Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 8(2000) 1/4
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Die Bibliothek Glück


00-1/4-175
Die Bibliothek Glück : Vorstellung einer Wiener Sammlung ; mit Titelkarten auf Mikrofiche als Beilage / Jutta Bendt. - Marbach am Neckar : Deutsche Schillergesellschaft, 1998. - 93 S. : Ill. ; 21 cm + 6 Mikrofiches. - (Verzeichnisse, Berichte, Informationen / Deutsches Literaturarchiv ; 20). - ISBN 3-929146-44-4 : DM 50.00
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Mit Hilfe großzügiger Zuwendungen aus öffentlicher und privater Hand konnte das Deutsche Literaturarchiv 1982 die annähernd 20.000 Bände umfassende Bibliothek des Wiener Kunsthistorikers, Verlagslektors und Museumsdirektors Franz Glück (1899 - 1981)[1] erwerben. Eine spezielle Schönthan-Sammlung (Glücks Mutter war eine Tochter des Dramatikers Franz von Schönthan) und die bedeutende Kunstbibliothek, die der Vater des Sammlers, der Kunsthistoriker Gustav Glück aufgebaut hatte, sind im Familienbesitz verblieben. Erst im Laufe der Inventarisierung trat der ganze Reichtum der Sammlung zutage: In vielen Bänden der Arbeitsbibliothek fanden sich Briefe von Autoren und Künstlern an den Sammler, Notizen und Rezensionsentwürfe von der Hand Glücks und weitere zeitgeschichtlich interessante Dokumente. Zur Katalogisierung vorgezogen wurde ein Teilbestand von etwa 11.000 Bänden, der sich optimal in die Marbacher Sammelschwerpunkte einfügen ließ: Eine repräsentative Auswahl zur deutschen Klassik, eine umfassende Sammlung großer und kleinerer österreichischer Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts, insbesondere der Wiener Moderne, und eine Serie hochkarätiger und rarer literarischer Zeitschriften.

Das von der DFG geförderte Katalogprojekt konnte 1988 früher als geplant abgeschlossen werden. Ganz im Sinne der Erben des Sammlers wurden die aufbereiteten Bestände unverzüglich interessierten Forschern zugänglich gemacht. Es steht heute außer Frage, daß sich im Umkreis der Sammlung Glück in Marbach ein neuer Forschungsschwerpunkt zur österreichischen Literatur herausgebildet hat. Die bisher nur inventarisierten Teilbestände, darunter Erstausgaben und wichtige Editionen aus den Gebieten der Philosophie und Naturwissenschaft und eine weitverzweigte Sammlung fremdsprachiger Weltliteatur aus Ost und West, sollen im Zuge der anstehenden Katalogkonversion verbundgerecht erschlossen werden.

Bereits im Jahresbericht 1988/89 der Deutschen Schillergesellschaft wurde die "Vorstellung der Bibliothek" Glück in der Reihe der Verzeichnisse, Berichte, Informationen zusammen mit der von der DFG erwarteten Mikrofiche-Ausgabe der Titelkarten angekündigt.[2] Es hat den Anschein, als habe die Serie der ineinandergreifenden Marbacher An-, Um- und Neubauten dazu beigetragen, daß sich die Publikation um nahezu ein Jahrzehnt verzögert hat. Rechtzeitig zum 100. Geburtstag Franz Glücks ist nun das von Jutta Bendt mit ruhiger Hand gezeichnete Porträt des Sammlers und seiner Sammlung erschienen. Eine willkommene Beigabe ist der Abdruck eines bisher unveröffentlichten Vortrags Über das Sammeln, den Glück 1960 vor der Arbeitsgemeinschaft Junger Sammler in Wien gehalten hat. In einem illustrierten Streifzug durch alle Gruppen der Bibliothek Glück (S. 53 - 94) können sich Leser und Forscher ein individuelles Bild von den Schätzen der Sammlung verschaffen. Ebenso nützlich ist die präzise Beschreibung des Marbacher Katalog-Regelwerks für den Benutzer der Mikrofiches.

Die Pressestelle des Deutschen Literaturarchivs wünscht sich zu Recht, daß Band 20 der Verzeichnisse, Berichte, Informationen seinen Weg in alle wissenschaftlichen Bibliotheken finden möge. Es ist aber angezeigt, auf einen kleinen buchtechnischen Mißstand aufmerksam zu machen. Seit den frühen achtziger Jahren erscheinen die Marbacher Kataloge, Magazine und Verzeichnisse in unbedruckter weißer Broschur mit umgelegtem farbigem Schutzumschlag. Nahezu alle Bibliotheken nehmen die vorzüglich gestalteten Umschläge herunter (hier und da werden sie auch gesammelt), und wegen der oft zu schmalen Marbacher Rücken wandern die Signaturenaufkleber auf die Vorderseite der Broschur. Zum großen Ärger der Benutzer stehen so die nackten Marbacher Publikationen wie die weißen ALDI No-Name-Produkte im bibliographischen Apparat oder im Freihandregal. Die Beigabe eines je nach Bandumfang vertikal oder horizontal laufenden selbstklebenden Rückentitels könnte ohne großen Aufwand die mühsame Sucharbeit drastisch reduzieren.

Horst Meyer


[1]
Er fehlt in der DBE; dafür ist dort sein im folgenden erwähnter Vater, der Kunsthistoriker Gustav Glück verzeichnet sowie sein Bruder, der wie der Vater Gustav hieß und Bankier war. (zurück)
[2]
Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft. - 33 (1989), S. 479. (zurück)

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