Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 9(2001) 2
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Hauptwerke der Soziologie


01-2-388
Hauptwerke der Soziologie / hrsg. von Dirk Kaesler und Ludgera Vogt. - Stuttgart : Kröner, 2000. - XVIII, 501 S. ; 18 cm. - (Kröners Taschenausgabe ; 396). - ISBN 3-520-39601-7 : DM 49.80
[6281]
01-2-389
Schlüsselwerke der Soziologie / Sven Papcke ; Georg W. Oesterdiekhoff (Hrsg.). - 1. Aufl. - Wiesbaden : Westdeutscher Verlag, 2001. - XII, 547 S. ; 23 cm. - ISBN 3-531-13235-0 : DM 74.00
[6510]
01-2-390
Lexikon der soziologischen Werke / Georg W. Oesterdiekhoff (Hrsg.). - 1. Aufl. - Wiesbaden : Westdeutscher Verlag, 2001. - 759 S. ; 25 cm. - ISBN 3-531-13255-5 : DM 98.00
[6485]

Daß im Jahr 2001 in kurzer Folge gleich drei Nachschlagewerke erschienen sind, in denen Fachvertreter "Klassiker" der Soziologie und deren Werke in verschiedenem Umfang und verschiedener Auswahl vorstellen, läßt auch einen Rückschluß auf die Verfaßtheit des Faches zu.

Der Kröner-Verlag hat außer seinen Hauptwerken der Soziologie weitere Titel im Programm, in denen sogenannte Klassiker eines bestimmten Faches vorgestellt werden,[1] um den Zugang zur Geschichte der jeweiligen Disziplin anhand ihrer wichtigsten Veröffentlichungen zu ermöglichen. Dieses anregende Verfahren bietet er jetzt auch für die Soziologie an. Der Herausgeber, Dirk Kaesler, hat in einem anderen Verlag bereits ähnliche Veröffentlichungen zur Geschichte der Soziologie vorgelegt.[2] Als Beiträger konnte er größtenteils namhafte Vertreter der deutschen Soziologie gewinnen.

Nach dem Vorwort und einer Liste der Beiträger folgt der Hauptteil mit 477 S., danach ein nach Ländern geordnetes chronologisches Werkverzeichnis (25 S.), ein Titelregister (5 S.) und ein Sachregister (13 S.). Aufgenommen sind 107 Artikel zu "Hauptwerken" der Soziologie, die nach Autoren geordnet auf durchschnittlich fünf Seiten dargestellt werden. Die Artikel enthalten i.d.R. Informationen zum Autor, zum Entstehungszusammenhang, ein Inhaltsreferat, Bemerkungen zur Wirkungsgeschichte und eine Einschätzung der Relevanz des Werkes aus heutiger Sicht. Am Anfang werden jeweils die bibliographischen Daten der Erstausgabe aufgeführt, am Ende Literaturangaben zu den deutschen Ausgaben und zur Sekundärliteratur. Ein Blick in das Werkverzeichnis zeigt eine zeitlich gleichmäßige Verteilung bis nahe an die Gegenwart heran mit Schwerpunkt bei Werken aus den USA und Deutschland. Werke aus der Dritten Welt sind nicht berücksichtigt worden.

Die Beiträge sind nicht im Fachjargon abgefaßt, weswegen neben Soziologen durchaus auch sonstige Interessenten als Zielgruppe in Frage kommen. Natürlich ergibt sich durch die Lektüre kein ganzheitliches Bild der Entwicklung der Soziologie: der Vorteil dieser Konzeption liegt darin, daß lediglich die wichtigsten Bücher, welche die theoretische Diskussion des Faches angestoßen haben behandelt werden. Es ist anregend, sich einmal von dieser Seite dem Fach zu nähern. Wer sich gerne "querbeet" über Stichwörter den Inhalten nähern möchte, dem steht mit dem Sachregister ein ausreichendes Instrument zur Verfügung.

Die Hauptwerke der Soziologie sind zwar das am wenigsten umfangreiche der drei Werke, bieten aber einen gut erarbeiteten und gut erschlossenen Inhalt. Auch die Verarbeitung des Buches ist gut, so daß sowohl wissenschaftliche als auch (und gerade) öffentliche Bibliotheken zugreifen sollten.

