Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 8(2000) 1/4
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Harenberg-Chormusikführer


00-1/4-284
Harenberg-Chormusikführer : vom Kammerchor bis zum Oratorium ; [mit CD-Empfehlungen der Fono-Forum-Redaktion] / hrsg. von Hans Gebhard. Geleitwort von John Eliot Gardiner. - Dortmund : Harenberg, 1999. - 1024 S. ; Ill. ; 25 cm + 12 CDs. - ISBN 3-611-00817-6 (Buch) : DM 98.00 - ISBN 3-611-00818-4 (CDs) : DM 149.00
[5716]
00-1/4-285
Oratorienführer / hrsg. von Silke Leopold und Ullrich Scheideler. - Stuttgart ; Weimar : Metzler ; Kassel : Bärenreiter, 2000 [ersch. 1999]. - XIII, 839 S. ; 24 cm. - ISBN 3-476-00977-7 (Metzler) - ISBN 3-7618-2012-7 (Bärenreiter) : DM 78.00
[5785]
00-1/4-286
Reclams Chormusik- und Oratorienführer / von Werner Oehlmann und Alexander Wagner. - 7., völlig neu bearb. Aufl. - Stuttgart : Reclam, 1999. - 627 S. : Notenbeisp. ; 16 cm. - ISBN 3-15-010450-5 : DM 49.80
[5699]

In bewährter Weise - und wie in Rezensionen anderer Harenberg-...Führer vorgeführt[1] - stellt der Harenberg-Chormusikführer Werke für Chor vor, lt. Schutzumschlag 675 Kompositionen von ca. 250 Komponisten mehrstimmiger Vokalmusik einschließlich 800 Fotos von Komponisten und Chören, Notenhandschriften und Dokumenten und 213 Tonbeispielen auf 12 CD's (Spieldauer über 15 Stunden). Anlage wie gewohnt: Inhaltsverzeichnis mit Registerfunktion; nicht gezeichnete, also vermutlich vom Herausgeber stammende Einleitung (sie spricht gelegentlich in der Ich-Form). Hauptteil: Alphabet der Komponisten, die mit Kurzbiographie, Porträt und knappsten Literaturhinweisen vorgestellt werden. Bei umfangreichem Chormusikschaffen tabellarische Übersichten über die Chorwerke, chronologisch innerhalb der systematischen - meist nach der Besetzung - geordneten Gruppen. Die mit dem Hinweis auf das Hörbeispiel (soweit vorhanden) sowie den üblichen Angaben zu Aufbau/Satzfolge, Text, Entstehung, Uraufführung, Besetzung, Verlag, Aufführungsdauer beginnenden Werkbeschreibungen gliedern sich wiederum in die Abschnitte Entstehung, Zur Musik/Handlung, Wirkung und enden mit insgesamt "mehr als 500" (Schutzumschlag) wertenden CD-Empfehlungen der Fachzeitschrift FonoForum. Anhang: 1. guter Abriß zum Gregorianischen Choral - mit Hörbeispiel - von Godehard Joppich; 2. ein ebensolcher zu Volksliedbearbeitungen von Friedhelm Brusniak; 3. Glossar; 4. eine sehr nützliche Zusammenstellung häufig vertonter lateinischer Kirchentexte mit deutscher Übersetzung; 5. Komponisten-Chronologie mit Hinweis auf die Seitenzahl und die Hörbeispiele; 6. alphabetisch nach Komponisten geordnete Übersicht über die auch bereits im Inhaltsverzeichnis angegebenen Hörbeispiele - umgekehrt verweisen die Booklets, für die wieder ein gemeinsames Inhaltsverzeichnis fehlt, auf die Fundstelle im Buch; 7. Werkeregister; 8. Personenregister; 9. Adressen von Chormusik-relevanten Musikverlagen; 10. Autorenverzeichnis mit Kurzbiographien.

Martina Rommel

Da der Oratorienführer, der sich zwar hauptsächlich auf geistliche Chormusik beschränkt, dennoch auch weltliche Werke und überdies nicht nur Oratorien verzeichnet - insgesamt "rund 450 Werke" ("großbesetzte Chorwerke, Oratorien und Messen") "von mehr als 200 Komponisten" (Schutzumschlag) - , ist der Titel irreführend. So finden sich u.a. weltliche Kompositionen von Berlioz (La damnation de Faust), Brahms (Rinaldo, Alt-Rhapsodie, Nänie), Schönberg (Gurre-Lieder), Sibelius (Kullervo), Strauss (Die Tageszeiten), Vaughan Williams (A sea symphony), und schon der erste Blick in das Systematische Register der behandelten Werke fällt auf Gattungen anderer Art: Magnificat, Messe und Meßsätze, Requiem, Stabat mater, Te Deum.

