Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 8(2000) 1/4
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Aristotle's "Metaphysics"


00-1/4-121
Aristotle's "Metaphysics" : annotated bibliography of the twentieth-century literature / by Roberto Radice and Richard Davies. Foreword by Giovanni Reale. - Leiden [u.a.] : Brill, 1997. - XXIV, 904 S. ; 25 cm. - (Brill's annotated bibliographies ; 1). - Einheitssacht.: La "Metafisica" di Aristotele nel XX secolo <engl.>. - ISBN 90-04-10895-5 : Hfl. 550.50, Hfl. 471.50 (Reihen-Pr.)
[5208]

Wenn ein angesehener Verlag eine neue Schriftenreihe eröffnet, könnte man eigentlich eine programmatische Mitteilung erwarten; sie fehlt bei Brill's annotated bibliographies und er findet sich damit in schlechter Gesellschaft mit anderen angesehen Verlagen.[1] Dabei ist der Titel der Brill'schen Reihe eher noch unspezifischer, legt er sich doch allein darauf fest, daß es sich nicht um irgendwelche Bibliographien, sondern um annotierte handelt. Als weitere Besonderheit kommt hinzu, daß es sich beim vorliegenden Bd. 1 um die englische Übersetzung einer zuerst 1996 erschienenen italienischsprachigen Bibliographie[2] handelt, der dank des weiter verbreiteten Englischen zu einer breiteren internationalen Wirkung verholfen werden soll.

Der Inhalt ist rasch vorgestellt (und in der Einleitung klar beschrieben): die Bibliographie strebt nach einer vollständigen Verzeichnung aller Ausgaben der sowie der Forschungsliteratur über die Metaphysica des Aristoteles von 1901 bis 1996. Basierend auf einer systematischen Auswertung aller bibliographischen Ressourcen und der extensiven Recherche in Datenbanken wurden knapp 3500 Monographien und Aufsätze zusammengetragen, die sich mit diesem Werk des Aristoteles beschäftigen. Ausgenommen sind allerdings die antiken, mittelalterlichen und Renaissance-Kommentare[3] zur Metaphysica und insbesondere die sich darauf beziehende Sekundärliteratur. Die gesammelten Titel wurden nach Autopsie verzeichnet und - als das Besondere - mit beschreibenden Annotationen versehen, die weitgehend (nämlich ca. 2000) von Roberto Radice verfaßt wurden, während die restlichen ca. 1400 von einem aus 45 Personen bestehenden internationalen Mitarbeiterstab stammen, die ihre Annotationen namentlich zeichnen. Die Gewichte sind ganz ungleich verteilt: die ersten vier Abschnitte - Ausgaben, Übersetzungen, Kommentare (s.o.) und Bibliographien - nehmen zusammen nur 33 S. ein, während die folgenden 740 Seiten der Sekundärliteratur vorbehalten sind, die jahrgangsweise und innerhalb im Verfasseralphabet verzeichnet ist; letzterem gehen Sammelwerke voraus, die hier wenig glücklich unter dem Formschlagwort Anthology aufgeführt sind (das an die Stelle des italienischen AA.VV. tritt). Die in den Sammelbänden enthaltenen Beiträge sind dann unter ihrem jeweiligen Autor mit eigenen Titelaufnahmen verzeichnet. Als Quellenangabe sowie für die zahlreichen Verweisungen dient eine Identifikationsnummer, die sich aus dem Jahr (gekürzt um das einleitende 19), einer mit Punkt abgetrennten zweistelligen Zahl sowie einer gleichfalls durch einen Punkt geschiedenen laufenden Nummer zusammensetzt (der Rezensent gesteht, daß er die Logik der Numerierung an der zweiten und dritten Stelle nicht begriffen hat). Die Titelaufnahmen sind ausführlich und zuverlässig, doch fehlen unverständlicherweise die Umfangsangaben bei Monographien. Titel in osteuropäischen und anderen "seltenen" Sprachen werden nur mit einem übersetzten Titel aufgeführt. Es folgen Angaben zu Übersetzungen, Wiederabdrucken u.a. (ggf. mit der Identifikationsnummer, wenn sie eine eigene Eintragung haben), dann Fundstellen von Rezensionen und schließlich die Annotationen.

Vier Register, die auf die Identifikationsnummer verweisen, erschließen die Bibliographie: das wichtigste ist 1. das Begriffsregister, das auch die Namen rezipierender Philosophen einschließt, z.B. Hegel und Heidegger (S. 775 - 837); ferner Register 2. der griechischen Termini, 3. der Verfasser und als Ergänzung zum Begriffsregister 4. ein Register der Textstellen, geordnet nach den Büchern und Abschnitten der Metaphysica.

Bibliotheken, die die italienische Originalausgabe nicht erworben haben, werden sich leichter dazu entschließen können, den hohen Preis für die englische Übersetzung zu erlegen als jene Bibliotheken, die sich bereits damals zum Kauf einer der beiden italienischen Ausgaben entschlossen hatten.

Klaus Schreiber


[1]
Der Verlag Harrassowitz eröffnete 1998 seine neue Reihe Bibliographien: Buch, Bibliothek, Literatur gleichfalls ohne Programm und ohne verantwortlichen Herausgeber. - Vgl. IFB 99-1/4-197 (Bd. 1) sowie weiter oben IFB 00-1/4-077 (Bd. 2). (zurück)
[2]
La "Metafisica" di Aristotele nel XX secolo : bibliografia ragionata e sistematica / Roberto Radice. - 2. ed., riv., corr. e ampl. - Milano : Vita e Pensiero, 1997. - 825 S. : graph.Darst. ; 22 cm. - (Temi metafisici e problemi del pensiero antico ; 48). - ISBN 88-343-0854-9. - Auf dieser Aufl. basiert die englischsprachige Übersetzung. - 1. Aufl. 1996. - 734 S. (zurück)
[3]
Nicht logisch erscheint dann aber die Berücksichtigung einiger dieser Kommentare, wenn sie in Reprints oder Ausgaben vorliegen, die im 20. Jahrhundert erschienen sind (S. 18 - 25). (zurück)

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