Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 8(2000) 1/4
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Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie


00-1/4-096
Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie des 17. Jahrhunderts / begr. von Friedrich Ueberweg. - Völlig neubearb. Ausg. - Basel : Schwabe. - 25 cm
[1979]
Bd. 1. Allgemeine Themen, Iberische Halbinsel, Italien. - 1998. - Halb-Bd. 1 - 2. - LXIII, XXXVIII, 1141 S. - ISBN 3-7965-1034-5 : SFr. 220.00, DM 264.00

Einem zur Buchmesse 1999 vorgelegten Spezialprospekt war erstmals (soweit der Rez. sieht) die Gesamtdisposition der Neubearbeitung von Ueberwegs Grundriss der Geschichte der Philosophie zu entnehmen. Danach folgt auf die vorstehend besprochene Abteilung Die Philosophie der Antike, mit der die Neubearbeitung einsetzte, Die Philosophie des Mittelalters, hrsg. von R. Imbach und P. Schulthess, von der zumindest die Inhalte der Bd. 1 - 5 festgelegt sind, während für die nächste Abteilung Die Philosophie der Renaissance weder Herausgeber noch Bände genannt werden. Für die Philosophie des 18. Jahrhunderts sind mit regionaler Gliederung drei Bände vorgesehen, von denen die beiden ersten bereits die Namen zahlreicher Mitarbeiter ausweisen. Dagegen gilt für die abschließenden beiden Abteilungen, die der Philosophie des 19. Jahrhunderts bzw. der Philosophie des 20. Jahrhunderts vorbehalten sind, dasselbe wie für die Philosophie der Renaissance.

Von der in der vorstehenden Aufzählung ausgesparten Abteilung Die Philosophie des 17. Jahrhunderts liegen zwei regionale, hier bereits besprochene Bände vor,[1] während der abschließende Bd. 4. Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation, Nord- und Osteuropa in zwei Halbbänden für 2000 angekündigt ist. Somit bleibt derzeit der gleichfalls in zwei Halbbänden erschienene Bd. 1 anzuzeigen, der in Teil 1 Allgemeine Themen (S. 1 - 318), in Teil 2 die Iberische Halbinsel (S. 319 - 511) sowie in Teil 3 Italien (S. 513 - 1041) behandelt. Von Teil 1 seien nur einige Abschnitte von besonderem Interesse aufgeführt: Die res publica, Wunschbild der europäischen Gelehrtenwelt (2) und Der Gebrauch des Lateins und der Nationalsprachen (3) betreffen die Geschichte der Gelehrsamkeit allgemein und die der Publikationsformen (wissenschaftliche Zeitschriften) ebensosehr wie die der Philosophie; die Abschnitte Haupttendenzen der clandestinen Philosophie (5) und Okkulte Strömungen (6) behandeln gleichfalls Bereiche, die über die Philosophie hinausgehen, so etwa im ersteren die schöne Literatur; Die Vermittlung chinesischer Philosophie in Europa[2] (7); die beiden letzten gelten der Philosophiegeschichtsschreibung im 17. Jahrhundert (8) und der Geschichtlichen Darstellung der Philosophie des 17. Jahrhunderts (9), nämlich bis zur 1. Aufl. des Ueberweg (mit einer annotierten Bibliographie von dreißig deutschsprachigen bzw. ins Deutsche übersetzten Philosophiegeschichten, die zwischen 1742 - 1856 erschienen sind) sowie in den verschiedenen Auflagen des Grundrisses. Aus dem zweiten Teil sei Kap. 4 Staats- und Moralphilosophie herausgegriffen, das gleichfalls für die spanische Literatur des Goldenen Zeitalters von Bedeutung ist, so wie Baltasar Gracián ja eine zentrale Rolle in der Literaturgeschichte einnimmt. Die Abschnitte über den Machiavellismus und den Tacitismus schlagen den Bogen zu Teil 3. Italien, Kap. 1, õ 2, in dem dieselben Erscheinungen behandelt werden; dieser Abschnitt schließt übrigens mit einem Anhang Neuere Beiträge und Forschungen, Nachtrag 1997 (S. 563 - 568), da der Text des Beitrags selbst Mitte der 80er Jahr abgeschlossen war (ein Hinweis auf den in der vorstehenden Rezension thematisierten unterschiedlichen Berichtsstand der Beiträge in einunddemselben Band). Daß Die neue Wissenschaft (Kap. 3) mit Abschnitten über Galilei und seine Schule sowie solchen über die italienischen Akademien des 17. Jahrhunderts - die Accademia dei Lincei (in Rom, die heute noch als Accademia Nazionale dei Lincei besteht), die Accademia del Cimento in Florenz, die Accademia degli Inquieti in Bologna und die Accademia degli Investigatori in Neapel - breiten Raum einnimmt und die Wissenschaftshistoriker ebenso angeht, ist selbstverständlich. Ein Abschnitt ist den Atomisten, Naturphilosophen, Medizinern, Enzyklopädisten gewidmet; von den neun hier eingehender behandelten Personen stammen interessanterweise vier aus Frankreich und einer - Niels Stensen[3] - aus Dänemark, was anzeigt, welche Anziehung Italien damals nicht nur auf Literaten und Künstler ausübte. Auf die breite bibliographische Dokumentation sei eigens hingewiesen, wobei die Primärliteratur am Beginn des jeweiligen Textbeitrags verzeichnet ist, während die Sekundärliteratur kapitelweise am Schluß in der Abfolge des Textes zusammengefaßt wird, so daß man auf den Gedanken kommt, ob es nicht doch praktischer wäre, beides an der ersten Stelle zusammenzuführen.

