Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 8(2000) 1/4
[ Bestand im SWB ]
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Filmregisseure


00-1/4-255
Filmregisseure : Biographien, Werkbeschreibungen, Filmographien / hrsg. von Thomas Koebner. - Stuttgart : Reclam, 1999. - 776 S. : Ill. ; 22 cm. - ISBN 3-15-010455-6 : DM 68.00
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00-1/4-256
Lexikon Regisseure und Kameraleute / hrsg. von Hans-Michael Bock. [In Zsarb. mit CineGraph, Hamburgisches Centrum für Filmforschung]. - Orig.-Ausg. - Reinbek bei Hamburg : Rowohlt, 1999. - 525 S. ; 22 cm. - (rororo ; 60651 : Sachbuch). - ISBN 3-499-60651-8. - (DM 26.90)
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Im Titel des an erster Stelle genannten Werkes verzichtet der Herausgeber darauf, sein Buch als Nachschlagewerk oder Lexikon zu bezeichnen, und bietet nur schlicht eine Anzahl von fast 200 Biographien, Werkbeschreibungen und Filmographien von Filmregisseuren an. (Wobei sich schon nach dem ersten Anblättern des Buches die Frage stellt, warum die Literaturhinweise, die doch jedem Artikel beigefügt sind, nicht auch im Titel erwähnt werden.) Im Vorwort nennt Koebner sein Buch dann doch ein Lexikon und stellt sich den Anforderungen, die gemeinhin an ein Lexikon gerichtet werden: Fragen nach Vollständigkeit oder Repräsentativität der Artikel in Bezug auf ihr Rahmenthema und nach dem Informationsgehalt der einzelnen Artikel.

Zur Auswahl der Filmregisseure bemerkt Koebner, daß es galt, "nicht nur unverwechselbare Künstlerpersönlichkeiten zu porträtieren, sondern auch auf den ersten Blick weniger scharf profilierte, wenngleich durch ihre Arbeit bemerkenswerte Regisseure zu würdigen". Als weitere Kriterien werden genannt, auch "etliche jüngere Vertreter" neben die "älteren, kanonisierten Prominenten der Filmgeschichte" zu stellen und insgesamt eine "eurozentrische Perspektive" einzunehmen. An der Auswahl entzündet sich am schnellsten die Kritik, und eine Auswahl von exakt 198 Filmregisseuren setzt sich allein schon von der Zahl her unmittelbar der Kritik aus. Zum Vergleich: 287 Regisseure versammelt Koebner selber in seinen Filmklassiker-Bänden (IFB 95-4-600), 266 werden in Tötebergs Filmlexikon (IFB 95-4-599) berücksichtigt, 450 im Band Directors des International dictionary of films and filmmakers (IFB 98-1/2-119), "rund 500" in Bocks nachstehend besprochenem Lexikon Regisseure und Kameraleute und - um die Rahmendaten anzudeuten - mehr als 13.500 im Lexikon des internationalen Films (IFB 95-4-598). Ein kurzer Vergleich der Auswahl mit dem keiner eurozentrischen Perspektive verdächtigen o.a. Band Directors zeigt am Beispiel der ausgewählten deutschen Filmregisseure schnell, welche weitere deutsche Namen schon aus internationaler Sicht zu berücksichtigen wären, hier aber fehlen: E. A. Dupont, Paul Leni, Hans Richter, Leni Riefenstahl, Walter Ruttmann, Helma Sanders-Brahms, Werner Schroeter, Jean-Marie Straub / Danièle Huillet, Hans-Jürgen Syberberg, Robert Wiene. Im Gegenvergleich findet man bei Koebner nur Egon Günther, Kurt Hoffmann, Peter Lilienthal und Edgar Reitz, die nicht im Directors-Band aufgenommen worden sind. Bei Koebners Auswahl fällt weiter auf, daß Regisseure der Stummfilmzeit weniger berücksichtigt werden als jüngere, ohne daß er hierzu eine Bemerkung gemacht hätte. Immerhin fällt die Auswahl von 198 Regisseuren doppelt so umfangreich aus, als sie uns bisher vom selben Verlag im Anhang des Reclams Filmführer angeboten wurde (IFB 96-2/3-308) und die dort in der zu erwartenden nächsten Auflage nicht mehr zu erscheinen bräuchte. Zu wünschen wäre im vorliegenden Band noch eine erheblich höhere Zahl an Biographien, die bei "eurozentrischer Perspektive" doch deutlich über 300 anzusetzen wäre und die bei der im Filmgeschäft sinnvolleren internationalen Perspektive, die zumindest die amerikanischen Filmregisseure gleichrangig berücksichtigte, wenigstens die 450 Namen des Directors-Bandes umfassen müßte.

