Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 3(1995) 2
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Berlin-Bibliographie


95-2-280
Berlin-Bibliographie / hrsg. von der Berliner Stadtbibliothek in Zsarb. mit der Senatsbibliothek Berlin. - München [u.a.] : Saur. - 24 cm. - (Bibliographien / Historische Kommission zu Berlin ; ...). - 1985/89 (1995) hrsg. von der Senatsbibliothek Berlin. - Bis 1978/84 (1987) im Verlag de Gruyter, Berlin. - ISSN 0341-9347
[2554]
1985/89 (1995),1 - 2. - (... ; 7). - ISBN 3-598-23430-9 : DM 428.00
1990 (1995). - (... ; 8). - ISBN 3-598-23431-7 : DM 138.00

Die neueste Ausgabe der Berlin-Bibliographie für die Berichtszeit 1985/89 wird im Vorwort mit Bezug auf das Grundwerk von 1965 als 4. Nachtragsband[1] bezeichnet. Sie markiert in verschiedener Hinsicht - nicht zuletzt wegen des Falles der Berliner Mauer zu Ende des letzten hier berücksichtigten Berichtsjahres - einen Einschnitt in der Geschichte dieser in unregelmäßigen Abständen und mit viel zu langer Verzugszeit erscheinenden Landesbibliographie. Äußerlich - obwohl im gewohnten blauen Leinengewand - ist zunächst der Verlagswechsel von de Gruyter zu K. G. Saur zu vermelden, der am 17. Mai 1995 einen Empfang zur Präsentation der Berlin-Bibliographie im Ernst-Reuter-Haus ausrichtete und der damit nach der Hessischen Bibliographie[2] eine weitere deutsche Landesbibliographie in sein Programm aufgenommen hat. Er übernahm zugleich die gesamte Schriftenreihe Einzelveröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin ab Bd. 76 (1994) und verselbständigte die früher jeweils als ein Band der Gesamtreihe erschienene Unterreihe für die Bibliographien.

Gewichtiger sind die inhaltlichen und formalen Änderungen, über die allerdings weder das Vorwort noch die Hinweise für die Benutzung hinreichend Auskunft geben. So erfährt man dort zwar, daß für den vorliegenden Band "als räumliche Begrenzung ganz Berlin in den Grenzen von 1920" gilt (S. XI), doch hätte man sich einen Hinweis auf die demnach anscheinend andere "räumliche Begrenzung" der früheren Bände gewünscht, die, obwohl in West-Berlin bearbeitet, auch (mit Vollständigkeitsanspruch ?) die Literatur über Ost-Berlin verzeichnet hatten. Daß die Gesamtzahl der verzeichneten Titel von 13.050 auf 15.127 zugenommen hat - und das trotz des von 7 auf 5 Jahre verkürzten Berichtszeitraums (d.h. je Berichtsjahr statt 1864 jetzt 3035 Nummern) - hängt dagegen wohl weniger mit der Änderung der "räumlichen Begrenzung" zusammen, als damit, daß die aus Anlaß der 750-Jahr-Feiern erhöhte Titelproduktion zu verzeichnen war. Berücksichtigt werden (wie auch bisher) alle Lebensbereiche, und zwar sowohl historische als auch gegenwartsbezogene Titel. Die berücksichtigten Schriftengattungen sind detailliert benannt, ebenso die nicht berücksichtigten, unter denen vor allem Rezensionen und Zeitungsartikel (komplette Zeitungsbeilagen werden dagegen berücksichtigt) zu nennen sind. Damit befindet sich diese Bibliographie in Übereinstimmung mit der Praxis der meisten Landesbibliographien. Der Hauptteil folgt einer fein untergliederten Systematik, die sich allerdings total von der früherer Bände unterscheidet. Sie folgt jetzt der Modellsystematik der Arbeitsgruppe Regionalbibliographie der Arbeitsgemeinschaft der Regionalbibliotheken. Die neue Systematik sieht im Gegensatz zur früher verwendeten keinen separaten Personenteil mehr vor (früher: Einzelne Personen und Familien) und folgt damit dem (wie der Rezensent weiterhin meint, schlechten) Beispiel der Hessischen Bibliographie. Von den auf Personen bezogenen Schriften werden sinnvollerweise nur die mit Bezug auf Berlin verzeichnet; bei der schönen Literatur werden Werkausgaben "allein bei Heimat- und Mundartdichtern" berücksichtigt und Einzelwerke nur bei Berlin-Bezug aufgenommen. Die Titelaufnahmen 'orientieren' sich an RAK-WB, und man fragt sich, woran es wohl liegt, daß sich die Landesbibliographien diesem Regelwerk immer nur nähern, statt es konsequent anzuwenden. Aus Platzersparnis verzichtet die Berlin-Bibliographie auf Mehrfacheintragungen und wählt als Hauptstelle für die Eintragung den Sachbezug unter Übergehung des regionalen Bezugs.

