S. : Ill. - ISBN 961-218-043-1. - Zum Verlag vgl. unten IFB 01-2-501.
Martires espa¤oles del siglo XX / por Vicente Cárcel Ortí. - Madrid : Biblioteca de Autores Cristianos, 1995. - XV, 659 S. - (Biblioteca de autores cristianos ; 555). - ISBN 84-7914-194-8.
Blutzeugen des Glaubens : Martyrologium des 20. Jahrhunderts / Jan Mikrut (Hg.). - Wien : Dom-Verlag. - 1. Diözesen: Wien, Eisenstadt, St. Pölten. - 2. verb. und verm. Aufl. - 1999. - 356 S. : Ill. - ISBN 3-85351-159-7. - 2. Diözesen: Graz-Seckau, Linz. - 2000. - 301 S. : Ill. - ISBN 3-85351-162-7. - 3. Diözesen: Feldkirch, Innsbruck, Gurk, Salzburg. - 2000. - 299 S. : Ill. - ISBN 3-85351-163-5.
Nuovi martiri : 393 storie cristiane nell'Italia di oggi / Luigi Accattoli. - Cinisello Balsamo : Edizioni San Paolo, 2000. - 287 S. - (Tempi e figure ; 36). - ISBN 88-215-4192-4.
Das Martyrologium des 20. Jahrhunderts für die USA mit nur 24 Namen ist zwar fertiggestellt, aber noch nicht publiziert. (zurück)
[2]
Bei den mehr als 160 Diözesanpriestern und knapp 60 Ordensleuten, die in diesem Teil (zusammen mit 110 Laien) vorgestellt werden handelt es sich also nur um einen Bruchteil der in der nationalsozialistischen Zeit verfolgten Priester insgesamt, die in einer im selben Verlag erschienenen Prosopographie nachgewiesen sind:
Priester unter Hitlers Terror : eine biographische und statistische Erhebung / bearb. von Ulrich von Hehl ... Unter Mitw. der Diözesanarchive. - 3., wesentlich veränderte und erw. Aufl. - Paderborn [u.a.] : Schöningh, 1996. - 1 - 2. - VIII, 1968 S. ; 25 cm. - (Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte : Reihe A, Quellen ; 37). - ISBN 3-506-79839-1 : DM 198.00 [3816]. - Rez.: IFB 99-B09-352. (zurück)
[3]
"Schon bald nahte der fürchterliche 12.3.1952 in Daseberg. Nach übereinstimmenden schriftlichen Unterlagen ..., lag folgender Tathergang vor: Nach der Schilderung des jugendlichen Mörders hatte dieser zuvor ein moralisch minderwertiges Buch gelesen, das ihm die sündhafte Begierde unstillbar entfachte." Das ausführlich geschilderte weitere Geschehen, bei dem die sechzehnjährige Klara Wendehals von ihrem erfolglosen Vergewaltiger erschlagen wurde, sei übergangen. Das Bistumsblatt Münster berichtete über die Tat unter der Überschrift Um Unschuld und Mädchenehre, eine Maria Goretti aus Westfalen: "Gleich einem leuchtenden Kometen stürzt sich diese stille Tat hohen Heldentums eines einfachen Mädchens an den Rand des Ruhrgebietes; zwischen heulenden Motoren und ratternden Maschinen, zwischen Habgier und Lebenssucht drängt sich ein Kampf um Leben und Tod; um Reinheit! Es muß zu denken geben, daß für die Zukunft des Abendlandes andere Münzen gelten ...". Letztere Prophezeiung hat sich offensichtlich nicht erfüllt und zugegebenermaßen stellen diese Zitate aus einem Artikel des Herausgebers persönlich (Teil C., Bd. 2, S. 1004 - 1006) ein eher extremes, wenn auch einzigartiges Beispiel dar. (zurück)

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