Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 8(2000) 1/4
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Segler-Lexikon


00-1/4-302
Segler-Lexikon : mit 5500 Stichwörtern / Joachim Schult. - 11., überarb. und erw. Aufl. - Bielefeld : Delius Klasing, 1999. - 797 S. : zahlr. Ill. ; 22 cm. - ISBN 3-7688-1041-0 : DM 49.80
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Joachim Schult, selbst Kapitän sowie Träger der für besondere Leistungen im Hochseesegeln verliehenen Trans-Ocean-Medaille und des Schlimbach-Preises, gehört zu den kompetentesten und versiertesten Segel-Autoren. So weist der aktuelle Katalog des Delius-Klasing-Verlages insgesamt 14 Titel rund um das Segeln von Joachim Schult aus. Darunter befindet sich neben dem Segler-Lexikon auch noch das 1995 erschienene Yacht-Wörterbuch : englisch-deutsch ; deutsch-englisch. Bereits 1993 erschien das - allerdings im aktuellen Verlagskatalog nicht mehr enthaltene - Segler-Wörterbuch : deutsch-englisch ; englisch-deutsch, Deutsch-Französisch / Französisch-Deutsch. Der Hintergrund als preisgekrönter Segler, Fachbuch-Autor und -Lexikograph lassen Joachim Schult als Autor des Segler-Lexikons konkurrenzlos erscheinen. Dies beweist nicht zuletzt auch die Publikationsgeschichte: bereits 1981 wurde die 1. Aufl. des Lexikons von Barbara Webb ins Englische übersetzt und als The sailing dictionary bei Granada Publishing (London/Toronto) publiziert. Die weltweite Verbreitung dieses Buches bestätigt Schults internationale Akzeptanz in den englischsprachigen Ländern. Die 2. Aufl. des Sailing dictionary (bei Sheridan House, Dobbs Ferry, NY) wurde 1992 von Jeremy Howard-Williams betreut, der zu den angesehensten Publizisten im internationalen Segelsport gehört.

Wie kaum ein anderer Fachwortschatz verlangt derjenige der Segler Fachwissen und (auch praktische) Erfahrung auf Seiten des Terminologen und Lexikographen. Da Segelboote die ersten Fahrzeuge und Segelschiffe lange Zeit die einzigen und größten Transportmittel der Menschen waren, konnte sich die Seglersprache über einen sehr langen Zeitraum entwickeln, erweitern und differenzieren. Bereits früh mußte der Segler nicht nur die Terminologie rund um sein Schiff beherrschen, sondern sich auch mit Fachausdrücken aus der Navigation, der Wetterkunde, dem Nachrichtenwesen und dem Schiffahrtsrecht auskennen. Aber auch die Verwendung neuer Baumaterialien sowie die zunehmende Technisierung haben dazu beigetragen, daß die Seglersprache immer mehr Überschneidungen mit anderen, insbesondere den Ingenieurwissenschaften und der Physik zuzuordnenden Sachgebieten aufweist.

Von den ursprünglich 4000 Fachausdrücken in der 1. Auflage ist der Umfang des Segler-Lexikons inzwischen auf 5500 Lemmata angewachsen. Der Zuwachs beruht dabei nicht nur auf Neuaufnahmen aus aktuellen Fachbeiträgen, nautischen Gesetzestexten sowie Bau- und Führerscheinvorschriften, sondern auch auf der Aufnahme von Fachwörtern aus der alten Seemannssprache, die in den ersten Auflagen umfangsbedingt keine Brücksichtigung finden konnten.

Der Lemmabestand selbst erscheint insbesondere im Abgleich mit anderen einschlägigen Wörterbüchern[1] als weitgehend vollständig und lexikographisch sauber gearbeitet. Dies schlägt sich vor allem in dem ausgesprochen sorgfältigen Verweissystem nieder. Das Buch enthält über 50.000 Verweisungen, durch die der Leser vom aufgesuchten Lemma zu anderen Lemmata weitergeleitet wird, die in sachlicher Beziehung zum Ausgangs-Lemma stehen, von ihm abhängen oder es ergänzen. Durch konsequentes Einlassen auf dieses Verweissystem kann sich der Leser über ein nicht auf den ersten Blick erkennbares Netzwerk durch alle Fachgebiete des Segelns führen lassen, neue Kenntnisse erwerben oder vorhandenes Fachwissen vertiefen.

Da jedem Lemma die angloamerikanische Entsprechung beigegeben ist, wird das Segler-Lexikon zusätzlich zu einem deutsch-englischen Fachwörterbuch. Die Übersetzungen schöpfen aus früheren Publikationen des Autors (s.o) und erscheinen auch im Abgleich mit anderen Fachwörterbüchern kompetent. (Allerdings bietet das o.a. Wörterbuch von Doberman in vielen Fällen mehr Übersetzungsvorschläge. Fachübersetzern sei daher empfohlen, Schults Segler-Lexikon nicht als alleinige Quelle zu Rate zu ziehen.)

Die Anordnung der Lemmata erfolgt strikt nach der gegebenen Wortfolge. Wortverbindungen mit Präpositionen sowie Zusammensetzungen aus Substantiven und Adjektiven oder Partizipien werden daher nicht umgestellt.

Kleinere Kritikpunkte, die den Wert des Lexikons allerdings in keiner Weise schmälern, seien nicht verschwiegen:

Bei einigen Lemmata, wie bspw. Frühlingsanfang, Morgendämmerung, Morgengrauen, Interface, hätte der Bezug zum Segeln auch für Laien etwas deutlicher herausgestellt werden können. Welche Bedeutung hat z.B. ausgerechnet der Frühlingsanfang beim Segeln, zumal Sommer-, Herbst- und Winteranfang als Lemmata fehlen? Welche Interfaces sind gerade beim Segeln so wichtig?

Kleinere Rechtschreibefehler, wie z.B. Zentripedalkraft, hätten spätestens bis zur 11. Auflage ausgemerzt werden müssen.

Ein Vergleich der 11. mit der 10. Aufl. des Segler-Lexikons läßt weder im Umfang noch Inhalt Unterschiede erkennen. Es handelt sich also de facto bei der 11. Auflage nicht, wie im Impressum angegeben, um eine "erweiterte und überarbeitete Auflage".

Bibliotheken mit Segelliteratur sei daher die Anschaffung des Segler-Lexikons grundsätzlich empfohlen. Sie können sich die Anschaffung der 11. Auflage allerdings sparen, wenn sie bereits über die 10. Auflage verfügen.

Jürgen Schiffer


[1]
So z.B. mit dem ebenfalls bei Delius Klasing erschienenen Wörterbuch vom Wassersport : englisch-deutsch ; deutsch-englisch / C. Doberman. - 1987. - XV, 874 S. (zurück)

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