Für die Detailerschließung ist daher das Sachregister unverzichtbar, das zusammen mit dem Verfasser-/Titelregister einen zweiten Teilband füllt. Auch die beiden Register haben sich gegenüber früheren Bänden (auch gegenüber dem bereits mit Hilfe der EDV bearbeiteten Bd. 1975/84) verändert. Das gemeinsame Formalregister verzeichnet jetzt nicht mehr nur persönliche Verfasser, sondern hat auch Eintragungen unter den Titeln von Sachtitelwerken, jedoch weiterhin keine unter Urhebern. Personen erscheinen ggf. mehrfach mit eigenen Eintragungen, je nachdem ob sie als Verfasser (ohne Markierung) oder in anderer Funktion - dann markiert als (Bearb.), (Hrsg.), (Mitarb.) etc. - beteiligt sind. Dafür wurde die im Vorgängerband geübte Praxis aufgegeben, die einzelnen Beiträge eines Verfassers durch Schlagwörter zu differenzieren, was allerdings nur in Fällen von viel schreibenden Autoren sinnvoll war, während die überwältigende Masse der Eintragungen Verfassern mit nur einem Beitrag galt (und weiterhin gilt). Die im Personenregister des Vorgängerbandes gleichfalls berücksichtigten Personen als Gegenstand der Darstellung sind jetzt konsequenterweise in das Sachregister transferiert worden. Dieses entsteht durch die Beschlagwortung aller Titel auf der Grundlage "eine(r) normierende(n) Schlagwortliste der Arbeitsgruppe Regionalbibliographie." Ein Hinweis auf deren Bezug zu RSWK wird nicht gegeben. Dieser dürfte auch (glücklicherweise) nicht sehr eng sein, findet man doch z.B. erfreulicherweise auch Eintragungen unter Formschlagwörtern (Bibliographie, Biographie, Nachschlagewerk etc.). Die Eintragungen im Sachregister kennen (z.T. permutierte) Haupt- und Unterschlagwörter, wobei stört, daß das erste Unterschlagwort auf derselben Zeile mit Schrägstrich angeschlossen ist, während alle weiteren mit Einrückungsstrich auf eigener Zeile folgen. Bei genauerem Hinsehen finden sich manche Absonderlichkeiten, wie an den Eintragungen unter Bibliothek gezeigt werden soll. Es beginnt mit Siehe-auch-Verweisungen auf Firmenbibliothek etc. bis Universitätsbibliothek, eine unvollständige Liste, da das Register auch Eintragungen unter anderen Bibliothekstypen wie Kinderbibliothek oder Spezialbibliothek aufweist. Eintragungen unter den Namen einzelner Bibliotheken finden sich hier allerdings nur dann, wenn deren Name mit Bibliothek... beginnt, so die Bibliothek der Marienkirche bzw. der Tierarzneischule (beide ohne Eintragung bzw. Verweisung unter der übergeordneten Körperschaft). Nicht zu finden sind hier also z.B. die beiden Staatsbibliotheken, die im Vorgängerband - wie auch andere Bibliotheken - noch eine Siehe-auch-Verweisung bekommen hatten. Leider ist die Beschlagwortung in sich nicht konsistent: so gibt es ein Unterschlagwort Geschichte, dazu aber auch noch eine Eintragung unter Bibliotheksgeschichte, die ihrerseits Unterschlagwörter hat; alle hier verzeichneten Nummern fehlen an der Hauptstelle. Es gibt auch getrennte Eintragungen unter Bibliothekar und Bibliothekarin - in beiden Fällen mit Unterschlagwort Biographisches Porträt, das gleichfalls nicht mit dem entsprechenden Unterschlagwort von Bibliothek korreliert - was recht unsinnig ist, da die geschlechtsspezifische Zuordnung der Titel nur z.T. nachvollziehbar, z.T. (Nr. 14747) einfach falsch ist. Wenigstens stehen hier beide Formen noch nebeneinander, was bei Ärztin und Arzt nicht zutrifft. Falls sich die Bearbeiter und Bearbeiterinnen der Berlin-Bibliographie nicht doch noch dazu entschließen können, diesen weitgehend sachfremden, dafür aber populären Unsinn aufzugeben (oder zumindest ein Schlagwort BibliothekarIn zu bilden), sollten sie wenigstens grundsätzlich verweisen, und zwar vor allem wegen der BenutzerIn, die speziell an Literatur über Ärztinnen interessiert ist und die mit Sicherheit unter Arzt mehr (inhaltlich) einschlägige Titel finden wird, als unter der geschlechtsspezifischen Eintragung.

