Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 8(2000) 1/4
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Dictionary of philosophical terms


00-1/4-108
Dictionary of philosophical terms = Wörterbuch philosophischer Fachbegriffe / Elmar Waibl ; Philip Herdina. - München : Saur ; London [u.a.] : Routledge. - 22 cm. - ISBN 3-598-11329-3 (set, Saur) - ISBN 0-415-17890-8 (set, Routledge) : 170.00
[4354]
Vol. 1. German - English. - 1997. - XXVII, 403 S. - ISBN 3-598-11341-2 (Saur) : DM 198.00 - ISBN 0-415-17888-6 (Routledge) : 85.00
Vol. 2. English - German. - 1997. - XXVII, 482 S. - ISBN 3-598-11344-7 (Saur) : DM 198.00 - ISBN 0-415-17889-4 (Routledge) : 85.00

Das Wörterbuch will "ein Instrumentarium für den Erwerb von Fremdsprachenkompetenz im Fachgebiet Philosophie anbieten" (S. XVII). Aufgenommen sind ca. 20.000 philosophische oder philosophisch relevante Fachbegriffe in deutsch-englischer bzw. englisch-deutscher Übersetzung. Im Anhang finden sich ein umfangreiches Verzeichnis ca. 1400 philosophischer Werktitel sowie ein Autorenverzeichnis zu diesen Werken.

Wohl weist das Wörterbuch die Disziplin oder das Thema aus, zu dem ein Begriff gehört; doch werden keine Definitionen angegeben. Direkte Übersetzungen werden erläuternden Umschreibungen vorgezogen. Bei der Benutzung des Wörterbuchs wird vorausgesetzt, daß man mit der Zielsprache vertraut ist. Es gelten die Normen des britischen Englisch, auf Doppeleintragungen zum amerikanischen wie auf die Angabe der Lautschrift wird verzichtet. Personennamen sind nur aufgenommen, wenn deutsche und englische Schreibweisen voneinander abweichen. Wörter, die aus dem Deutschen unverändert ins Englische übernommen werden, sind eigens ausgezeichnet (z.B. herrenvolk), ebenso Übersetzungen mit Vorbehalt, die unüblich oder erschlossen sind (z.B. herstory = feministische Geschichte).

Als Grund- und Integrativwissenschaft verfügt Philosophie über ein breites terminologisches Spektrum, das auch angrenzende Wissenschaften berücksichtigt: Kunst, Religion, Psychologie, Naturwissenschaften, Wirtschaft, Recht, Politik und Ökologie. Das Wörterbuch bildet so den Fundus der aktuellen, philosophisch relevanten Terminologie auch dieser Wissenschaften ab. Basis des Stichwortbestandes sollen Primärtexte, einschlägige Enzyklopädien, Glossare, Lexika und aktuelle Fachzeitschriften sein, ohne daß dies allerdings näher ausgewiesen ist.

Die Stärken des Wörterbuchs sind rasch auszumachen. So stößt man auf eine Reihe von Fachtermini, die sonst nur aus Speziallexika beschafft werden können: z.B. Unschärferelation (Physik), Arbeitswerttheorie (Volkswirtschaft), Hochrisikotechnologie (Technik). Besondere Übersetzungsschwierigkeiten bieten in der Regel auch Wörter mit scheinbar alltagssprachlicher Bedeutung: z.B. Heideggers Zeug = equipment oder Gestell = enframing, gestell, framing. Breite Berücksichtigung findet der Kernwortschatz einzelner Disziplinen und Schulen: z.B. angeborene Tötungshemmung (Aggressions- und Friedensforschung), exzentrische Positionalität (philosophische Anthropologie), Falsifikationismus (Wissenschaftstheorie), Abschiedlichkeit (Metaphysik).

Verwiesen wird auf Synonyme, Antonyme und auf Werktitel; gelegentlich finden sich sog. assoziative Streuverweise. Zwei Beispiele: Abendland = the West, the Occident, the Western World (gen) < W 1124: d.h. ein allgemeiner Begriff, von dem verwiesen wird auf Spenglers Untergang des Abendlandes = The Decline of the West. Outline of a Morphology of World History. Oder: Man, das = the They, the One, the anyone (Heidegger) (ant, ont) < Durchschnittlichkeit, Jedermann, Massenmensch: d.h. ein Begriff aus dem Sprachgebrauch Heideggers, der zur philosophischen Anthropologie und Ontologie gehört; verwiesen wird auf assoziierte Begriffe (Durchschnittlichkeit usw.). Die Verweisstruktur wie die Kriterien der Auswahl zeigen, daß der Stichwortbestand eigentlich durch Wortfelder konstituiert wird, die in alphabetische Listen aufgefächert sind. Für Übersetzungsprobleme wäre es von Interesse, diese Felder (Disziplinen, Schulen, Themen, Personen) als ganze in den Blick zu bekommen. Hier könnte man an ein elektronisches Wörterbuch denken, in dem die Begriffe in ihrem Kontext (Wortfelder und Textpassagen) aufgeblättert werden.

Der umfangreiche Anhang der Werktitel in der jeweiligen Zielsprache zählt in der deutsch-englischen Version 1371, in der englisch-deutschen Version 1429 Werke. Es ist unklar, warum die Anzahl der Einträge in den Verzeichnissen differiert. Ebenso gibt es Unterschiede im zugehörigen Namenverzeichnis; im Gegensatz zu Band 2 fehlt in Band 1 eine Reihe von Autoren zu Werken, die im Werktitelverzeichnis vorkommen, z.B. Ackermann, Varela.

Adressaten des Wörterbuches sind Studenten, Lehrer, Übersetzer, die - sieht man einmal vom Preis ab - das auf dem Markt einmalige Unternehmen gern nutzen werden.

Jürgen Weber


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