Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 8(2000) 1/4
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Personen-Lexikon der NSDAP


00-1/4-388
Personen-Lexikon der NSDAP / Bernd Diroll. - Norderstedt : Patzwall. - 30 cm
[5764]
Bd. 1. SS-Führer A - B. - 1998. - 451 S. : Ill. - ISBN 3-931533-38-7 : DM 120.00

Der Einführung (S. [5]) ist zu entnehmen, daß der Verfasser eine Gesamterhebung der Mitglieder der NSDAP vorzunehmen beabsichtigt und dabei "nicht nur das Korps der Politischen Leiter ..., sondern natürlich auch die Führer der Gliederungen und ihre angeschlossenen Verbände" berücksichtigen will. Der erste Teil, von dem bisher nur Bd. 1 für den Alphabetabschnitt A - B vorliegt, behandelt "entsprechend der besonderen Bedeutung" die SS; weitere Teile für "die Partei, ... HJ, RAD usw." sind vorgesehen. In Anbetracht der zahlreichen 'Gliederungen' der Partei, von den paramilitärischen Kampfverbänden ganz abgesehen, wären u.a. die NS-Frauenschaft, der NS-Deutsche Studentenbund, die Deutsche Arbeitsfront, der NS-Lehrerbund, der NS-Rechtswahrerbund, der NS-Beamtenbund, der NS-Deutscher Ärztebund etc. zu berücksichtigen, was die Kräfte eines Einzelnen wohl übersteigen dürfte, auch wenn der Verfasser "nur die persönlichen Daten möglichst ausführlich und zuverlässig registrieren", nicht dagegen "das Handeln der aufgeführten Personen ... bewerten" möchte.

Die SS war ein vielgestaltiges Gebilde: die Allgemeine SS, Leute mit einem Zivilberuf, die nur z.T. nach 1933 als SS-Führer hauptberuflich tätig waren; die Polizeikräfte, vielfach schon vor 1933 Polizisten, dann Sicherheitsdienst, KZ-Bewacher u.s.w.; die Waffen-SS, die im Laufe des Krieges zu Armeestärke anwuchs und viele Nicht-Deutsche in ihren Reihen hatte; die Ehren-SS-Führer, die sonst irgendeinen Parteirang hatten. SS-Führer, von denen der erste Band dieses Lexikons 797 verzeichnet, fangen eigentlich erst beim Untersturmführer an, doch sind hier auch niedrigere Ränge dann aufgenommen, wenn sie eine Auszeichnung - Deutsches Kreuz in Gold oder Nahkampfspange - erhalten hatten.

Auf Namen und höchsten erreichten Rang, z.T. mit Porträtphoto illustriert, folgen drei Abschnitte 1. Chronologie der Daten (jedes Datum/Jahr beginnt auf neuer Zeile, was viel unbedrucktes Papier bedingt; die Übersichtlichkeit hätte man auch durch fett gesetzte Daten im fortlaufenden Text erzielen können): Geburtsdatum und -ort,[1] Ausbildung, zivile Berufe,[2] detailliert die Stationen der Laufbahn in Partei (oft mit Angabe der Partei-Nummer) und SS, Tätigkeiten nach 1945, Todesdatum;[3] 2. Auszeichnungen; 3. Schrifttum, gleichfalls chronologisch geordnet, zitiert nur mit Titel und Verfasser, ohne Angabe von Fundstellen; berücksichtigt sind in dieser Rubrik nicht nur Schematismen wie etwa die verschiedenen Ausgaben der Dienstaltersliste der Schutzstaffel der NSDAP oder Nachschlagewerke wie Das deutsche Führerlexikon, sondern auch Sekundärliteratur, und zwar sowohl wissenschaftliche Publikationen als auch "apologetische Literatur der erwähnten Personen und ihrer Traditions- bzw. Kameradschaftsverbände". Daß die benutzten Quellen unterschiedlich reich fließen und glgtl. wohl nur den Namen erwähnen, schlägt sich in der unterschiedlichen Detailliertheit der Angaben nieder; auch die Länge der Eintragungen hat nicht unbedingt etwas mit der Bedeutung der Personen zu tun: bekannte Personen wie Otto Abetz oder Wernher Freiherr von Braun haben eher kurze Artikel und der von Klaus Barbie ist sogar unzureichend kurz, enthält er doch für die Zeit bis 1945 außer dem Geburtsjahr nur eine Eintragung: "1942 Leiter der Gestapo in Lyon (Frankreich)".[4] Neben den schier zahllosen SS-Unter-, SS-Ober-, SS-Haupt- und sonstigen SS-Sturmführern trifft man auch auf unerwartete Eintragungen, sogar den für eine Frau, nämlich die katholische Ordensschwester und SS-Ehren-Oberführerin Elenore Baur (Schwester Pia), der der Spiegel 1981 einen Nachruf widmete. - Das Personenregister besteht lediglich aus der Aufführung der Namen der behandelten Personen, das Sachregister enthält Eintragungen unter Orten, Ämtern, Akronymen, Rangbezeichnungen, Auszeichnungen (Goldenes Parteiabzeichen), nicht zuletzt aber unter Einheiten der SS (8. SS-Kavalerie-Division).

Klaus Schreiber / Heinrich Ihme


[1]
Von den 797 Namen ist nur bei 170 Geburtstag und Geburtsort angegeben, bei 121 fehlt auch der Geburtstag; bei Ausländern ist das immerhin erklärlich. (zurück)
[2]
Die Berufsangabe erfolgt nur bei 106 Namen. 74 haben studiert, aber nur bei 18 Medizinern und 17 Juristen ist die Studienrichtung angegeben, sonst heißt es nur stud.; dasselbe gilt für die Doktoren, bei denen nur in 68 Fällen auch das Fach angegeben ist. (zurück)
[3]
Auch die Todesdaten sind sehr lückenhaft vermerkt, selbst wenn man in Rechnung stellt, daß von den Jüngeren noch viele leben mögen. Vermerkt sind 65 Gefallene oder Vermißte, 117 Gestorbene, 12 Hingerichtete und 4 Suizide. Ohne große Mühe ließen sich noch zwanzig Todesdaten feststellen, etwa für den weiter unten genannten Klaus Barbie (+25.09.1991, Lyon). (zurück)
[4]
Ein paar Einzelbemerkungen und Ergänzungen: Hermann Behme (S. 173) wird am selben Tag befördert und aus der SS und der NSDAP ausgeschlossen: wieso? - Alfred Berndt und Alfred Ingemar Berndt sind offensichtlich identisch. - Hermann Bickler war ein deutschgesinnter Elsässer, der in französischer Zeit eine "Jungmannschaft" gründete und der natürlich die deutsche Herrschaft begrüßte, Kreisleiter in Straßburg wurde und versuchte, den sturen Reichsstatthalter zu bremsen; 1945 von den Franzosen zum Tode verurteilt konnte er rechtzeitig fliehen und lebte bis zu seinem Tode in Oberitalien. (zurück)

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