Die Weiterführung der Berlin-Bibliographie soll - "als sichtbares Resultat der vereinten Stadt" (S. V) - in Zusammenarbeit zwischen der Senatsbibliothek (ehem. Berlin-West) und der Berliner Stadtbibliothek[3] (ehem. Berlin-Ost) erarbeitet werden und zudem künftig als Jahresband erscheinen. Diese Ankündigung des Vorworts wurde wenig später mit dem Band für das Berichtsjahr 1990 eingelöst, der 3276 Titel verzeichnet. Die Hinweise für die Benutzung scheinen auf den ersten Blick mit denen des Vorgängerbandes identisch zu sein, bei genauerer Prüfung ergeben sich jedoch kleinere Unterschiede: als räumlicher Bezug gelten jetzt die durch den Einigungsvertrag vom 31.08.1990 festgelegten Grenzen; Gesetzestexte, die im Vorgängerband nicht verzeichnet wurden, werden jetzt ebenso wie die früher bereits berücksichtigten Kommentare und Gerichtsentscheidungen aufgenommen; Aufsätze aus Zeitschriften und Sonderwerken (was wohl wie früher Sammelwerke heißen soll), sind natürlich weiterhin berücksichtigt, ebenso wie Zeitungsaufsätze weiterhin ausgeschlossen bleiben, was im Vorwort mit besonderem Bedauern betont wird (S. V), da die früher von der Berliner Stadtbibliothek bearbeitete Jahresbibliographie[4] sehr zahlreiche Zeitungsaufsätze enthielt. Die Titelaufnahmen folgen jetzt RAK-WB (S. XII), ohne daß man sagen könnte ob das gegenüber der früheren 'Orientierung' an RAK-WB zu größerer Regelwerkstreue führt. Stichproben an derselben Registerstelle wie im Mehrjahresband ergaben dieselben Mängel. Von den in der Benutzungsanleitung des Bandes 1985/89 erwähnten, bei der Senatsbibliothek geführten Datenbank, in der zusätzlich zur gedruckten Ausgabe u.a. auch biographische Daten gespeichert sind (S. XIII), ist im Band 1990 nicht mehr die Rede.

Mit der Änderung der Erscheinungsweise verbindet sich die Hoffnung nach einer Aufholung des unangemessen großen Berichtsverzugs der ansonsten eindrucksvollen Landes- und künftig zugleich Hauptstadtbibliographie, die womöglich eines nicht fernen Tages zu einer Berlin-Brandenburgischen Bibliographie[5] werden wird.

sh


[1]
Berlin-Bibliographie / in der Senatsbibliothek bearbeitet von ... - Berlin : de Gruyter. - 24 cm. - (Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin ; ... = Bibliographien ; ...)
[Grundwerk] bis 1960. - 1965. - XXXI, 1012 S. - (... ; 15 = ... ; 1)
1961/66. - 1973. - XXXIII, 406 S. - (... ; 43 = ... ; 4)
1967/77. - 1984. - XXII, 893 S. - (... ; 58 = ... ; 5)
1978/84. - 1987. - XX, 1121 S. - (... ; 69 = ... ; 6)
Die Anzeige von Bd. 1967/77 (1984) ist versehentlich in der Berlin-Bibliographie 1978/84 (1987) unterblieben. (zurück)
[2]
Vgl. ABUN in ZfBB 26 (1979),4, S. 333 - 335. (zurück)
[3]
Die Einbeziehung der Berliner Stadtbibliothek ist auch deswegen auf weitere Sicht unerläßlich, als sie ab 1995 alleinige Empfängerin der Berliner Pflichtexemplare ist. Vgl. Erstes Berliner Pflichtexemplargesetz / Gabriele Beger. // In: Bibliotheksdienst. - 29 (1995),1, S. 82 - 85. (zurück)
[4]
Sie erschien seit 1 (1956) mit mehreren Titeländerungen und hat mit 34 (1989) unter dem wieder aufgenommenen Titel Berlin in Buch und Zeitschrift ihr Erscheinen eingestellt. (zurück)
[5]
Vgl. IFB 95-1-138 Brandenburgische Bibliographie. (zurück)

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