Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 3(1995) 2
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Historisches Lexikon Wien


95-2-290
Historisches Lexikon Wien : in 5 Bänden / Felix Czeike. - Wien : Kremayr & Scheriau. - 25 cm
[1611]
Bd. 1. [A - Da]. - 1992. - XXIV, 623 S. - ISBN 3-218-00543-4 : öS 1200.00
Bd. 2. [De - Gy]. - 1993. - XIV, 652 S. - ISBN 3-218-00544-2 : öS 1200.00
Bd. 3. [Ha - La]. - 1994. - XIV, 700 S. - ISBN 3-218-00545-0 : öS 1200.00
95-2-291
Wien : innere Stadt ; Kunst- und Kulturführer / Felix Czeike. - Wien : Edition Wien, 1993. - 213 S. ; 21 cm. - ISBN 3-85058-088-1 : ÖS 268.00, DM 38.00 [1686]

Wenn in der Einleitung über die Typologie der Stadtlexika (IFB95-2-281) u.a. bemängelt wurde, daß sich die meisten Lexika in ihren Vorworten nur ungenügend und häufig unpräzis über die berücksichtigten Lemmatypen und die dafür geltenden Auswahlkriterien äußern, so muß das Historische Lexikon Wien dezidiert von diesem Vorwurf ausgenommen werden, lassen doch die Hinweise zum Inhalt bzw. für die Benutzung an Klarheit und Detailliertheit keinen Wunsch offen. Das dient natürlich in erster Linie dem Benutzer, doch freut sich auch der Rezensent, wenn er die wichtigen Fakten nur zu referieren braucht, statt sie erst an Hand von Stichproben erheben zu müssen.

Wer sich auch nur gelegentlich mit der Geschichte Wiens beschäftigt, kennt die zahlreichen einschlägigen Werke des langjährigen Leiter des Wiener Stadt- und Landesarchivs, Felix Czeike, darunter insbesondere Das große Groner-Wien-Lexikon,[1] dessen sämtliche Artikel aktualisiert und ggf. korrigiert in das neue Lexikon eingegangen sind. Die ca. 25.000 Artikel[2] stammen ganz überwiegend von Czeike selbst; sie sind nicht gezeichnet, während solche von anderen Autoren mit deren Namen, bzw. im Fall von Mitarbeitern mit dem Zusatz "Mitarbeit: ..." gezeichnet sind. Die Artikel betreffen: 1. Topographica: die Eintragungen für Gebäude aller Art wurden gegenüber 1974 um rund ein Viertel vermehrt und dazu Neubauten aus den letzten zwei Jahrzehnten berücksichtigt;[3] die Angabe von Stadtbezirk und Adresse ist dabei selbstverständlich. Bei den Verkehrsflächen und städtischen Wohnhausanlagen, die jetzt erstmals vollständig aufgenommen sind, wird nicht nur das genaue Datum der Namengebung sondern - mit Siglen - auch die namengebende Körperschaft benannt. 2. Die über 8000 biographischen Artikel (gegenüber ca. 1000 1974) gelten ausschließlich verstorbenen Persönlichkeiten, "die durch ihre Tätigkeit oder durch eine Ehrung (einschließlich Ehrengrab, Verkehrsflächen- oder Wohnhausbenennung, Gedenktafel) einen stärkeren Bezug zu Wien aufweisen." Besondere Berücksichtigung finden Emigranten, "auch dann ..., wenn sie erst im Exil den Höhepunkt ihres Schaffens erreichten." (Bd. 1, S. II). Biographische Kurzinformationen zu weiteren Personen finden sich in den Artikeln für Straßen etc., die nach Personen benannt sind. Besonderer Wert wurde auf die Ermittlung der genauen Geburts- und Todesdaten (unter Heranziehung archivalischer Quellen) sowie auf sonstige genealogische Informationen gelegt. Der Lebenslauf geht vor allem auf den Wien-Bezug ein, so insbesondere durch die Angabe von "Studien-, Promotions- und Aufenthaltsdaten, relevante Wiener Arbeitsstätten, Adressen ..., Friedhöfen, Ehrungen ..., Erinnerungsstätten ... u.s.w." (ebd. S. IV). 3. Die Sachschlagwörter betreffen "vornehmlich kommunale Bereiche ... sowie weltliche und kirchliche Institutionen", ferner ... "ausgewählte Begriffe aus speziellen Wissensgebieten ..." (ebd. S. II - III). Von besonderer Bedeutung sind die den meisten Artikeln beigegebenen Literaturhinweise, die durch äußerste Knappheit der Zitierung unter Verwendung sehr zahlreicher Abkürzungen gekennzeichnet sind; Auswahl und Zitierung liegt ein umsichtig konzipiertes System zugrunde. Es kann dies zwar kein Ersatz für die fehlende Wien-Bibliographie der letzten 50 Jahre sein, doch weiß man jetzt wenigstens, wo man sich im Anschluß an die Berichtszeit des Gugitz[4] bibliographisch orientieren kann. Erwähnt seien auch die zahlreichen Schwarzweiß-Reproduktionen von Photos, Gemälden, Grundrissen u.a., deren Qualität leider nicht derjenigen der Artikel entspricht. Bewundernswert ist auch, daß die Bände bisher wie angekündigt im Jahresabstand erschienen sind, so daß man zuversichtlich davon ausgehen kann, daß dieses beeindruckende Stadtlexikon im Herbst 1996 vollendet sein wird. Der letzte Band soll außer Nachträgen und Aktualisierungen zu bereits erschienenen Artikeln u.a. neue Artikel für zwischenzeitlich Verstorbene enthalten. Auch ein Verzeichnis der Mitarbeiter von Czeike sollte dann nicht fehlen, möglichst unter Angabe der von ihnen stammenden Artikel. Ob ein Register vorgesehen ist, geht aus dem Vorwort nicht hervor: es böte sich gleichwohl für die nur innerhalb eines Artikels erwähnten Sachen und Personen an; bei letzteren könnten dann vor allem auch die noch lebenden (so etwa Udo Proksch im Artikel Demel, Hofkonditorei) gezielt ermittelt werden.

