Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 8(2000) 1/4
[ Bestand im SWB ]

Richard Genée


00-1/4-276
Richard Genée : eine Bibliographie / Beate Hiltner-Hennenberg. - Frankfurt am Main [u.a.] : Lang, 1998. - 137 S. ; 21 cm. - ISBN 3-631-32030-2 : DM 49.00
[5798]

Um es vorab zu sagen: diese als Bibliographie deklarierte Publikation ist weder eine subjektive noch eine objektive Bibliographie, sondern nur ein Bestandsverzeichnis der in der Musik- und der Theatersammlung der Österreichischen Nationalbibliothek Wien vorhandenen Autographen und "handschriftlichen Abschriften" (!) der Musikdrucke und Textbücher sowie der Musikalien und Tonträger aus dem Besitz des Deutschen Musikarchivs an der Deutschen Bücherei (sic!) Berlin.

Über die Herkunft der verzeichneten Stücke macht Beate Hiltner-Hennenberg, Assistentin an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Wien, keine Angaben. Die allgemein bekannte Definition, was eine Bibliographie von einem Katalog unterscheidet, braucht hier nicht wiederholt zu werden. Das vorliegende Buch enthält weder ein vollständiges Verzeichnis der musikalischen Werke und Texte Genées noch ein Verzeichnis der Veröffentlichungen über Genée, dafür eine relativ breit geratene Darstellung anderer Namensträger der Familie Genée (Bruder Rudolph, Tänzer Alexander und Soubrette Ottilie Genée, deren Verwandtschaftsverhältnis jedoch nicht dargelegt wird), die in diesem Zusammenhang aber ohne Belang ist. Namensabkürzungen werden manchmal aufgelöst, manchmal nicht; ein Abkürzungsverzeichnis fehlt überhaupt. Die Quellen in den Bibliotheksbeständen werden als "Archivalien" bezeichnet.

Genée, der als Librettist der Fledermaus von Johann Strauß, des Boccaccio und der Fatinitza von Suppé und der Gräfin Dubarry von Millöcker bekannt geblieben ist, war u.a. mit Friedrich von Flotow befreundet und hat mit ihm zusammengearbeitet. Von diesen engen Beziehungen ist bei Hiltner-Hennenberg nicht viel zu finden. So fehlt u.a. die große Oper Am Runenstein, die 1868 in Prag aufgeführt wurde, wo Genée durch v. Flotow (wie auch schon in Schwerin) eine Kapellmeisterstelle vermittelt worden war.[1]

Für bibliographische Informationen zu Genées Werken ist man trotz der vorliegenden "Bibliographie" weiterhin auf Lexika und Enzyklopädien wie den Artikel Genée von Franz Hadamowsky in der MGG angewiesen. Hinzuweisen ist hier auf die einschlägigen Publikationen des Genée-Forschers Diether Halama, die im Selbstverlag in Tullnerbach-Lawies (Niederösterreich) erschienen sind.

Fritz Kaiser


[1]
Die Angabe Alfred Loewenbergs im Artikel Genée im New Grove (1980), daß der Runenstein verloren sei, ist unzutreffend; das originale Aufführungsmaterial befindet sich in der Zentralbibliothek Zürich im Bestand Musikalienbibliothek des Opernhauses Zürich. (zurück)

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