Logo Dr.-Erich-Bloch-und-Lebenheim-Bibliothek (Judaica)    Konstanz
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Geschichte

Seit 1982 existiert in Konstanz, der größten Stadt am Bodensee, eine öffentliche Judaica-Bibliothek. Die von dem Historiker und Schriftsteller Dr. Erich Bloch (Verfasser der "Geschichte der Juden in Konstanz im 19. und 20. Jahrhundert") und Else Levi-Mühsam aufgebaute, von Alfred Lebenheim damals finanziell unterstützte und am 12. November 1982 eröffnete Dr.-Erich-Bloch-und-Lebenheim-Bibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde Konstanz kann in der Bibliothekslandschaft des Bodenseeraumes, aber auch im Bereich jüdischer Kultur in Deutschland nach der Schoa noch heute als Besonderheit gesehen werden. Es war das Verdienst der drei oben genannten Initiatoren aus dieser kleinen Gemeinde, die zudem nicht in einer Großstadt angesiedelt ist, eine vielseitige Judaica-Bibliothek einzurichten und das Verdienst des Gemeindevorstandes, sie für die gesamte Bevölkerung zu öffnen. Erich Bloch, der sich 1938 gezwungen sah, Deutschland zu verlassen und dennoch 1968 aus Israel wieder in seine Heimatstadt am Bodensee zurückkehrte, hatte sich zur Aufgabe gesetzt, nach den Ereignissen des Nationalsozialismus für eine Verständigung zwischen Juden und Nichtjuden in Konstanz zu arbeiten. In einer Judaica-Bibliothek, die nicht nur den Mitgliedern der Gemeinde zugänglich sein sollte, sah er eine Möglichkeit, auch ein nichtjüdisches Publikum mit jüdischer Religion, Geschichte und anderen Aspekten jüdischen Lebens vertraut zu machen. Diesem Anliegen ist die Bibliothek bis heute verpflichtet. In der weiteren Umgebung des südwestdeutschen und Ostschweizer Raumes ist diese Institution die einzige öffentlich zugängliche jüdische Bücherei.

Chronik und Aktivitäten der Dr.-Erich-Bloch-und-Lebenheim-Bibliothek 1982 bis heute
(PDF-Dokument)

Foto Else Levi-Muehsam und Dr. Bloch
Else Levi-Mühsam und Dr. Erich Bloch
(ca.1982) in der Bibliothek

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          Foto Geburtstag
85. Geburtstag von Else Levi-Mühsam (8. Mai 1995):
Übergabe der Bibliotheksleitung an Thomas Uhrmann

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Titelrecherche im Internet: unsere Bücherei im Bibliotheksverbund des SWB
Als erste Judaica-Bibliothek, die nicht einer Hochschule angegliedert ist, und zugleich als erste Bibliothek einer jüdischen Gemeinde in Deutschland wurde die Bibliothek im Jahre 2001 in einen Bibliotheksverbund aufgenommen. Der gesamte Buchbestand (Januar 2014: über 4400 Titel) ist beim Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg (BSZ) elektronisch katalogisiert worden und im Internet-Katalog des Südwestdeutschen Bibliotheksverbund (SWB) recherchierbar:
http://swb.bsz-bw.de/DB=2.1/ und  http://swb.bsz-bw.de/DB=2.203/;
seit Oktober 2009 auch in einem eigenen Online-Katalog der Bibliothek:
http://swb.bsz-bw.de/DB=2.326/.

Das BSZ betreibt eine der größten Bibliotheksdatenbanken in Deutschland. Am Verbund nehmen auch die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und weitere Judaistik-Sammlungen von Universitäten teil.


Was finden Sie in der Bibliothek?
Außer Büchern zur jüdischen Religion, Philosophie, Geschichte, zu jüdischem Leben in Deutschland und anderen Ländern, zu Fragen des christlich-jüdischen Verhältnisses, zu Antisemitismus und zur Schoa sowie Bänden zu Kunst und Wissenschaften finden sich zahlreiche Biografien jüdischer Persönlichkeiten und Zeitzeugen aus den verschiedensten Epochen in der Dr.-Erich-Bloch-und-Lebenheim-Bibliothek. Ein umfangreicher Bestand ist mit unterschiedlichen  Themenkreisen dem Land Israel gewidmet. In der Abteilung Belletristik findet der Besucher Romane, Dramen und Gedichtbände jüdischer Autoren aus Amerika, Europa und Israel sowie jiddische Literatur und Liedtexte. Kunstbildbände, verschiedene Periodika und auch Kinder- und Jugendbücher runden das Angebot - hauptsächlich Titel in deutscher Sprache - für die Benutzer ab.

