Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 7(1999) 1/4
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Handbuch deutscher historischer Buchbestände in Europa


99-1/4-071
Handbuch deutscher historischer Buchbestände in Europa : eine Übersicht über Sammlungen in ausgewählten Bibliotheken / hrsg. von Bernhard Fabian. - Hildesheim [u.a.] : Olms-Weidmann. - 30 cm
[4300]
Bd. 3 : Tschechische Republik. Böhmen / bearb. von Vincenc Streit, Vlasta Faltysová und Pavel Pohlei. Red. Claudia Blum. Mähren / bearb. von Jaroslav Vobr. Unter Leitung von Jaromír Kubícek. Red. Claudia Blum und Matthias Bauer. Register von Karen Kloth. - 1998. - 328 S. : Kt. - ISBN 3-487-10356-7 : DM 298.00, DM 248.00 (Forts.-Pr.)
Bd. 6. Polen / bearb. von Marzena Zacharska ... Red. Simoné Okaj-Braun ... Bulgarien / bearb. von Todorka Nikolova. Red. Simoné Okaj-Braun ... Register von André Schüller. - 1999. - 327 S. - ISBN 3-487-10359-1 : DM 298.00, DM 248.00 (Forts.-Pr.)
Bd. 7,1. Dänemark / bearb. von Jakob H. Gronb‘k. Red. Simoné Okaj-Braun ... Schweden / bearb. von Wolfgang Undorf. Red. Matthias Hauer ... - 1998 [ersch. 1999]. - 328 S. - ISBN 3-487-10360-5 : DM 298.00, DM 248.00 (Forts.-Pr.)
Bd. 7,2. Finnland / bearb. von Cornelius Hasselblatt. Red. Simoné Okaj-Braun ... Estland / Red. Simoné Okaj-Braun ... Lettland / Red. Karen Kloth ... Litauen / Red. Simoné Okaj-Braun ... Register von Karen Kloth. - 1998 [ersch. 1999] - 336 S. - ISBN 3-487-10361-3 : DM 298.00, DM 248.00 (Forts.-Pr.)

Die Publikation der Bände des Handbuchs deutscher historischer Buchbestände in Europa, erst 1997 mit Bd. 2 begonnen,[1] schreitet erfreulich rasch voran, legten die Bearbeiter doch mit Erscheinungsjahr 1998 nicht weniger als vier weitere Bände vor, auch wenn da etwas geschummelt wird, da die beiden Teilbände von Bd. 7 erst im Frühjahr 1999 ausgeliefert wurden. Im Oktober 1999 folgte dann noch Bd. 6. Die Bände erscheinen also nicht der Reihe nach, wie im Publikationsplan aufgeführt, sondern sinnvollerweise immer dann, wenn ein Band fertiggestellt ist.

Auf den bereits in IFB besprochenen Band für Ungarn[2] folgte der hier zusammen mit den anderen Neuerscheinungen kurz anzuzeigende zweite Band für die Bibliotheken der Tschechischen Republik (wie wohltuend, daß sich die Bearbeiter - doch wohl mit Einverständnis der tschechischen Bibliothekare - gegen "Tschechien" entschieden haben), die den zahlenmäßig größten Beitrag zum Handbuch ... leisten, was man erst ganz wird ermessen können, wenn der als Bd. 1 angekündigte Band über die Bibliotheken in Prag erschienen sein wird. Der jetzt vorgelegte über die Bibliotheken in Böhmen und Mähren mit 37 bzw. 29 Eintragungen überschneidet sich zum ganz kleinen Teil mit Bd. 2, insofern dort bereits 3 (bzw. 1) Schloßbibliotheken behandelt wurden, die hier beim Ort nur noch mit einer Verweisung auf jenen Band vertreten sind. Dem Typ nach handelt es sich um Bibliotheken mit ganz verschiedener Aufgabenstellung und in sehr unterschiedlicher Trägerschaft (Bezirks-, Museums-, Archivbibliotheken, dazu mehrere kirchliche, insbesondere Klosterbibliotheken, dagegen nur eine Universitätsbibliothek, die in Brünn) mit insgesamt kurzen Eintragungen. Bemerkenswert ist der aktuelle Berichtsstand der Artikel - meist Mitte 1998; ältere wurden möglichst auf diesen Stand ergänzt. Daß beide Teile mit einer Geschichte der Bibliotheken in Böhmen (S. 21 - 32) bzw. in Mähren (S. 163 - 171) eingeleitet werden, gehört zum Standard aller Reihen des Handbuchs ... (mit Ausnahme des Bandes für Bayern[3]).