Jürgen Plieninger

Die Schlüsselwerke der Soziologie[3] stellen ein gut konzipiertes, ausgewogenes Nachschlagewerk dar. Der erste Herausgeber, Sven Papcke, ist in der Profession gut bekannt, ebenso viele der rund 150 Beiträger. Der Band vereint auf 537 Seiten 202 Artikel über die "soziologischen Klassiker". Auf das Vorwort folgt das Mitarbeiterverzeichnis (nur Name und Ort), am Schluß steht ein Titelregister mit Namen der Autoren und ein Mitarbeiter-Werke-Register (es wäre sinnvoller gewesen, dieses in das Verzeichnis der Beiträger am Anfang zu integrieren).

Die durchschnittlich knapp drei Seiten langen gezeichneten Artikel sind nach den Namen der Autoren der behandelten Werke geordnet und nach einem gleichbleibenden Schema aufgebaut: Autorenname mit Lebensdaten, der deutsche Titel des Werkes, Angaben zur Erstausgabe, zur deutschen Erstausgabe und zu der Ausgabe, die für die Werkanalyse verwendet wurde. Die Beiträge sind von gleichbleibend hoher Qualität, wenden viel Mühe auf das Inhaltsreferat, erläutern die Bedeutung des Werkes und stellen die Wirkungsgeschichte in angemessenem Umfang dar. Die Literaturangaben, die sowohl weitere Werke des Autors als auch Sekundärliteratur nennen, sind gut ausgewählt und umfangreicher als in den Hauptwerken der Soziologie.

Die besprochenen Werke stammen vorwiegend aus dem Kernbereich der soziologischen Theorie, doch werden auch Werke aus der Politikwissenschaft, der Wirtschaftswissenschaft und der Ethnologie besprochen. Der Zeitraum der besprochenen Werke reicht bis zur Gegenwart, das jüngste besprochene Werk ist Schulzes Erlebnisgesellschaft, das vor fünf Jahren Furore gemacht hat.

Die Erschließung hingegen ist vernachlässigt worden. Das beginnt bei den Mitautoren, die beim Werk selbst zwar aufgeführt, aber sonst weder genannt noch im Titelregister berücksichtigt sind. Damit ist ihr Anteil so gut wie verloren. Ebenso fehlt ein Sachregister, das die Inhalte quer zur Werkstruktur erschließen könnte. - Insgesamt macht dieses Werk inhaltlich einen ausgewogenen Eindruck, die mangelhafte Erschließung fällt weniger ins Gewicht.

Die Schlüsselwerke der Soziologie bieten fast doppelt so viele "Klassiker" wie die Hauptwerke, dazu in etwas umfangreicheren, aber qualitativ vergleichbaren Artikeln. Die Erschließung und Verarbeitung sind dagegen etwas schlechter, was jedoch kein Grund für eine Kaufenthaltung seitens der Bibliotheken sein kann.

Jürgen Plieninger

Das Lexikon der soziologischen Werke ist wieder einmal ein Unternehmen, für das im Vorwort (S. 9) quasi der Status eines "Projektes der gesamten Profession" reklamiert wird. Ein Blick auf das Mitarbeiterverzeichnis (nur Name, ohne weitere Angaben) am Ende des Bandes zeigt: Es sind zwar nicht "alle", die sich an diesem Projekt beteiligt haben, aber doch etliche mit bekanntem Namen, wie z.B. Bernhard Schäfers oder Erwin K. Scheuch. Die Menge der Information ist eindrucksvoll: Auf 760 Seiten mit der kleinen Schrifttype werden ca. 750 soziologische Werke von 174 Beiträgern vorgestellt. Die Länge der Artikel differiert zwischen einer halben und anderthalb Seiten, im Durchschnitt umfassen die Beiträge knapp eine Seite.

Der Artikelkopf nennt die Autorennamen (samt Lebensdaten) und den Titel des Werkes, i.d.R. der der deutschen Ausgabe. Der Text selbst enthält nur selten Hervorhebungen durch Kursivschrift aber Verweisungen. Die Literaturangaben nennen die Erstausgaben des Originals und der deutschen Übersetzung, die verwendete Ausgabe sowie die Sekundärliteratur.

