Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 8(2000) 1/4
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Bibliographia Kepleriana


00-1/4-435
Bibliographia Kepleriana : Verzeichnis der gedruckten Schriften von und über Johannes Kepler / [Max Caspar]. Im Auftr. der Kepler-Kommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. - München : Beck. - 31 cm
[5125]
Erg.-Bd. zur 2. Aufl. / besorgt von Jürgen Hamel. - 1998. - XLIII, 192 S. - ISBN 3-406-01687-1 (Ln.) : DM 138.00 - ISBN 3-406-01689-8 (brosch.) : DM 118.00

Es gibt eine ganz Reihe von Personalbibliographien, bei denen der Name des Verfassers als Kürzel dient und jedermann weiß, welchem Autor sie gilt: für Kepler lautet das Kürzel seit 1936, als die erste Auflage[1] erschien, Caspar und das hat sich auch nicht geändert, als Martha List 1968 eine zweite Auflage vorlegte,[2] die sinnvollerweise die von Caspar vergebenen Nummern für die Kepler-Drucke beibehielt und neu entdeckte Drucke mittels Anhängebuchstaben in die etablierte Nummernfolge einschob. Diese Praxis befolgt auch der hier zu besprechende Ergänzungsband und selbst wenn der Name von Max Caspar als Begründer nicht mehr auf dem Titelblatt genannt ist, wird man auch diesen Band weiterhin als Caspar zitieren und ihn mit dem Zusatz Erg.-Bd. vom Grundwerk unterscheiden. Der Band besteht aus drei Teilen:

1. Die gedruckten Schriften Johannes Keplers bis zum Erscheinen des "Somnium" 1634 mit einem kurzen Anhang Handschriftliche Widmungstexte aus Werken (S. 1 - 52). Die Numerierung ist, wie bereits gesagt, die von Caspar eingeführte. Die seit der 2. Aufl. der Bibliographia Kepleriana neu entdeckten, bis dahin unbekannten 14 Drucke kleiner Gelegenheitsschriften sind mit Anhägebuchstaben eingefügt. So gering dieser Zuwachs erscheinen mag, so ist das neue Verzeichnis um Welten von dem der 2. Aufl. entfernt, da es erstmals das Ergebnis einer totalen Neuerhebung der Bibliotheksbestände mitteilt, die nicht nur zusätzliche Bibliotheken in allen Kontinenten einschließt, sondern vor allem die noch in der 2. Aufl. nur unzureichend berücksichtigten Kriegsverluste dokumentiert. Insgesamt wurden 482 Bibliotheken in 34 Ländern besucht oder befragt, wobei die deutschsprachigen Länder mit 168 (Deutschland 113, Österreich 43, Schweiz 12) an der Spitze liegen, gefolgt von Italien (63), Großbritannien (47), Frankreich (46), den USA (45) und Polen (31). Diese Zahlen lassen sich drei Statistiken (S. X - XIII) aus der Einleitung entnehmen, die zusätzlich eine Rangliste einzelner Kepler-Werke nach der Zahl der nachgewiesenen Exemplare enthält (die Spitze halten die Tabulae Rudolphinae, 1627 mit 230, gefolgt von Ad Vitellionem paralipomena, 1604 mit 209 Exemplaren; weitere zehn Werke bringen es auf eine Zahl zwischen 100 und 199). Die berücksichtigten Bibliotheken sind in einem vorangestellten Bibliotheksverzeichnis (S. XVII - XLIII) mit ihrer Anschrift und den dort verwahrten Drucken (zitiert mit der Caspar-Nummer) im Ortsalphabet nachgewiesen. Eine Durchsicht der Bestände ergibt die nachstehende Rangfolge: Mit weitem Abstand an der Spitze liegt die Württembergische Landesbibliothek, Stuttgart mit 63 Drucken und weiteren 41 Zweit-, Dritt- und Vierfachexemplaren.[3] Bei der folgenden Übersicht über Bibliotheken mit 30 und mehr Exemplaren ist zunächst die Gesamtzahl genannt, die mit Asteriskus markierte Zahl gibt die Verluste an und die in Klammern die Zahl der Mehrfachexemplare und der entsprechenden Verluste:

Württembergische Landesbibliothek, Stuttgart: 63, *3, (41, *1)

Bayerische Staatsbibliothek, München: 43, *2 (9)

Harvard University Library, Cambridge, Mass.: 42 (8)

Staatsbibliothek zu Berlin: 37, *33 (9, *8)

British Library, London: 36 (7)

Universitätsbibliothek, Tübingen: 36 (1)

Herzog-August-Bibliothek, Wolfenbüttel: 34 (14)

Bibliothèque Nationale de France, Paris: 33 (18)

Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek, Göttingen: 31, *1, (12)

Sächsische Landesbibliothek, Dresden: 31, *4, (10, *3)

Universitätsbibliothek, Königsberg: *31[4]

Staats- und Universitätsbibliothek, Hamburg: 30, *27, (3, *3)

Weiter Bibliotheken mit umfangreichen Beständen, die entweder völlig oder zum großen Teil als Kriegsverlust zu gelten haben sind: Staats- und Universitätsbibliothek, Bremen; Universitätsbibliothek, Gießen; Leipziger Städtische Bibliotheken; Universitätsbibliothek, München; Stadtbibliothek, Nürnberg; Universitätsbibliothek, Würzburg; Christian-Weise-Bibliothek, Zittau.