Im Gegensatz zu dem vorstehend besprochenen Band für die antike Philosophie fehlt dem vorliegenden Band (wie auch den anderen Bänden dieser Abteilung) ein Sachregister. Er begnügt sich mit einem Namenregister, das außer den behandelten Personen auch Drucker und Verleger des 17. Jahrhunderts berücksichtigt, darüber hinaus Personen früherer Jahrhunderte, die auf die Philosophie des 17. Jahrhunderts gewirkt haben, ferner die Verfasser der Sekundärliteratur; dazu kommen Namen von Körperschaften: Akademien, religiöse Orden, Universitäten (letztere unter dem deutschen Wort Universität mit Ortssitz normiert). Auch hier sind die Fundstellen mit Bezug auf den Text von denen auf die Literatur typographisch differenziert, dazu auch die Primär- von der Sekundärliteratur und darüber hinaus sind die hauptsächlichen Fundstellen durch Fettdruck markiert.

Klaus Schreiber


[1]
Bd. 2. Frankreich und Niederlande / hrsg. von Jean-Pierre Schobinger. - 1993. - Halbbd. 1 - 2. - XXXIII, 1144 S. - ISBN 3-7965-0934-7 : SFr. 230.00, DM 276.00. - Rez.: IFB 94-3/4-420.
Bd. 3. England / hrsg. von Jean-Pierre Schobinger. - 1988. - Halbbd. 1 - 2. - XXXIV, 874 S. - ISBN 3-7965-0872-3 : SFr. 160.00, DM 195.00. - Rez.: ABUN in ZfBB 36 (1989),2, S. 139 - 141. (zurück)
[2]
Vgl. die folgende Rezension der Bibliographie von S. Zoli L'Europa libertina, die ergänzende Literaturangaben enthält. (zurück)
[3]
Im Verzeichnis der Literatur über Niccol• Stenone (wie er seinen Namen italianisierte) fehlt S. 962 - 963 die bei weitem umfangreichste subjektive und objektive Personalbibliographie: Bibliographia Nicolai Stenonis / Michael Jensen. - Morke : Forlaget Impetus, 1986. - 96 S. ; 29 cm. - ISBN 87-88643-02-6. (zurück)

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