Auffallend ist, daß die Nachbarwissenschaften breit berücksichtigt wurden, insbesondere ethnologische Werke, aber auch Standardwerke der Politologie, Geschichte, Pädagogik, Wirtschaftswissenschaften und des Marxismus. Trotz des großen Umfanges vermißt man natürlich etliche unverzichtbare Werke und Autoren, z.B. Rainer M. Lepsius, Renate Mayntz und Stein Rokkan. Auch Herausgeberwerke sind nicht berücksichtigt.[4]

Die Artikel sind von unterschiedlicher Güte. Manche erschöpfen sich im Inhaltsreferat, andere bieten zusätzlich eine kritische Würdigung oder eine Geschichte der Wirkung. Nur wenige Werke werden verrissen, wie z.B. Ulrich Becks Die Risikogesellschaft durch Erwin K. Scheuch. Die Auswahl der Literaturangaben am Ende scheint etwas beliebig: manchmal werden noch andere Werke des besprochenen Autors aufgeführt, manchmal auch Werke vor dem besprochenen Werk. Hätte man sich nur auf Sekundärliteratur beschränkt, wäre die Funktion dieser Literaturauswahl eindeutiger gewesen.

Für die Erschließung des Bandes wird auf den ersten Blick viel getan. Am Ende des Buches finden sich ein Autoren-Werke-Register (mit Angabe des Artikel-Verfassers) und ein Titel-Register (mit Angabe des Autors). Leider weisen beide Register Mängel auf: ersteres stellt nichts anderes als ein Inhaltsverzeichnis dar, da nur der erste Autor eines Werkes berücksichtigt wird und Mitverfasser sich also nicht ermitteln lassen; letzteres bietet einen Zugriff zumeist nur auf den deutschsprachigen Titel, während die Originaltitel auf Grund fehlender Verweisungen gleichfalls nicht auffindbar sind. Dem setzt der Herausgeber vollends die Krone auf, indem er im Vorwort (S. 9) behauptet, dieses Register biete eine Schlagwortrecherche. Somit weist dieses Werk, dessen thematische Breite zu begeistern vermag, sowohl inhaltliche Schwächen als auch Mängel bei der Erschließung auf.

Das Lexikon der soziologischen Werke ist insgesamt äußerst anregend und in seiner breiten Auswahl trotz einiger weniger Lücken befriedigend. Allerdings differiert die Qualität der Artikel doch erheblich, die Wirkungsgeschichte ist manchmal gar nicht behandelt und die Literaturangaben nicht so gut ausgewählt wie bei den beiden anderen Werken. Dennoch erfüllt das Lexikon seine Funktion, die Leser an die besprochenen Bücher heranzuführen und diese zu "einer berechenbaren Größe" (Vorwort, S. 7) zu machen, sehr gut. Der Band mit seinem angemessenen Preis kann uneingeschränkt für öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken empfohlen werden, doch sei diesen geraten, wegen der schwachen Klebebindung den Band gleich nach dem Kauf neu binden zu lassen, um eine längere Nutzung zu gewährleisten.

Jürgen Plieninger


[1]
Zuletzt: Hauptwerke der politischen Theorie / hrsg. von Theo Stammen ... - Stuttgart : Kröner, 1997. - X, 573 S. ; 18 cm. - (Kröners Taschenausgabe ; 379). - ISBN 3-520-37901-5 : DM 39.00 [4421]. - Rez.: IFB 98-1/2-138. (zurück)
[2]
Klassiker des soziologischen Denkens / hrsg. von Dirk Kaesler. - München : Beck. - Bd. 1. Von Comte bis Durkheim. - 1. Aufl. - 1976. - 532 S. - Bd. 2. Von Weber bis Mannheim. 1. Aufl. - 1978. - 594 S. - Dann wieder als: Klassiker der Soziologie / hrsg. von Dirk Kaesler. - München : Beck. - (Beck'sche Reihe ; ...) - Bd. 1. Von Auguste Comte bis Norbert Elias. - 2., durchges. Aufl. - 2000. - 359 S. - (... ; 1288). - Bd. 2. Von Talcott Parsons bis Pierre Bourdieu. 2., durchges. Aufl. - 2000. - 276 S. - (... ; 1289). (zurück)
[3]
Das Werk war in einer Verlagsvorschau ursprünglich als Soziologische Hauptwerke / Sven Papcke und Georg W. Oesterdiekhoff (Hrsg.). - 1999. - Ca. 550 S. - ISBN 3-531-13235-0 : ca. DM 48.00 angekündigt. (zurück)
[4]
Z.B. Theorien des sozialen Wandels / hrsg. von Wolfgang Zapf. - 4. Aufl. - Königstein/Ts. : Athenaeum, 1979. - 534 S. : graph. Darst. - (Neue wissenschaftliche Bibliothek ; 31 : Soziologie). (zurück)

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