Zwar hielten sich die Herausgeber nicht "streng" an die "Kriterien der Gattungszugehörigkeit" und "versucht[en]", "allen Werken den Weg in dieses Lexikon zu ebnen, die in den vierhundert Jahren Oratoriengeschichte irgendwann einmal als Oratorium gegolten haben oder gelten - nicht nur im Sinne der Gattungs-, sondern auch der Aufführungsgeschichte" (Vorwort S. IX), darunter besonders "Standardwerke, die Laienchöre einstudieren, die in den Konzertsälen gespielt und auf Tonträgern oder im Rundfunk verbreitet werden", "aber auch Werke - vor allem des 18. und 19. Jahrhunderts - ..., die heute zu Unrecht vergessen sind" sowie "des 20. Jahrhunderts" (Schutzumschlag), doch drängt sich die Frage auf, ob bei einer anderen Formulierung des Titels die Auswahl nicht weniger willkürlich erschienen wäre und ob mit dem gegebenen, schlecht gewählten Titel nicht lediglich versucht wurde, das weite Feld der Chormusik auf ein überschaubareres einzuschränken, das dafür vollständiger vorgestellt werden kann.

Hauptteil: Alphabet der Komponisten mit Angabe der Geburts- und Sterbedaten und -orte, wichtiger Stationen des Lebenslaufes, weiterer einschlägiger Werke - auch hier ist die Bezeichnung "weitere Werke" (vor den besprochenen) nicht sehr glücklich, zumal nur solche genannt sind, die unter die Auswahlkriterien des Oratorienführers fallen - sowie des Werkverzeichnisses (ohne Seitenzahlen). Auf die letzte Eintragung unter einem Komponistennamen (Bernd Alois Zimmermann) folgen noch zwei Gemeinschaftskompositionen. Die gezeichneten Werkbeschreibungen sind chronologisch angeordnet. Sie beginnen mit den üblichen allgemeinen Angaben (Text, Besetzung, Dauer, Entstehungszeit, Uraufführung, Quellen, Bearbeitungen und weitere Fassungen, Ausgaben) - für die man sich eine übersichtlichere typographische Gestaltung etwa durch Hervorhebung (wie Fett-/Kursivdruck) der Kategorien gewünscht hätte, wie dies in vergleichbaren Nachschlagewerken allgemein die Regel ist - und enden mit Literaturangaben (selbständig und unselbständig erschienene Literatur, Monographien leider ohne Umfangsangabe). Anhang: 1. wie bei Harenbergs-Chormusikführer nützlicherweise Lateinische Texte mit deutscher Übersetzung; 2. Personen- und Werkregister; 3. Systematisches Register der behandelten Werke (Gattungen und biblische Stoffe); 4. Verzeichnis der Autorinnen und Autoren.

Martina Rommel

Wie alle Reclams ...-Führer, so erscheint auch Reclams Chormusik- und Oratorienführer[2] seit vielen Jahren in veränderten Ausgaben oder auch in (weitgehend) unveränderten Auflagen. Der jetzt vorliegende, als 7., völlig neu bearbeitete Auflage[3] bezeichnete Band nennt erstmals einen zweiten Herausgeber (Alexander Wagner). Als Einleitung ein kurzer Überblick über die Geschichte der Chormusik. Der Hauptteil wie gewohnt in "historisch-chronologische[r]" "Folge", worin "die Werke nach Formtypen geordnet" sind. Es schließen sich Fachworterläuterungen und das Verzeichnis der Komponisten und Werke an. Zwar sind die Gliederung und ganze Textpassagen aus früheren Auflagen (verglichen wurde mit der 5. Aufl. 1987) übernommen, doch wurde der Text stark überarbeitet und zahlreiche Komponisten erstmals berücksichtigt, so daß man künftig primär die 7. völlig neu bearb. Aufl. (die eigentlich die 8. ist) benutzen wird.

Trotz zahlreicher Überschneidungen zwischen allen drei Führern sind die Werke, die in nur einem der Führer vorgestellt werden - selbst im kleinen Reclams Chormusik- und Oratorienführer, der beispielsweise als einziger Werke von Günter Bialas erläutert -, so zahlreich, daß zumindest Musikbibliotheken auf keinen verzichten können.

Martina Rommel


[1]
Oper IFB 96-1-061. - Konzert IFB 96-4-483. - Kammermusik IFB 98-3/4-275. - Klaviermusik IFB 99-1/4-327. (zurück)
[2]
1. Aufl. 1965 u.d.T.: Chormusikführer. - 2., erw. Aufl. 1976 u.d.T.: Reclams Chormusikführer. - Ab 3., erw. Aufl. (1981) u.d.T.: Reclams Chormusik- und Oratorienführer. (zurück)
[3]
Lt. telephonischer Auskunft des Verlages vom 24.07.00 handelt es sich bei der 7. Aufl. 1995 um eine mit der 5. und 6. Aufl. weitgehend identische "technische Zwischenauflage". Es wäre also nur natürlich gewesen, den jetzt erschienenen Band als 8., völlig neu bearb. Aufl. zu bezeichnen. (zurück)

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