Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 6(1998) 1/2
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Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie


98-1/2-071
Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike / begr. von Friedrich Ueberweg. - Völlig neubearb. Ausg. - Basel : Schwabe. - 25 cm
[0106]
Bd. 4. Die hellenistische Philosphie / von Michael Erler ... Hrsg. von Hellmut Flashar. - 1994. - Halbbd. 1 - 2. - XXVI, 1272 S. - ISBN 3-7965-0930-4 : SFr. 290.00, DM 348.00

Als 1984 mit Bd. 3 aus der Abteilung Die Philosophie der Antike die völlige Neubearbeitung des Ueberweg eröffnet wurde,[1] haben die Herausgeber kaum ahnen können, daß zehn Jahre vergehen sollten, bis ein weiterer Band dieser Abteilung erscheinen würde.[2] Daß dieser Band, obwohl bereits 1994 herausgekommen, erst jetzt angezeigt wird, hängt damit zusammen, daß damals bereits die 2. Aufl. des (u.a.) die Philosophie der Antike behandelnden Bd. 1 von Totoks Handbuch der Geschichte der Philosophie angekündigt war, dessen Erscheinen sich dann allerdings bis zum Oktober 1997 verzögerte. Nach der vorstehend abgedruckten ausführlichen und kritischen, einem Verriß nahekommenden Besprechung dieses Bandes scheut man sich freilich, den neuesten Band des Ueberweg in die Nähe des Handbuchs zu rücken. Immerhin haben beide aber eines gemeinsam: ihre Titel sind irreführend, ist doch der Totok kein Handbuch, sondern eine reine Bibliographie während der neue Ueberweg alles andere als ein Grundriß ist (womit man ja die knappe Darstellung eines Faches zu bezeichnen pflegt; dies traf allenfalls auf die frühen Auflagen des Werkes zu), sondern ein umfassendes Handbuch mit Schwerpunkt bei der Bibliographie. In diesem Bereich ist der Ueberweg ohne Konkurrenz und für alle Epochen der Philosophie, die hier bereits vorgelegt wurden, greife man zum Ueberweg und nicht zum Totok: dies nicht nur wegen der weit höheren Titelzahl des ersteren, sondern - wie die genannte Rezension belegt - wegen der unverzeihlichen sachlichen Fehler des letzteren.

Hinter dem generellen Bandinhalt Hellenistische Philosophie verbergen sich folgende Kapitel, die hier - ohne Nennung der Bearbeiter - aufgezählt werden sollen, da man so einen Eindruck von der Breite und Vielfältigkeit sowie vom griechischen und römischen Anteil gewinnen kann: Auf die Einleitung über Die hellenistische Philosophie im allgemeinen folgen im ersten Halbband die Kapitel: 1. Epikur; 2. Die Schule Epikurs; 3. Lukrez; der zweite Halbband (bei dem man sich eine Wiederholung des gesamten Inhaltsverzeichnisses gewünscht hätte) enthält: 4. Die Stoa; 5. Älterer Pyrrhonismus, Jüngere Akademie, Antiochos aus Askalon; 6. Cicero. Nach Umfang der Beiträge für die drei mit eigenen Kapiteln behandelten Philosophen liegen Epikur und Cicero mit jeweils über 170 S. vor Lukrez mit 110. Als Beispiel für die - mit Varianten - wiederkehrende Gliederung der Materie sei Epikur gewählt, mit folgenden sachlich weiter untergliederten Abschnitten Stand der Forschung; Schriften; Ausgaben und Übersetzungen; Leben; Inhalt der Werke; Lehre; Nachwirkung. Alle enthalten abschnittsweise durchnumerierte, sachlich gegliederte Bibliographien, auf deren Nummern ggf. im darstellenden Teil verwiesen wird. Die bibliographischen Angaben sind knapp aber ausreichend, Vornamen der Verfasser sind grundsätzlich abgekürzt, Umfangsangaben bei Monographien weggelassen; Rezensionen sind (wohl in Auswahl) zitiert. Addiert man die Nummern der bibliographischen Teile so kommt man für Epikur auf nicht weniger als 1424 Titel, während Totok lediglich 376[3] verzeichnet.

Bei der Benutzung ist freilich zu berücksichtigen, daß die Bibliographien unterschiedlich aktuell sind: manche reichen bis 1992 (was im Hinblick auf das Erscheinungsjahr 1994 als akzeptabel gelten kann), andere dagegen nur bis 1986. Der unterschiedliche Berichtsstand der Bibliographien ist natürlich bedauerlich, doch erhält man kompetente und umfassende bibliographische Informationen, die nicht zuletzt den Wert des neuen Ueberweg auf lange Zeit ausmachen werden. Trotzdem sei angeregt, zum Abschluß jeder Abteilung einen Supplementband vorzulegen, in dem wenigstens die bibliographischen Angaben - in derselben Gliederung wie in den Bänden - auf den neuesten Stand gebracht werden sollten.

Klaus Schreiber


[1]
Bd. 3. Ältere Akademie, Aristoteles, Peripatos / hrsg. von Hellmut Flashar. - 1983. - XXII, 645 S. - ISBN 3-7965-0810-3 : SFr. 136.00, DM 148.00. - Rez.: ABUN in ZfBB 32 (1985),2, S. 188 - 189. (zurück)
[2]
In der Zwischenzeit waren zwei Bände der Abteilung für das 17. Jahrhundert erschienen: Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie des 17. Jahrhunderts / begr. von Friedrich Ueberweg. - Völlig neubearb. Ausg. - Basel : Schwabe. - 25 cm [1979]. - Bd. 2. Frankreich und Niederlande / hrsg. von Jean-Pierre Schobinger. - 1993. - Halbbd. 1 - 2. - XXXIII, 1144 S. - Rez.: IFB 94-3/4-420. - Bd. 3. England / hrsg. von Jean-Pierre Schobinger. - 1988. - Halbbd. 1 - 2. - XXXIV, 874 S. - ISBN 3-7965-0872-3 : SFr. 160.00, DM 195.00. - Rez.: ABUN in ZfBB 36 (1989),2, S. 139 - 141. (zurück)
[3]
Und zwar einschließlich der Literatur für die kleineren Nachfolger Epikurs. Für Philodem aus Gadara lautet das Verhältnis 644 zu 33, für Lukrez 1906 zu 388. - Beim Totok handelt es sich also im Grunde um eine Auswahlbibliographie, leider mit anfechtbaren Auswahlkriterien, wie die vorstehende Rezension zeigt. (zurück)

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