Elektra-Portale

Die Vielfalt von Informationsquellen und Informationsdiensten, die eine Bibliothek ihren Nutzern online zur Verfügung stellen kann, ist meist mit einer ebenso großen Vielfalt unterschiedlicher Weboberflächen verbunden. Der Bibliothek stellt sich die Aufgabe, ihre Nutzer unkompliziert und direkt zur Recherche und anschließend zur Literaturbeschaffung zu führen.

Die Bibliothek benötigt ein Bibliotheksportal, welches auf einer Weboberfläche ihre Angebote zusammenführt, ordnet, deren Benutzung und Präsentationsformen vereinheitlicht und den Informationsfluss zwischen Rechercheinstrumenten und verschiedenen Diensten automatisiert.

Seit 2002 werden am Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg (BSZ) Bibliotheksportale auf Basis der Software SISIS Elektra betrieben. Elektra realisiert das Konzept eines Metasuchportals.

Die zentrale Komponente von Metasuchportalen ist eine Suche über verteilte Suchen: Die Recherche wird simultan in einer vom Nutzer getroffenen Auswahl von Datenquellen vorgenommen. Die Ergebnisse werden in einer gemeinsamen Liste zusammengefasst; der Nutzer kann sie selektiv in eine Merkliste übernehmen. Merkliste, Quellenauswahl und Suchanfragen können dauerhaft abspeichert, Anfragen automatisch wiederholt werden.

Von jedem Treffer aus erreicht der Nutzer passende Dienste wie Kontofunktionen, Online-Fernleihe, Online-Auskunft etc. oder per Mausklick einen zugänglichen Volltext zum Treffer. Ebenso einfach ist der Export in sein Literaturverwaltungssystem.

Das Bibliotheksportal gestaltet die Bibliothek nach ihrem Corporate Design. Es ist das Schaufenster, mit dem sie sich mit allen Ressourcen und Diensten, die ihr zur Verfügung stehen, in der Öffentlichkeit präsentiert, und es ist der zentrale Einstiegspunkt für ihre Nutzer.

Bibliotheksportale am BSZ

In der Blütezeit des Elektra-Einsatzes bis ca. 2010 hostete und konfigurierte das BSZ Bibliotheksportale für insgesamt 16 wissenschaftliche Bibliotheken in Baden-Württemberg und dem Saarland sowie eine Virtuelle Fachbibliothek. Elektra-Portale betreibt das BSZ auch für Öffentliche Bibliotheken in über 30 Städten in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen und der Schweiz. Mittlerweile wird das Konzept der Metasuche bei der Literaturrecherche durch auf Suchmaschinentechnologie basierende Ressource Discovery Systeme abgelöst. Entsprechend geht die Nachfrage nach Elektra-Portalen zurück und der Hersteller OCLC entwickelt die Software nicht mehr weiter.

Dem technologischen Wandel bei der Literaturrecherche trägt das BSZ durch die Entwicklung von neuen Werkzeugen Rechnung: Für den Bereich der SWB-Verbundteilnehmer wird mit Hilfe von vuFind ein Discoverysystem BOSS (BSZ One Stop Search) realisiert; für öffentliche Bibliotheken wird die Software bibnetzPlus angeboten, die die Suchtechnologie des BAM-Portals mit Elektra verbindet, in ein Standard-Contentmanagementsystem einbettet und mit Katalogdaten und weiteren Quellen aus öffentlichen Bibliotheken ausstattet.

Funktionsspektrum der Elektra-Portale

Föderierte Suche

Ausgehend von einem einfachen oder erweiterten Suchformular ermöglicht das Portal eine parallele Suche in verteilten Datenbeständen. Dadurch können Datenquellen, die bei verschiedenen Anbietern liegen und in unterschiedlicher Weise zu bedienen sind, an einer Stelle und in einheitlicher Form angefragt und präsentiert werden.

Suchmaschinentechnologie

Datenbestände, über die die Bibliothek selbst verfügt, können in einem Volltextindex – basierend auf der Open Source Software Lucene – aufbereitet werden. Dieser lässt sich in die Metasuche einbinden und erlaubt zusätzlich Recherchefunktionalitäten wie Relevance Ranking, Facettierung sowie Fehlertoleranz.

Personalisierung und Single-Sign-On

Ein Portal bietet personalisierte Dienste an, so dass die eigene Merkliste und Quellenauswahl gespeichert, Suchanfragen periodisch automatisiert wiederholt sowie Dienste nach individuellen Rechten abgerufen werden können. Für das Login greift das Portal auf die Authentifizierung der lokalen Nutzerverwaltung zurück, ggf. über das Single-Sign-On-System Shibboleth, das weitere Anwendungen der Bibliothek, aber auch z.B. Volltextbestände führender Anbieter umfasst.

Anbindung der Online-Fernleihe und Linkresolver

Die Online-Fernleihe des BSZ ist aus dem Portal ansprechbar. Dazu prüft das Portal die Verfügbarkeit eines Titels in der jeweiligen Bibliothek sowie im Bibliotheksverbund und überträgt die erforderlichen Daten ins Formular des BSZ-Fernleihservers bzw. ein lokales Fernleihformular. Ebenso können aus dem Portal Linkresolver wie ReDI»Links oder SFX angesprochen werden, die zu einem Treffer z.B. Volltextangebote entsprechend den Rechten des aktuellen Nutzers ermitteln.

Online-Auskunft

In das Portal kann die E-Mail-Auskunft InfoDesk des BSZ eingebunden werden, mit dem Nutzerfragen zu einem Treffer automatisiert in ein Auskunftsformular übernommen werden.

Ein Handbuch informiert über die Funktionen der Portale für Öffentliche Bibliotheken.

Fernleihportal

Bibliotheken, die selbst noch kein Bibliotheksportal einsetzen, können für die automatisierte Online-Fernleihe das Fernleihportal des BSZ benutzen. In diesem kann in den Katalogen der Bibliotheksverbünde in Deutschland (SWB, hbz, HeBIS, BVB, GBV und KOBV) sowie in der ZDB simultan recherchiert und ausgehend vom Treffer eine Fernleihe beauftragt werden.

Team

Für Fragen zu ELEKTRA wenden Sie sich bitte an das Portalteam. Die bibliothekarische Betreuung leistet Monika Norrmann, die technische Betreuung leisten Boris Falkenstein und Carina Winter.