Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 8(2000) 1/4
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Hegel bibliography


00-1/4-122
Hegel bibliography : background material on the international reception of Hegel within the context of the history of philosophy = Hegel-Bibliographie / comp. by Kurt Steinhauer. - München [u.a.] : Saur. - 24 cm
[4930]
Pt. 2. 1976 - 1991 / under the assistance of Hans-Dieter Schlüter. Keyword index by Anton Sergl. - 1998. - Vol. 1 - 2. - XVIII, 1128 S. - ISBN 3-598-10787-0 : DM 498.00, DM 396.00 (Subskr.-Pr. bis 30.09.98)

Im Gegensatz zu anderen großen deutschen Philosophen lag für Hegel lange Zeit keine umfassende subjektive und objektive Personalbibliographie vor, was in Anbetracht der riesigen und dazu weltweiten, alle Sprachen umfassenden Rezeption des Philosophen kaum verwunderlich ist. 1980 legte Kurt Steinhauer den damals noch ungezählten ersten Band seiner Hegel bibliography[1] vor, der die Ausgaben und die Sekundärliteratur bis zum Berichtsjahr 1975 mit dem Streben nach Vollständigkeit verzeichnete. Daß letzteres ein kaum zu erreichendes Ziel ist, belegt am besten der hier besprochene Supplementband (in zwei Teilbänden) der außer der Primärliteratur der Erscheinungsjahre 1976 - 1991 und der Sekundärliteratur der Erscheinungsjahre 1976 - 1990[2] eine sehr beträchtliche Zahl von Nachträgen zum Grundwerk verzeichnet. Allein die Nachträge bei der Sekundärliteratur belaufen sich auf ca. 2400 Titel, was etwa einem Drittel der knapp 7500 im Anschluß an das Grundwerk durchgezählten Sekundär-Titel für die Berichtszeit 1976 - 1990 und immerhin rund einem Viertel der im Grundwerk verzeichneten 10.231 Sekundär-Titel entspricht. Man kann also damit rechnen, daß auch für die anschließende Berichtszeit mit einer erheblichen Zahl von Nachträgen zu rechnen ist.

Anlage und Register entsprechen der des Grundwerks: 1. Werke (untergliedert nach Gesamtausgaben, Teilausgaben, Einzelwerken und Briefen) und 2. Sekundärliteratur, jeweils chronologisch geordnet. Ohne Not, wie der Rez. meint, wurden die Nachtragstitel auf Nummern des Grundwerks mit Anhängezahlen eingeschoben (ein System hat er nicht erkennen können) und lediglich die Sekundärtitel der Jahre 1976 - 1990 schließen in der Numerierung an die letzte Nummer des Grundwerks an. Zu den Titelaufnahmen ist nichts Besonderes zu vermerken: sie enthalten alle nötigen Angaben auch wenn bei den zahlreichen aus sekundären Quellen übernommenen Titeln (die nicht markiert sind) mit Ungenauigkeiten und unvollständigen Angaben zu rechnen ist (das belegen die Corrigenda zum Grundwerk, die in Teilband 2 nicht weniger als 110 Seiten füllen). Titel in weniger gängigen Sprachen - den slavischen (außer dem Russischen), vor allem aber den orientalischen (sehr zahlreiche japanische, vor allem aber chinesischsprachige Titel) - ist eine deutsche Übersetzung beigegeben, die allerdings sehr häufig auch fehlt. Eine Besonderheit der Verzeichnung mit negativen Auswirkungen bleibt zu erwähnen: Beiträge zu Sammelbänden über Hegel sind nicht einzeln verzeichnet, sondern in der Art von fortlaufend geschriebenen Inhaltsverzeichnissen nur unter dem Titel des Sammelbandes, auf dessen Nummer die Register verweisen, so daß man erst mühsam in einer evtl. langen Liste suchen und dabei daran denken muß, diese ganz durchzusehen, da derselbe Autor mit mehreren Beiträgen bzw. derselbe Sachverhalt mehrfach behandelt sein kann.

