Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 5(1997) 3/4
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Cent ans de l'Office International de Bibliographie


97-3/4-291
Cent ans de l'Office International de Bibliographie : 1895 - 1995 ; les premisses du Mundaneum. - Mons : Editions Mundaneum, 1995. - 368 S. : Ill. ; 24 cm. - ISBN 2-930071-05-2 : FB 775.00. - (Éditions Mundaneum, Rue des Passages 15, B-7000 Mons)
[3546]

Jeder, der eine unserer Bibliotheksschulen absolviert hat, erfuhr auch von der Gründung des Office International de Bibliographie durch Paul Otlet (1868 - 1944) und Henry La Fontaine (1853 - 1943) im Jahre 1895, die als Väter der modernen "Dokumentation"[1] und vor allem der Classification Décimale Universelle (CDU) in die Geschichte eingegangen sind, während ihr Versuch der Schaffung eines alphabetisch und sachlich (nach CDU) geordneten Répertoire bibliographique universel, einer Weltbibliographie von Büchern und Zeitschriftenaufsätzen auf Kärtchen im internationalen Bibliotheksformat als "utopisches Projekt" allenfalls erwähnt wird, das aus Geldmangel, in Wirklichkeit jedoch aus inhärenten Problemen eingestellt wurde, nachdem 12 (nach anderen Angaben 13 oder gar 14) Millionen Zettel zusammengetragen worden waren. Nach mehreren Namensänderungen, wechselnden Quartieren, unterbrochen durch Auslagerungen, sind die Sammlungen des OIB - darunter auch die Zettelkästen - heute im Mundaneum vereinigt, das seit 1993 in Mons residiert und das nach der Herrichtung des ihm zugewiesenen Gebäudes hofft, in den nächsten Jahren alle Sammlungen wieder zugänglich machen zu können. Es ist beabsichtigt, dieses Ereignis dann soz. mit einer verspäteten Jubiläumsausstellung zu begehen, die anschließend in anderen europäischen Städten gezeigt werden soll.

Die vorliegende, nun wirklich zum hundertsten Jubiläum erschienene Festschrift enthält - sieht man von den Präliminarien ab - 15 von belgischen Autoren stammende Beiträge: der erste, als Einleitung dienende, befaßt sich mit den Besonderheiten des intellektuellen Lebens in Belgien am Ende des 19. Jahrhunderts; die weiteren sind zu drei Kapiteln gebündelt: Otlet[2] und La Fontaine und ihr Umfeld, das OIB und schließlich das Mundaneum und seine großen Sammlungen, die gleichfalls auf die beiden Gründer - deren Nachlaß ebenfalls hier liegt - zurückgehen, von denen nur die folgenden Sammlungen in separaten Beiträgen vorgestellt werden: das Zeitungsmuseum mit Exempla der Presse aus aller Welt (wenngleich mit Schwerpunkt bei Belgien), eine Sammlung zur Friedensbewegung um die Jahrhundertwende sowie eine solche zur Geschichte des Anarchismus. Dabei sind kleinere thematische Sammlungen, z.B. zur Frauenbewegung oder eine Sammlung von ca. 20.000 Plakaten ebenso wie eine große Postkartensammlung überwiegend aus den Jahren 1900 - 1935 mit ca. 100.000 Stücken noch gar nicht bedacht, die nicht zuletzt dem Mundaneum[3] den Charakter einer musealen Wunderkammer verleihen. Die aktiven Abzweigungen des OIB in Gestalt der Fédération Internationale de Documentation und der Union des Associations Internationales sind dafür um so aktiver und es schadet nicht, sich an den gemeinsamen Ursprung aller dieser internationalen Institutionen zu erinnern.

Klaus Schreiber


[1]
Traité de documentation : le livre sur le livre ; théorie e pratique / par Paul Otlet. - Bruxelles : Éditions Mundaneum, 1934. - Ein mit einem Vorwort von Robert Estivals versehener Reprint der Original-Ausgabe liegt vor: Liège : Éditions du Centre de Lecture Publique de la Communauté Française, 1989.
Die in IFB 97-1/2-103 überaus kritisch besprochene 4. Aufl. 1997 der Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation erwähnen, soweit sich in Ermangelung eines brauchbaren Registers feststellen läßt, trotz ihrer in der Rezension bemängelten Rückwärtsgewandtheit diesen Gründungstext der modernen Dokumentation nicht. (zurück)
[2]
Eine Bibliographie seiner selbständig erschienenen Schriften unter Einschluß von Sonderdrucken seiner Aufsätze findet sich auf S. 53 - 61, ergänzt um eine Auswahlbibliographie von Schriften über ihn (S. 62); eine entsprechende Personalbibliographie für seinen Mitstreiter fehlt leider im vorliegenden Band. Man greife stattdessen zu dem aus Anlaß des zehnten Todestages von Otlet erschienenen Gedenkartikel für die beiden Pioniere der Dokumentation: Henri La Fontaine (1854 - 1943), Paul Otlet (1868 - 1944) par Georges Lorphèvre. // In: Revue de la documentation. - 21 (1954),3, S. 89 - 103; dieser Artikel enthält auch Personalbibliographien der beiden: Bibliographie des principaux travaux d'Henri La Fontaine / par Christiane Lorphèvre-Montlibert. - S. 93 - 97. - Bibliographie des travaux de Paul Otlet : relatifs à la documentation et à la bibliothéconomie / par Christiane Lorphèvre. - S. 99 - 102.
Aus Anlaß seines fünfzigsten Todestages wurde im (relativ fernen) Saragossa eine Tagung abgehalten, deren Vorträge auch veröffentlicht wurden: Actas / Jornadas Conmemorativas del Cincuentenario de Paul Otlet (1868 - 1934 [vielm. 1944]), Zaragoza, 5 y 6 de mayo de 1994. - 1. ed. - Zaragoza : Area de Biblioteconomía y Documentación de la Universidad de Zaragoza ; Centro de Documentación de la Diputación de Zaragoza, 1995. - 182 S. ; 23 cm. - (Monografias DPZ de documentación ; 1). - ISBN 84-86947-76-6. - (Diputación Provincial de Zaragoza, Servicio Cultural, Plaza de Espa¤a 2, E-50071 Zaragoza). (zurück)
[3]
Dieses gibt unter dem Titel Le Mundanéen ein Mitteilungsblatt heraus: Nr. 1 (1996) - (zurück)

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