Wien hat mit diesem Lexikon ein Nachschlagewerk erhalten, das seinem Rang in der Geschichte der europäischen Hauptstädte angemessen ist.

Daß das kleine Bändchen Wien : innere Stadt - die Altstadt und den Bereich der Ringstraßen behandelnd - auf dem großen Historischen Lexikon Wien aufbaut, ist selbstverständlich, allerdings trifft es seine Auswahl im Hinblick auf den an Kunst, Kultur und Geschichte interessierten Besucher der Stadt. Es erweitert, aktualisiert und ersetzt damit ein im Vorwort nur indirekt genanntes Werk desselben Verfassers.[5] Die Artikel (ohne Literaturangaben) für ca. 500 ausgewählte Denkmäler sind nicht - wie im großen Lexikon - nach den Namen der Denkmäler geordnet, sondern im Alphabet der Straßennamen verzeichnet. Die Recherche nach dem einzelnen Objekt muß also über das Stichwortregister erfolgen, so wie die Recherche nach den in den Artikeln erwähnten Namen (Personenartikel selbst fehlen) nur über das Personenregister möglich ist. Die ca. 70 Schwarzweiß-Abbildungen gelten Gebäuden, Grundrissen und vereinzelt Personen. Ob es wirklich alle Besucher goutieren werden, durch die alphabetische Anordnung "nicht auf fixe Routen" gezwungen zu sein (S. 5) oder ob sie es nicht doch praktischer fänden, einem Stadtrundgang zu folgen, bleibe dahingestellt.[6]

sh


[1]
Das große Groner-Wien-Lexikon / Felix Czeike. - Wien : Molden, 1974. - 912 S. : Ill. - Die biographischen und die topographischen Artikel erscheinen in zwei getrennten Alphabeten.
Zu erwähnen ist ferner:
Wien : Kunst- und Kultur-Lexikon ; Stadtführer und Handbuch / Felix Czeike. - München : Süddeutscher Verlag, 1976. - 207 S. (zurück)
[2]
So der Verlagsprospekt; der Versuch einer Hochrechnung an Hand der ersten drei Bände führt zu einer eher noch höheren Zahl von ca. 28.000. (zurück)
[3]
Das Hundertwasserhaus kommt, wie es die alphabetische Ordnung will, zwischen Hundefänger und Hundewäscher zu stehen; dies auch als Hinweis auf das breite Spektrum dieses Lexikons. (zurück)
[4]
Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien : nebst Quellen- und Literaturhinweisen / Gustav Gugitz. - Wien : Verlag für Jugend und Volk, 1947 - 1962. - Bd. 1 - 5. (zurück)
[5]
Wiener Bezirkskulturführer. - Wien : Jugend-und-Volk-Verlagsges. - 1. Innere Stadt / Felix Czeike. - 1983. - 176 S. (zurück)
[6]
Die Neubearbeitung des Bandes des Dehio-Handbuchs : die Kunstdenkmäler Österreichs für die Wiener Innenstadt steht noch aus, während das Handbuch für die sich um den I. Bezirk gruppierenden Bezirke II bis IX und XX erst jüngst in völliger Neubearbeitung erschienen ist und im nächsten Heft von IFB im Rahmen einer Komplexrezension neuer Denkmälerinventare besprochen werden soll:
Die Kunstdenkmäler Österreichs. Wien : topographisches Denkmälerinventar / hrsg. vom Bundesdenkmalamt. Bearb. und redigiert in der Abteilung für Denkmalforschung. - Wien : Schroll. - 18 cm. - (Dehio-Handbuch) [2299].
II. bis IX. und XX. Bezirk / bearb. von Wolfgang Czerny ... - 1993. - XXIV, 487 S. - ISBN 3-7031-0680-8 : öS 490.00, DM 70.00 (zurück)

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