Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 7(1999) 1/4
[ Bestand im SWB ]

Handlexikon der Europäischen Union


99-1/4-374
Handlexikon der Europäischen Union / hrsg. von Wolfgang W. Mickel. - 2. überarb. und erw. Aufl. - Köln : Omnia-Verlag, 1998. - IC, 581 S. : graph. Darst. ; 19 cm. - ISBN 3-89344-044-5 (Gew.) : DM 58.00 - ISBN 3-89344-045-3 (br.) : DM 44.00. - (Omnia-Verlag GmbH, Postfach 50 16 26, 50976 Köln, FAX 0221/396369)
[5122]

Die 1. Aufl. des Handlexikons der Europäischen Union wurde in IFB 94-3/4-531 besprochen. Im Vergleich mit dem Sachwörterbuch zur Europäischen Union (IFB 93-3/4-230) schien es dem damaligen Rezensenten eher oberflächlich und als broschierte Ausgabe nicht bibliotheksgemäß. Die hier besprochene 2. Aufl. ist überarbeitet und der Inhalt von 436 auf 682 Seiten erweitert, zudem auch gebunden lieferbar. Ebenso hat sich die Anzahl der Beiträger von zweiunddreißig auf über fünfzig erhöht. Da die Ausgabe auch die Änderungen zum Vertrag zur Europäischen Union (EU-V) von Amsterdam vollständig berücksichtigt, liegt hier ein aktuelles Nachschlagewerk vor, das eine erneute Besprechung wert ist.

Der Herausgeber, Wolfgang W. Mickel, ist emeritierter Politologe aus Karlsruhe der seinerzeit das Handlexikon der Politikwissenschaft[1] herausgab. Das Buch war lange Zeit ein Standardwerk und wurde in der Lehre breit eingesetzt. Deshalb steht zu vermuten, daß auch dieses Nachschlagewerk in seiner Ausrichtung für die politische Bildung von Bedeutung ist. Die Beiträger kommen zum Teil aus der Wissenschaft, es sind in größerem Umfang auch Mitarbeiter der EU und der Lobbyisten vertreten, jedoch fast ausschließlich Deutsche.

Zum Einsatz in der politischen Bildung ist ein Lexikon meist zu fragmentiert. Dem wird - ebenso wie in Europa von A - Z - dadurch zu begegnen versucht, daß dem lexikalischen Teil ein umfangreicher Vorspann vorausgeschickt wird, um dem Thema eine Struktur zu geben. Hier findet man ein Mitarbeiter- und Abkürzungsverzeichnis, eine 29-seitige Geschichte der europäischen Integration und eine 22-seitige Zeittafel sowie einen 32-seitigen Teil mit Länderinformationen. Die Geschichte ... und der Länderteil sind mit Literaturhinweisen versehen.

Der Hauptteil von 543 S. enthält lt. Verlagsangabe ca. 1000 Artikel, deren Umfang je nach der Wichtigkeit des Inhalts zwischen zehn Zeilen und drei Seiten beträgt. Wichtigere Artikel sind mit Literaturangaben versehen. Vereinzelt findet man graphische Darstellungen und tabellarische Übersichten. Den Schluß bildet ein 36-seitiges Sach- und Personenregister.

Die Artikel behandeln die Bereiche Institutionen der EU, einzelne Politikfelder, Unterorganisationen, Programme, Gesetze, Verträge, Berichte und Memoranden, Grünbücher, Personen und Integrationstheorien. Selbst ein Artikel zu Internet-Adressen der EU ist zu finden.[2] Die einzige Lücke, die im Inhalt auffiel, war die EU-Politik der Mitgliedstaaten. Diese wäre als Punkt bei den Länderportraits sinnvoll gewesen, die sich jedoch in allgemeinen statistischen Angaben und Daten zur Geschichte und zum politischen System erschöpfen.

Die Erschließung des Werkes ist ausreichend. Es gibt einerseits Verweisungen im Text auf andere Artikel und andererseits Verweisungen auf der Ebene der Stichwörter, vor allem von Akronymen auf die ausgeschriebene Bezeichnung von Institutionen und Programmen. Weitere Erschließung gewährt das umfangreiche Register. Vermißt wurden - sowohl im lexikalischen Teil als auch im Register - nur die Abkürzungen der Verträge (EG-V, EWG-V und EU-V). Als Besonderheit ist bei der Benutzung des Handlexikons zu beachten, daß die Artikel ebenso wie das Register so geordnet sind, daß Komposita einen Ordnungsblock bilden, also bei der Ordnung so behandelt werden, als ob die zwei Worte ein Wort wären.[3] Dies stellt in bibliothekarischen Augen, die bei Komposita einen Ordnungsblock je Wort gewohnt sind, ein ziemliches Durcheinander dar.[4] Gleichwohl: Dies ist eine gängige lexikalische Ordnung, der z.B. auch Meyers enzyklopädisches Lexikon folgt.

Der Verlag verspricht ab 1999 Aktualisierungen auf seiner Homepage im World Wide Web. Das wäre ein guter Service und auch eine gute Idee, um den Inhalt eines Nachschlagewerkes aktuell zu halten. Bis September 1999 hat sich hier jedoch nichts getan.

Fazit: Das Handlexikon ist gleichermaßen für die Wissenschaft wie für die politische Bildung geeignet. Es hat weniger Einführungscharakter als z.B. Europa von A - Z, hat aber wegen der Artikelzahl weitaus mehr den Charakter eines Nachschlagewerkes, das neben der Lektüre von Primär- und Sekundärliteratur mit Gewinn genutzt werden kann. Es sollte daher weder im Informationsbestand von öffentlichen noch von wissenschaftlichen Bibliotheken fehlen.

Jürgen Plieninger


[1]
Handlexikon zur Politikwissenschaft / hrsg. von Wolfgang W. Mickel in Verbindung mit Dietrich Zitzlaff. - München : Ehrenwirth, 1983. - XVI, 590 S. ; 24 cm. - ISBN 3-431-02445-9. - Gleichzeitig erschienen in einer Studienausg. und 1986 in einer erw. Ausg. bei der Bundeszentrale für Politische Bildung. (zurück)
[2]
Allerdings sind sie z.T. schon wieder überholt: Beispielsweise ist die European Host Commission, der bisherige Datenbankanbieter der EU, aufgelöst worden, weswegen etliche Datenbanken unter einer neuen Adresse zu finden sind. Daß die Internetadressen in dem genannten Artikel zusammengefaßt sind, erscheint wenig sinnvoll: analog könnte man die Literatur, die sinnvollerweise am Ende der verschiedenen Artikel angeführt ist, unter dem Stichwort "Literatur zur EU" zusammenfassen. (zurück)
[3]
Geordnet wird beispielsweise folgendermaßen:
Europäische Gemeinschaften
Europäischer Gerichtshof
Europäischer Sozialfonds
Europäische Rundfunk-Union
Europäisches Atomforum
Europäische Sicherheit
Europäisches Jugendwerk (zurück)
[4]
Hier würde die Reihenfolge des Beispiels der vorstehenden Fußnote folgendermaßen ausfallen:
Europäische Gemeinschaften
Europäische Rundfunk-Union
Europäische Sicherheit
Europäischer Gerichtshof
Europäischer Sozialfonds
Europäisches Atomforum
Europäisches Jugendwerk (zurück)

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