Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 7(1999) 1/4
[ Bestand im SWB ]

Europa-Handbuch


99-1/4-376
Europa-Handbuch / Werner Weidenfeld (Hrsg.). - Gütersloh : Verlag Bertelsmann-Stiftung, 1999. - 960 S. ; 22 cm. - ISBN 3-89204-819-3 : DM 68.00
[5703]

Ein weiteres Buch aus der Veröffentlichungs-Fabrik von Werner Weidenfeld, Politikwissenschaft-Professor in München, dort auch Vorstand des renommierten Centrums für angewandte Politikforschung (CAP), einer Politikberatungs- und -forschungsinstitution. Weidenfeld ist zudem Mitglied im Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, für die er jahrelang Untersuchungen zur europäischen Integration (Reihe Strategien für Europa) durchführte und die neuerdings eine eigene Forschungsgruppe innerhalb des CAP finanziert. Diese Stiftung verlegt auch das hier rezensierte Europa-Handbuch, einen umfangreichen Band zu einem erschwinglichen Preis, also - der Schluß sei erlaubt - hoch subventioniert.

Der Herausgeber ist von hoher Reputation, viele der Beiträger nicht minder: man sieht viele bekannte Personen "ihre" Themen abhandeln, für die sie bekannt sind. Darunter befinden sich auch einige internationale Experten. Der Rest der Beiträger stammt überwiegend aus dem CAP. Nach Inhalts- und Abkürzungsverzeichnis ist der Textteil in sieben Hauptteile gegliedert: Historische Ausgangslage, Staatenwelt, Einigung, deutsche Rolle, Einstellungen, Außenbeziehungen und Zukunft. Die einzelnen Beiträge innerhalb dieser Teile sind schlecht gegliedert und geben - außer in den wenigen Fußnoten - keine Literatur an. Dafür findet sich im Anhang neben einer kurzen Rubrik Europa in Zahlen (die auch eine knappe Chronologie enthält) ein mit 17 S. zu kurzes, systematisch aufgebautes Literaturverzeichnis und ein Sachregister von 8 S., dem allenfalls eine Überblicksfunktion zukommt.

Die Beiträge fassen den Stand der wissenschaftlichen Diskussion und Forschung gut zusammen. Es werden nicht nur Themen der Europäischen Union behandelt, wenngleich diese den Schwerpunkt darstellen. Sehr positiv zu werten ist, daß die Beiträge die Gegenstände sowohl in ihrer geschichtlichen als auch hinsichtlich der zukünftigen Perspektiven behandeln.

Als Nachschlagewerk ist das Europa-Handbuch allerdings kaum anzusprechen. Es hat weitgehend den Charakter eines Sammelwerkes, ist schlecht strukturiert und erschlossen und sperrt sich somit gegen einen gezielten Zugriff. Wollte man bestimmte Einzelheiten des europäischen Einigungsprozesses herausfinden, wäre dies sehr zeitaufwendig (beispielsweise fehlt im Sachregister der Begriff Cecchini-Bericht, der in anderen Handbüchern zur EU stets zu finden ist). Der Band, der über viele Aspekte der EU einen hervorragenden Überblick bietet, sollte eher in den Ausleihbestand eingeordnet werden. Als Nachschlagewerk für den Informationsapparat eignet sich dagegen primär das gleichfalls von Weidenfeld herausgegebene Europa von A bis Z (s.o. IFB 99-1/4-371 - 372).

Jürgen Plieninger


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