Unter Überspringung der für die Slowakische Republik bzw. für Polen reservierten Bd. 4 und 6 erschienen im Frühjahr 1999 kurz hintereinander die beiden Bände über die deutschen historischen Buchbestände in den nordeuropäischen und den baltischen Ländern. In Bd. 7,1 fehlt leider ein Beitrag über Norwegen, "trotz einer schon 1989 gegebenen Zusage zur Mitarbeit": schade, daß sich nicht auch hier ein deutscher Bearbeiter finden ließ, wie im Falle der Artikel für die schwedischen Bibliotheken, die von Wolfgang Undorf stammen, der zu diesem Zwecke eigens Schwedisch gelernt hat. Hier die baren Fakten: Dänemark mit 10 Bibliotheken an 4 Orten (davon Kopenhagen allein mit deren vier, darunter die Königliche Bibliothek mit dem längsten Artikel); Schweden übertrifft Dänemark an Seitenzahl und bietet Eintragungen zu 13 Bibliotheken an 7 Orten (davon 7 Institutionen in Stockholm; die umfangreichsten Artikel haben auch hier die Königliche Bibliothek sowie die Universitätsbibliothek Lund); Finnland, das Bd. 7,2 eröffnet weist nur eine Eintragung für die Universitätsbibliothek Helsinki auf; Estland ist mit 9 Bibliotheken (in Reval und Dorpat) vertreten, Lettland mit 5 Bibliotheken in Riga und Libau und schließlich Litauen mit 6 Bibliotheken, davon 4 in Wilna und 2 in Kauen.

Bd. 6 behandelt in einem längeren Abschnitt 27 Bibliotheken in 17 polnischen Städten (S. 19 - 216) und vier Bibliotheken in zwei (Sofia mit dreien, Plovdiv mit einer) bulgarischen Orten (S. 217 - 257). Von den polnischen Bibliotheken sind (soweit die Eintragungen zehn Seiten übersteigen) hervorzuheben: die Universitätsbibliothek Warschau, die Danziger Bibliothek der Polnischen Akademie der Wissenschaften, die Jagiellonen-Bibliothek in Krakau, die Universitätsbibliothek Posen und - mit dem längsten Artikel - die Universitätsbibliothek Breslau. Bei der genannten Krakauer Bibliothek sind den Alten Drucken aus den Sammlungen der ehemaligen Preußischen Staatsbibliothek in Berlin eigene Beschreibungen vorbehalten (S. 111 - 112). Die Artikel für die bulgarischen Bibliotheken sind dagegen, was die deutschen Buchbestände und damit den eigentlichen Zweck der Verzeichnung betrifft, eher enttäuschend, und wenn trotzdem z.T. längere Artikel zustande kommen (für die Nationalbibliothek mit über zehn Seiten), so ist das vor allem der Aufzählung zahlreicher Einzeltitel primär des 19. Jahrhundert ohne besondere Relevanz zu verdanken.

Wie in den anderen, bereits früher besprochenen Bänden stehen historische Einleitungen über die Bibliotheksgeschichte der Länder den Artikeln voran; Auswahlbibliographien über das Bibliothekswesen der einzelnen Länder stehen unpraktischerweise nicht immer bei diesen, sondern sind teilweise am Schluß länderweise zusammengefaßt (so in Bd. 7,2; anders verfährt Bd. 6). Auch bei den Registern wird unterschiedlich verfahren: während dasjenige für den Doppelband 7 alle Länder in einem gemeinsamen Register erschließt, gibt es in Bd. 6 getrennte Register für Polen und Bulgarien, die aber wiederum (anders als die Literaturverzeichnisse) nicht am Schluß des jeweiligen Teils stehen, sondern am Ende des ganzen Bandes.

Auch wenn der Anlaß für die Erarbeitung all dieser Bände die Ermittlung und Beschreibung der deutschen historischen Buchbestände war, lassen sich diese natürlich nicht losgelöst von der Geschichte der Bibliotheken der einzelnen Länder und der Geschichte von deren Bibliotheken darstellen, weshalb sich diese Bände vorzüglich zur Information über die nationale und institutionelle Bibliotheksgeschichte eignen, wie man sie sonst nicht so komprimiert und schon gar nicht in einer (immer noch) international gängigen Sprache vorfindet. Unter diesem Aspekt nimmt man die - mangels Masse - partielle Dürftigkeit der Angaben zum Bestand an deutschen historischen Buchbeständen (etwa im Abschnitt für Bulgarien in Bd. 6) eher in Kauf.

Klaus Schreiber


[1]
Bd. 2 : Tschechische Republik. Schloßbibliotheken unter der Verwaltung des Nationalmuseums in Prag / bearb. von Petr Masek. Red. Claudia Blum und Matthias Bauer. Register von Karen Kloth. - 1997. - 309 S. - ISBN 3-487-10355-9 : DM 298.00, DM 248.00 (Forts.-Pr.). - Rez.: IFB 98-1/2-060. (zurück)
[2]
Bd. 5. Ungarn / bearb. von Judit P. Vásárhelyi. Unter Mitarb. von Katalin Rákóczi und Sándor Dörnyei. Red. Simoné Okaj ... Register von Karen Kloth. - 1998. - 290 S. - ISBN 3-487-10358-3 : DM 298.00, DM 248.00 (Forts.-Pr.). - Rez.: IFB 98-3/4-213. (zurück)
[3]
Vgl. IFB 98-1/2-054. (zurück)

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