Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 9(2001) 1
[ Bestand im SWB ]

Qualitative Forschung


01-1-114
Qualitative Forschung : ein Handbuch / Uwe Flick ... (Hg.). - Orig.-Ausg. - Reinbek : Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, 2000. - 768 S. : graph. Darst. ; 19 cm. - (Rowohlts Enzyklopädie ; 55628). - ISBN 3-499-55628-6 : DM 39.90
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Empirische Sozialforschung ist, ganz gleich, ob man sie als quantitative oder als qualitative Sozialforschung betreibt, stets eine methodologisch anspruchsvolle Angelegenheit. Während es jedoch für die quantitative Richtung viele Lehr- und Handbücher gibt, dominieren in der qualitativen Sparte die einführenden Lehrbücher. Ein regelrechtes Handbuch - herausgegeben von zwei der vier Mitherausgeber des vorliegenden Bandes - erschien zuletzt 1991,[1] doch unterscheiden sich beide nach ihrer Konzeption.

Die Herausgeber sind einschlägig ausgewiesen und viele der achtundvierzig Beiträger gleichfalls mit einschlägigen Veröffentlichungen hervorgetreten. Sie stammen mit wenigen Ausnahmen aus dem deutschen Sprachraum.

Das Handbuch ist in fünf, jeweils mit einer Einleitung versehene Teile gegliedert: Nach der Einleitung in das Gesamtwerk (17 S.) werden zunächst in der Rubrik Wie qualitative Forschung gemacht wird - paradigmatische Forschungsstile (76 S., 7 Beiträge) die "Klassiker" dieser Forschungsrichtung und ihre Arbeitsweisen vorgestellt (u.a. Strauss, Garfinkle, Goffmann, Geertz). Im Teil Theorie qualitativer Forschung (145 S., 12 Beiträge) werden verschiedene Zugänge dargestellt, z.B. phänomenologische Lebensweltanalyse, Ethnomethodologie, Symbolischer Interaktionismus, Biographieforschung, Generationsforschung, sozialwissenschaftliche Hermeneutik, Genderforschung u.a. Unter der Überschrift Methodologie qualitativer Forschung (81 S., 7 Beiträge) findet man sodann Abhandlungen zum Forschungsprozeß, u.a. Hypothesenformulierung, Forschungsdesign, Auswahlverfahren; der Beitrag Qualitative und quantitative Methoden: kein Gegensatz befaßt sich zudem mit der Methodenintegration, der Aufhebung des künstlichen Gegensatzes der beiden Stränge der Sozialforschung. Der Teil Qualitative Methoden und Forschungspraxis nimmt mit 251 S. (22 Beiträge) den meisten Raum ein und bietet Artikel zu einzelnen Problemen und Vorgehensweisen bei Erhebung und Analyse. Der letzte Teil Qualitative Forschung im Kontext (65 S.) bietet 6 Beiträge zu Fragen wie Ethik, Verwendung, Lehre, Perspektiven u.a. Zum Abschluß findet man einen Serviceteil (18 S.): Lehr- und Handbücher, Zeitschriften, Buchreihen, "klassische Literatur", Internetquellen, Software und Lehre und Fortbildungsmöglichkeiten werden knapp und informativ aufgezählt. Der Anhang enthält ein umfangreiches Literaturverzeichnis (79 S.), ein Autorenverzeichnis (4 S.) und ein Personen- (4 S.) und Sachregister (8 S.).

Die Beiträge beginnen jeweils mit einer Zusammenfassung der Gliederung, sind nur mäßig untergliedert bzw. mit graphischen Darstellungen versehen, manchmal finden sich Hervorhebungen und Verweisungen, am Schluß werden nur einige Literaturangaben als "weiterführende Literatur" angeboten, während man ansonsten auf das Literaturverzeichnis am Schluß des Bandes greifen muß. Die Beiträge haben somit den Charakter einer wissenschaftlichen Abhandlung des jeweiligen Themas, so daß man auf etwas mehr als zehn Seiten erfährt, wo Stärken und Schwächen des jeweiligen Ansatzes bzw. Vorgehens liegen. Für den schnellen Zugriff auf spezielle Themen sind die Register bestens geeignet.

Alles in allem liegt hier ein inhaltlich sehr breit angelegtes Handbuch vor. Methoden und Ansätze sind interdisziplinär behandelt, u.a. sind Psychologie, Soziologie, Ethnologie, Pädagogik vertreten. Im Vorwort werden als Zielgruppen Studierende und Lehrende genannt, deren Bedürfnissen hier wirklich exzellent entsprochen wird. Ideal dürfte das Werk als Begleitlektüre zu einem Lehrbuch der Sozialforschung bzw. der qualitativen Sozialforschung sein. Zumindest in wissenschaftlichen Bibliotheken mit sozialwissenschaftlichen Beständen sollte dieses Werk nicht fehlen.

Jürgen Plieninger


[1]
Handbuch qualitative Sozialforschung : Grundlagen, Konzepte, Methoden und Anwendungen / hrsg. von Uwe Flick ... - München : Psychologie-Verl.-Union, 1991. - ISBN 3-621-27105-8. - Eine seitengleiche 2. Aufl. erschien 1995 im Beltz-Verlag, Weinheim. (zurück)

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