2. Spätere Ausgaben, Veröffentlichungen aus dem Nachlaß, Briefe und Übersetzungen ab 1635 (S. 53 - 65), chronologisch geordnet.

3. Sekundärliteratur zu Johannes Kepler (S. 67 - 157) mit Nachträgen zum Grundwerk, hauptsächlich aber mit Titeln aus dem Berichtszeitraum 1968 - 1996. Sie sind chronologisch aufgeführt und ordnen innerhalb desselben Jahres im Verfasseralphabet. Leider ist die Sekundärliteratur in keiner Weise sachlich erschlossen. Auch scheint das Verzeichnis keineswegs vollständig zu sein.[5]

Die Register seien nur aufgeführt: 1. Provenienzenregister der im 1. Teil angeführten Werke Keplers (S. 159 - 179) nach Personen (mit knappen biographische Informationen) und Institutionen; 2. Alphabetisches Verzeichnis der Werke Keplers nach Titel und Initien (S. 180 - 182); 3. Register der Druck- bzw. Verlagsorte der Werke Keplers (S. 182); 4. Autorenregister zum 2. und 3. Teil (S. 185 - 192).

Der Caspar hat mit dem Ergänzungsband ganz wesentlich an Nutzen gewonnen, was primär dem Teil 1 zu verdanken ist. Die Bibliographie der Sekundärliteratur ist dagegen wegen der fehlenden Sacherschließung und der partiellen Unvollständigkeit der schwächere Teil dieser Standardbibliographie.

Klaus Schreiber


[1]
Bibliographia Kepleriana : ein Führer durch das gedruckte Schrifttum von Johannes Kepler / im Auftr. der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ... hrsg. von Max Caspar. - München : Beck, 1936. - 158 S. : Ill. (zurück)
[2]
Bibliographia Kepleriana : ein Führer durch das gedruckte Schrifttum von Johannes Kepler / im Auftr. der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ... hrsg. von Max Caspar. - 2. Aufl. / besorgt von Martha List. - München : Beck, 1968. - XIV, 86 S. : Ill. (zurück)
[3]
Diese herausragende Stellung verdankt sie nicht nur der Nähe zu Keplers Geburtsort (Weil der Stadt) und dem daran geknüpften besonderen Sammelauftrag, sondern nicht zuletzt der Sammelleidenschaft des langjährigen Leiters ihrer Abteilung Alte und Wertvolle Drucke, Peter Amelung, dem es gelang, 1992 eine bedeutende Zahl von Keplerdrucken aus dem Nachlaß von Max Caspar zu erwerben.
Auch der sehr ansehnliche Kepler-Bestand der Universitäsbibliothek Tübingen ist wohl der Nähe zum Geburtsort ebenso zu danken, wie dem Wirken des Bibliothekars und Kepler-Forschers Friedrich Seck. (zurück)
[4]
Mit dem Hinweis: Verbleib unbekannt. (zurück)
[5]
Die folgende Bibliographie ist wegen ihres zu eng gefaßten Titels, der es verhindert, daß sie von Nicht-Germanisten beachtet wird, immer wieder für Überraschungen gut. So enthält Bd. 16 auf S. 383 - 415 eine titelreiche Kepler-Bibliographie mit etwas über 900 Titeln der Erscheinungsjahre 1945 - 1990; ein kurzer Stichprobenvergleich brachte auf Anhieb mehrere Titel aus der Berichtszeit des Ergänzungsbandes zur Bibliographia Kepleriana zutage, die in diesem fehlen.
Quellenlexikon zur deutschen Literaturgeschichte : Personal- und - Einzelwerkbibliographien der internationalen Sekundärliteratur 1945 - 1990 zur deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart = Bibliography of studies on German literary history / Heiner Schmidt. Bibliographische Mitarb. von Günter Albrecht ... - 3. überarb., wesentlich erw. und auf den neuesten Stand gebrachte Aufl. - Duisburg : Verlag für Pädagogische Dokumentation. - 25 cm. - Bis 2. Aufl. u.d.T.: Quellenlexikon der Interpretationen und Textanalysen [2288] [6014]. - Bd. 16. Kan - Kir. - 1998. - 512 S. - ISBN 3-930551-16-0 : DM 228.00. (zurück)

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