Das Verfasserregister (S. 879 - 979), das auch Eintragungen unter Körperschaften enthält, ist typographisch übersichtlich (wie sich überhaupt die typographische Gestaltung der beiden Teilbände vorteilhaft von der des Grundwerks unterscheidet), was man vom anschließenden deutschsprachigen Stichwortregister (S. 981 - 1128) mitnichten sagen kann. Wie schon beim Grundwerk hat Steinhauer dieses Register nicht selbst bearbeitet. Die Hinweise für die Benutzung (S. 983 - 984), die wie auch die sonstigen Begleittexte entsprechend der Zweisprachigkeit des Titelblatts erst in englischer und dann in deutscher Sprache geboten werden, erläutern die Vorgehensweise mit Beispielen, doch lassen sich für sämtliche selbst bei nur kurzem Blättern Gegenbeispiele finden. Dazu sind Titel gar nicht ins Register gekommen, und zwar nicht etwa nur chinesischsprachige ohne deutsche Übersetzung: die grundsätzlich deutschsprachigen Stichwörter sind nämlich bei Titeln in entlegenen Sprachen der beigefügten Übersetzung, bei solchen in gängigen Sprachen einer hinzuzudenkenden deutschen Übersetzung entnommen und im Register durch die beigefügte Sprachbezeichnung markiert. Das ist benutzerfreundlich, da es einem erspart, unnötigerweise Titel nachzuschlagen, die in einer Sprache abgefaßt sind, die man sowieso nicht versteht (aus diesem Grund wäre eine Sprach-Markierung auch beim Verfasserregister sinnvoll gewesen, da man vom Verfassernamen keineswegs immer auf die Sprache schließen kann, z.B. bei Viktor Zmegac, der auch deutsch schreibt, im Gegensatz etwa zu Chengguang Zhi). Zur Begrenzung des Umfangs sind Sachbegriffe mit Bezug auf eine Person nicht unter jenen, sondern nur als Unterbegriff unter diesen verzeichnet. Titel über Beziehungen zwischen Personen sind mit der Sigle Bez.: eingeleitet, doch kann man sich keineswegs darauf verlassen, daß unter einer Person wirklich alle einschlägigen Titel nachgewiesen werden.[3] Die Benutzbarkeit des Schlagwortregisters wird darüber hinaus durch die völlig ungenügende typographische Aufbereitung extrem erschwert; im Kolumnentitel fehlen jegliche Hinweise auf die auf der jeweiligen Seite enthaltenen Alphabetabschnitte, was eine Orientierung nicht nur unter der Eintragung Hegel mit ihren nicht weniger als 68 zweispaltigen Seiten außerordentlich erschwert. Dazu kommt, daß die zweistufige Unterordnung nur durch Einrückungsstriche markiert ist und die alphabetische Ordnung Partikel übergeht aber ausdruckt. Die auf die Einrückungsstriche z.T. folgenden weiteren Satzzeichen haben offensichtlich keinen Einfluß auf die Ordnung und ihr Sinn blieb dem Rez. verschlossen. Kurzum, das Register ist eher eine Zumutung als eine Hilfe, zumal man keineswegs davon ausgehen kann, alles nachgewiesen zu haben, wenn man endlich mühselig die gesuchte Stelle gefunden hat.

Wie häufig bei derartigen umfassenden Personalbibliographien, die mit ihrem Streben nach Vollständigkeit sicher ihre Berechtigung haben, wünscht man sich als Seitenstück sehnlich eine (kritische) Auswahlbibliographie, die sich dazu auf Titel in gängigeren Sprachen (was nicht eng zu fassen ist) beschränkte und die eine zuverlässige Sacherschließung böte.

Klaus Schreiber


[1]
[Pt. 1. Up to 1975] / keyword index by Gitta Hausen. - 1980. - XVI, 894 S. - ISBN 3-598-03184-X : DM 298.00 (zurück)
[2]
Die Angabe auf dem Titelblatt, die ohne Differenzierung das Ende der Berichtszeit mit 1991 bezeichnet, trifft also nur teilweise zu; im Inhaltsverzeichnis sind die Angaben richtig differenziert, auf dem Zwischentitel des Teils für die Sekundärliteratur (S. 69) findet sich dagegen die Angabe 1976 - 1991, die falsch ist, da die Berichtszeit dieses Teils mit 1990 endet. (zurück)
[3]
Unter Hölderlin (S. 1076) finden sich 11 Titel mit Bezug auf Hegel, unter Hegel (S. 1015) sind es 19 Titel, die sich nur teilweise mit jenen decken. Unter Kant (S. 1081) findet sich ein weiterer Hinweis auf Hölderlin, der bei letzterem fehlt. (zurück)

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