Else Levi-Mühsam, eine Nichte des Schriftstellers Erich Mühsam, betreute die Bibliothek mit Leidenschaft und Sachkenntnis bis zu ihrem Umzug nach Jerusalem im September 1995. Seither ist Thomas Uhrmann ehrenamtlicher Leiter der Bibliothek. Es war dies die Zeit, in der innerhalb der Gemeinde ein großer Veränderungsprozess begonnen hatte. Wie überall in Deutschland stieg die Zahl der Mitglieder durch den Zuzug von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion unerwartet stark an, erforderte eine intensive Integrationsarbeit und machte die feste Anstellung eines Rabbiners erforderlich. Für die Bibliothek bedeutete dies zweierlei: einerseits wurde der ohnehin nicht allzu weite finanzielle Spielraum für Neuerwerbungen noch enger, anderseits veränderten sich die inhaltlichen Kriterien für weitere Anschaffungen. Werke über die religiösen Wurzeln, ohne die die jüdische Literatur in all ihrer Vielfalt nicht zu denken ist, Bücher zu Traditionen und Regeln religiösen jüdischen Lebens, die den Neueinwanderern, aber auch Nichtjuden einen authentischen Einblick in das jüdische Denken und Handeln vermitteln, sowie Unterrichtsmaterialien für die Kinder waren jetzt gefragt. Und der damals neue Rabbiner Chaim Naftalin sel.A. benötigte für seine Studien vor Ort die wichtigsten religiösen und religionsgesetzlichen Texte und Kommentare in hebräischer Sprache. So ergänzen seither die grundlegendsten Fundamente einer jüdischen Bücherei, wie der Talmud, Schulchan Aruch, Rambam (Maimonides), Chassidut u.a., als Handbibliothek den für die Ausleihe bestimmten Bestand, wobei Teile dieser rabbinischen Literatur ebenfalls in deutscher Sprache vorhanden sind.

Ergänzt wurde der Bestand immer auch durch großzügige Schenkungen aus der Bevölkerung oder anderen Institutionen.


Foto Peter Stiefel und Thomas Uhrmann
Peter Stiefel und Thomas Uhrmann, November 2001 in der Bibliothek

(Foto: Martina Keller-Ullrich, Allgemeine Jüdische Wochenzeitung, Berlin, 22. November 2001)
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          Foto Bibliothek
Rabbiner Chaim Naftalin sel.A. (Mitte) mit Peter Stiefel (links) und Thomas Uhrmann in der Bibliothek
(Foto: Maria Schorpp; aus der Zeitschrift uni'kon 7/2002 der Universität Konstanz)
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Aktivitäten
Im Jahr 2001 war die Bibliothek an den 4. Baden-Württembergischen Bibliothekstagen beteiligt. Seit 2005 beteiligten sich die Israelitische Kultusgemeinde Konstanz und ihre Bibliothek in Zusammenarbeit mit der Stadt Konstanz mit verschiedenen Veranstaltungen am jährlich stattfindenden "Europäischen Tag der jüdischen Kultur" und 2007 auch am bundesweiten Wissenschaftsjahr, das in Konstanz und den Städten Münster und Wittenberg unter dem Motto "Freiheit der Religionen" stand. Die Veranstaltungen zum "Europäischen Tag der jüdischen Kultur 2009" waren in das "Jahr der Wissenschaft 2009 - grenzenlos denken" des Amtes für Schulen, Bildung und Wissenschaft eingebunden. Mit diesen Aktivitäten möchten die Israelitische Kultusgemeinde und ihre Bibliothek einen Beitrag zum interkulturellen Dialog leisten.

Über das fünfundzwanzigjährige Bestehen der Bibliothek berichteten unter anderem die Zeitschrift Jüdisches Europa (Frankfurt, September/Oktober November 2007), die Fachzeitschriften Bibliotheksdienst (Organ der Bibliothek & Information Deutschland BID - Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheks- und Informationsverbände, hrsg. von der Zentral- und Landesbibliothek Berlin, Berlin, ZLB, Nr.11/November 2007) und BuB - Forum Bibliothek und Information (Fachzeitschrift des BIB, Berufsverband Information Bibliothek, Bad Honnef, Januar 2008) sowie die Stuttgarter Zeitung (Ausgabe vom 27. November 2008) ausführlich.

Anlässlich des 30jährigen Bestehens sendete SWR 4 unter dem Titel "Die jüdische Dr. Erich-Bloch-und-Lebenheim-Bibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde Konstanz feiert ihr 30-jähriges Bestehen" einen Bericht über die Bücherei, und der DEUTSCHLANDFUNK (DLF) widmete am 4. Januar 2013 seine knapp zehnminütige Sendung "Schalom - Jüdisches Leben heute" der Konstanzer Judaica-Bibliothek.

Im Februar 2009 haben unsere Bibliothek und die Bibliothek der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg als erste Bibliotheken in Deutschland begonnen, ihren hebräischen Bestand in der Originalschrift online zu katalogisieren. Damit können die Benutzer im Online-Katalog des SWB auch mit hebräischen Schriftzeichen nach Autor und Titel suchen.


Die Bibliothek steht jedem offen
Jeder an jüdischen Themen Interessierte ist bei uns willkommen und hat die Möglichkeit, pro Besuch bis zu zwei Bücher für den Zeitraum von einem Monat kostenfrei zu entleihen. Neben Gemeindemitgliedern und nichtjüdischen Lesern aus Konstanz und Umgebung, auch aus der unmittelbar benachbarten Schweiz, nutzen vermehrt Schüler und Studenten die Bibliothek. Schulklassen und andere Gruppen verbinden ihren Besuch oft mit einer Führung in der kleinen, stilvoll gestalteten Synagoge im gleichen Haus und der Mikweh, um sich neben jüdischer Literatur aus erster Hand über jüdische Religion, Tradition und das Gemeindeleben vor zu informieren: genau an jener Stelle, an der bis zu ihrer Zerstörung in der Reichspogromnacht 1938 die frühere Synagoge stand.

Foto Synagoge
Blick in die heutige Synagoge

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Stand: 11. Februar 2014