Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 8(2000) 1/4
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Modern Germany


00-1/4-391
Modern Germany : an encyclopedia of history, people, and culture, 1871 - 1990 / ed. Dieter K. Buse ; Juergen C. Doerr. - New York ; London : Garland, 1998. - Vol. 1 - 2. - LII, 1158 S. : Ill. ; 29 cm. - (Garland reference library of the humanities ; 1520). - ISBN 0-8153-0503-6 : $ 195.00
[5769]

Im Abstand von nur zwei Jahren erschienen zwei englischsprachige Lexika zur deutschen Geschichte und Kultur des ausgehenden 19. und des 20. Jahrhunderts: zuerst 1998 das hier besprochene, umfangreichere, aus dem Verlag Garland und 1999 die weiter unten (IFB 00-1/4-394) vorgestellte Encyclopedia of contemporary German culture aus dem Verlag Routledge. Beide überschneiden sich zwar in Teilbereichen, ergänzen sich aber primär, da letztere sich auf die Zeit nach 1945 beschränkt und dazu Personen und Gegenstände der Gegenwart besonders betont, während Modern Germany die Epoche von der Reichsgründung bis zur deutschen Vereinigung behandelt.

Das Aufgebot an Mitarbeitern ist beachtlich. Unter Leitung der beiden an kanadischen Universitäten lehrenden Herausgeber und einem internationalen Beratergremium von 19, gleichfalls an Universitäten bzw. Forschungsinstituten tätigen Fachleuten, wurden für die Abfassung der ca. 1300 gezeichneten Artikel ca. 400 Autoren (beide Zahlen aus der Einleitung, S. VIII) gewonnen, deren Namen und Wirkungsstätte auf S. XXXIX - XLIX aufgeführt sind. Die überwiegende Zahl stammt aus anglophonen Ländern (etwa in der Reihenfolge USA, Kanada, Großbritannien, aber auch Australien ist vertreten), dazu eine gehörige Zahl von deutschen oder in Deutschland wirkenden Fachleuten. Leider sind in diesem Verzeichnis nicht die von ihnen beigesteuerten Artikel aufgeführt; auf diese Weise hätte man die Versicherung der Einleitung, es handle sich allesamt um Fachleute, die durch einschlägige Publikationen ausgewiesen sind, leichter nachprüfen können.

Die in der erstaunlich kurzen Zeit von 1992 - 1995 verfaßten Artikel behandeln die im Zusatz zum Sachtitel genannten Bereiche, wobei der Schwerpunkt im Gegensatz zur Encyclopedia durchaus im Bereich der Geschichte (i.w.S.) liegt, ohne die exzessiv erscheinende Berücksichtigung von Schriftstellern in letzterer (diese nennt unter der Rubrik writers 256 Namen nur für das letzte halbe Jahrhundert, während es hier für mehr als die doppelte Zeitspanne nur 86 sind). Berücksichtigt sind auch die in der Encyclopedia ausgesparten Bereiche Naturwissenschaften, Technik und Medizin. Der Subject guide (S. IX - XXIV) ermöglicht einen raschen Überblick über die Artikel, die hier unter Oberbegriffen subsumiert sind. Einige seien aufgeführt (in Klammern die Zahl der subsumierten Artikel), um die Breite des Angebots zu demonstrieren: Aeronautics (14), Anarchism and anarchists (9), Archaeology (2), Aristocracy (11), Banking and bankers (13), Bourgeoisie (10), Colonies and Empire (8), Ecology and environmental movement (7), Feminism and feminists (19), Holocaust (27), Industrial firms and industrialists (50), Industrialization and economic conditions (28), Law and lawyers (11), Leisure (17), Media (14), Military and military figures (63), Minorities (6), National identification (10[1]), Pacifism (4), Professions (30), Protestantism and protestants (16), Race and racism (12), Roman catholics and catholic political figures (32), Social conditions and trends (47), Students (6), Trade unions and unionists (18), Urban development (6), 'Völkisch' ideas and movement (17), Women and women's movements (53), Workers and working class (25), Youth and youth movements (6). Bewußt nicht aufgeführt wurden die Rubriken für die einzelnen Künste, Wissenschaften sowie für die Epochen der deutschen Geschichte, die Parteien und politischen Richtungen, allesamt mit langen Listen von Artikeln. Selbstverständlich enthalten alle Rubriken Mehrfachnennungen. Das Blättern in diesen Listen macht Lust darauf, verwandte Artikel im Zusammenhang zu lesen.

Im Gegensatz zur Encyclopedia mit ihren sehr zahlreichen ganz kurzen Artikel (insbesondere solche über Personen) unterschreiten die des vorliegenden Lexikons nur ausnahmsweise die Länge einer Spalte und vermeiden andererseits exzessiven Umfang. Zentrale Themen werden in zahlreiche Teilartikel zerlegt (auf German Democratic Republic folgen 21 wiederum alphabetisch geordnete Abschnitte von Arts and politics bis Women). Alle Artikel schließen mit Hinweisen auf Artikel verwandter oder ergänzender Thematik sowie mit ausgewählten deutsch- und englischsprachigen Literaturhinweisen, überwiegend Monographien. Die Schwarzweiß-Illustrationen haben eher auflockernden Charakter und sind - von Porträtphotos abgesehen - nicht immer charakteristisch.[2] - Das Register am Schluß von Bd. 2 enthält Eintragungen unter den Artikeln (Seitenangaben durch Fettdruck markiert) sowie unter Begriffen und Namen, die im Text der Artikel begegnen; dazu die Namen der Mitarbeiter (leider typographisch nicht markiert), jedoch auch hier nicht mit der Aufführung der Artikel, sondern nur mit der Seite.

Im Gegensatz zu der weiter unten besprochenen Encyclopedia of contemporary German culture sollten Bibliotheken in Deutschland das vorliegenden Lexikon nicht nur erwerben, sondern auch im Informationsapparat aufstellen.

Klaus Schreiber


[1]
Hierunter: Bitburg, Heimat, Historikerstreit, National holidays. (zurück)
[2]
Völlig abwegig ist die Illustration des Artikels Libraries mit einem alten Stich des Bibliothekssaales in Wolfenbüttel und einem Photo des Lesesaals der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar (dazu mit falscher Legende): beides kann ja kaum als repräsentativ für den Bibliotheksbau in Modern Germany herhalten. - Der insgesamt nicht sehr gelungene Artikel, der von einem deutschen Bibliothekar stammt, wurde anscheinend ins Englische übersetzt ohne daß der Übersetzer sachkundig war: nicht nur, daß sich hier - im Gegensatz zu den insgesamt sorgfältig redigierten deutschsprachigen Begriffen des Lexikons - Fehler finden (Titeldrücke, Länderbibliotheken), werden auch englische Formulierungen verwendet, die zeigen, daß der Übersetzer mit der Sache nicht vertraut war: "Berliner title print" (für die Berliner Titeldrücke) oder die Subtilitäten bei der Benennung Der Deutschen Bibliothek mit ihren beiden Teilen in Frankfurt und Leipzig (der in Berlin wird unterschlagen): ihre Aufgabe als Nationalbibliothek wird umständlich wie folgt ausgedrückt: "they collect and maintain the bibliographic registry (Verzeichnung) of literature published since 1913." (zurück)

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