Weit positiver fällt die Kritik nach Durchsicht und Lektüre der biographischen Artikel aus: Die Absicht, sich auf Sichtung und Wertung der Filme einzulassen, führt zu einem erfolgversprechenden inhaltlichem Muster, das auf 2 - 12 zweispaltig gesetzten Seiten nach biographischen Notizen einige Hauptwerke vorstellt, weitere Filme kursorisch nennt und auch Wertungen nicht ausspart. Vielleicht hätten die jeweiligen Beziehungen zu anderen Regisseuren und anderen Filmen noch stärker beachtet werden können, aber die Artikel bieten immer eine anregende Lektüre und wachsen gelegentlich zu ausführlichen Abhandlungen. Trotz stilistischer Varianten zwischen stärker sachorientierten und fast journalistischen Artikeln wird immer gut informiert und zur Auseinandersetzung mit Person und Werk eingeladen. Die Filmographien nennen nur Titel und Jahr der wichtigeren Filme, die Literaturhinweise führen internationale Buch- und Aufsatztitel in einer Auswahl auf, die noch zur weitergehenden Lektüre reizt. Etwa jeder zweite Artikel wird durch ein etwa halbseitiges schwarz-weißes Photoporträt illustriert. Bedauerlicherweise fehlt ein Register der im Text erwähnten und in den Filmographien aufgeführten Filmtitel sowie der insgesamt in den Artikeln erwähnten Personen, so daß man leider auf die eindimensionale biographische Perspektive eingeschränkt bleibt. Da die meisten der 52 Mitarbeiter nur jeweils einen Artikel beigesteuert haben, ruhte die Hauptarbeit auf den Schultern von acht Autoren aus dem Umkreis der Universität Mainz. Sie haben ein Werk begonnen, das in den hoffentlich folgenden Auflagen weiter ausgebaut und ergänzt werden wird: Die inhaltlich erfolgreiche Konzeption und Ausführung sollte nicht durch das Fehlen wichtiger und geläufiger Regisseure beeinträchtigt bleiben.

Wilbert Ubbens

Im ausdrücklichen Anschluß an sein Lexikon Filmschauspieler international[1] legen Hans-Michael Bock und sein CineGraph-Team ein gemeinsames biographisches Lexikon für Filmregisseure und Kameraleute vor. Die betont gemeinsame Berücksichtigung beider Berufssparten ist ein Novum unter den biographischen Filmlexika, da auch umfangreichere Lexika nur wenig Platz für die Würdigung der Arbeit von Kameraleuten bieten. Bei näherem Hinsehen wird allerdings bald deutlich, daß nur wenige ausschließlich an der Kamera arbeitende Filmkünstler in das Lexikon aufgenommen worden sind. Bei der Mehrzahl zeigt sich, daß sie sowohl hinter der Kamera als auch auf dem Regiestuhl gearbeitet haben, - ein im Filmgeschäft durchaus verbreitetes Karrieremuster. Insofern fällt es auch schwer, den Anteil der als Kameraleute tätig gewesenen Künstler an der Gesamtzahl der vorgestellten Filmschaffenden zu beziffern; der Anteil der "ausschließlichen" Kameraleute dürfte weniger als 10 % der insgesamt etwa 500 Künstler betragen. Diese 500 Personen werden in ein bis zwei Seiten umfassenden, ungezeichneten Artikeln mit Lebensdaten, Biographie und Filmtiteln vorgestellt; weiterführende Literatur wird leider nur gelegentlich angeboten. Auf Illustrationen wurde ganz verzichtet. Die Artikel sind knapp und sachlich formuliert, reißen die wichtigsten Lebensstationen an und versuchen auch, die Filme mit wenigen Worten zu charakterisieren. In den Hinweisen für Benutzer legt Bock relativ viel Wert auf die Erläuterung der Struktur der filmographischen Angaben, die doch nur Titel und Titelvarianten sowie Produktionsjahre nennen und auch nicht durch ein Register erschlossen werden.

Die Auswahl der Biographien ist international, bei vielleicht leichter Bevorzugung der deutschen Künstler. Bock hebt ausdrücklich die Betonung der osteuropäischen und asiatisch-afrikanischen Filmer hervor und schließt sich hier an die Auswahlkriterien seines o.a. Lexikons an. Die Zahl der vorgestellten Künstler erscheint für ein deutschsprachiges, einführendes Lexikon durchaus ausreichend (vgl. hierzu die Kritik an den vorstehend besprochenen Band Filmregisseure von Koebner), daß man sich Register und durchgehend Literaturhinweise wünscht, bleibt dahingestellt. Doch eine Bemerkung sei noch zum Seitenlayout gestattet: Der dreispaltige Satz erschwert die Lektüre eher, als daß er sie durch augenfreundliche Übersichtlichkeit fördern würde, die Spalten sind zu schmal und erschweren das Lesen. Dem Taschenbuch ist schon wegen seines moderaten Preises eine weite Verbreitung zu wünschen. Daß es sich mit dem Band Filmregisseure, das den doppelten Umfang aufweist, von der Intensität der Auseinandersetzung mit den vorgestellten Personen her nicht messen könnte, sei nur angemerkt. Gegenwärtig steht der umfangreicheren Personenauswahl mit nur knappen Ausführungen im Falle des Lexikons Regisseure und Kameraleute die unzureichende Auswahl mit ausführlichen Würdigungen im Falle des Bandes Filmregisseure gegenüber. Die Erweiterung der Auswahl um Kameraleute im Lexikon durch Bock ist insofern nur Indiz für die insgesamt umfangreichere Auswahl. Vornehmlich dient die Hervorhebung der Kameraleute im Titel des Bandes aber nur der Abgrenzung gegenüber anderen Filmlexika.

Wilbert Ubbens


[1]
Lexikon Filmschauspieler international / hrsg. von Hans-Michael Bock. - Aktualisierte Taschenbuchausg. - Reinbek bei Hamburg : Rowohlt, 1997. - 22 cm. - (rororo ; ... : Sachbuch) [4437]. - Bd. 1. A - K. - 1997. - 432 S. - (... ; 16523 : ...). - ISBN 3-499-16523-6 : DM 26.90. - Bd. 2. L - Z. - 1997. - S. 434 - 837. - (... ; 16524 : ...). - ISBN 3-499-16524-4 : DM 26.90. - Rez.: IFB 99-B09-109.
Die Original-Ausgabe erschien 1995 im Henschel-Verlag und wurde in IFB 95-4-608 besprochen; sie ist inzwischen bei Zweitausendeins im Ramsch gelandet ist (Merkheft. - Nr. 162, Nov./Dez. 1999: Best.-Nr. 16030, DM 28.00). (zurück)

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