Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 8(2000) 1/4
[ Bestand im SWB ]

Referenzbibliografie Medien


00-1/4-084
Referenzbibliografie Medien : Bibliografien, Handbücher und Fachzeitschriften zur Massenkommunikation / Thomas Schuster. - Konstanz : UVK Medien, 2000. - 300 S. ; 21 cm. - ISBN 3-89669-258-5 : DM 58.00
[5915]

Der Titel klingt ungewöhnlich und gut: Er weist unbestimmt auf ein Bücherverzeichnis hin, das in einem gewissen distanzierten Bezug zu seinem Thema "Medien" steht; "Referenz" meint laut Fremdwörter-Duden "Empfehlung, Beziehung": Daß der Titel keine empfehlende Bibliographie einleitet, wird angesichts der unkommentierten Titellisten schon beim allerersten Blick in das Buch klar, demnach müßten die verzeichneten Titel in irgendeiner "Beziehung" zum Thema "Medien" stehen, - aber in welcher? Schuster führt uns zunächst in die Irre: "Die vorliegende Medien-Bibliografie enthält Material vom Verbands-Organ kalifornischer Spargel- und Blumenkohlzüchter bis zur neuseeländischen Zeitschrift für Medienforschung" (S. 11) läßt er seine Einleitung beginnen. Entgegen dieser Behauptung enthält der Band jedoch nur Titel zum Thema Massenkommunikation. Das Verbandsorgan der kalifornischen Gemüsezüchter wird dankenswerterweise nicht verzeichnet, sondern nur die Bibliographie, in der das Organ aufgeführt ist. Allerdings läßt sich nur aus der kursorischen Lektüre der aufgelisteten Bibliographientitel heraus vermuten, in welchem Verzeichnis oder in welchen Verzeichnissen es zu suchen sei.

Schuster gliedert seine Bibliographie in die neun Hauptkapitel "Massenmedien / Presse / Hörfunk / Fernsehen / Film / Telekommunikation / Journalismus / Public Relations / Marketing", die jeweils wieder in drei Abschnitte "Bibliografien / Enzyklopädien, Handbücher, Lexika / Zeitschriften und Jahrbücher" unterteilt werden. In ihnen folgen durchnumeriert (bis 6.622) und in der alphabetischen Folge der Autoren oder Herausgeber (Personen resp. Körperschaften) oder der Sachtitel (im Fall der Zeitschriften) die knappen bibliographischen Hinweise (Autoren resp. Herausgeber, Sachtitel, Erscheinungsort: Verlag, nicht immer und nicht zuverlässig Erscheinungsjahr(e) und leider keine Umfangsangaben oder bei Periodika Periodizitätsangaben, hier zwar Vorwärtsverknüpfungen, aber keine Rückwärtsverknüpfungen). Durchaus üblich sind Mehrfacheintragungen der Art "inhaltlich in mehreren Hauptkapiteln" und "formal in mehreren Abschnitten". Im Falle mehrfacher inhaltlicher Zuordnung mag man das noch goutieren, da man so mehrfach auf die "allgemeinen" Titel hingewiesen wird, die sonst vielleicht und zu Unrecht nicht zur Kenntnis genommen würden. Allerdings ist leicht zu bemerken, daß inhaltliche Mehrfacheintragungen auf dem Auftauchen von entsprechenden Begriffen im Titel oder in den Titelzusätzen und nicht auf Autopsie beruhen. Im Falle mehrfacher formaler Zuordnung (etwa als Enzyklopädie und als Jahrbuch) ist man schneller geneigt, dies zu verübeln, da es auf mangelnde Stringenz in der formalen Zuordnung resp. auf die Bildung nicht trennscharfer Kategorien ("periodische Nachschlagewerke"?) oder auf beides hindeutet. Der Anteil der Mehrfachnennungen ist schwerlich abzuschätzen, dürfte aber zwischen 25 % und 33 % liegen.

Zwei Register sollen ergänzende Hilfen für das Aufspüren bibliographischer Hinweise bieten: Das Personenregister nennt alle in den Titelaufführungen erwähnten Autoren und Herausgeber und verweist auf die Titelnummern; das Sachregister führt dementsprechend in zweigestufter Gliederung recht allgemeine Sachbegriffe und Ländernamen auf. Leider wird von den Sachbegriffen gelegentlich auf bis zu 150 und mehr Titelnummern verwiesen, - hier hätte sicher noch nachgebessert werden können. Vermißt wird jedoch ein Register aller Titel und Titelvarianten, da ja die Bibliographien und Nachschlagewerke unter den Namen ihrer Autoren und Herausgeber verzeichnet werden und auch im Falle der Zeitschriften diese nicht immer unter ihrem Titel aufzufinden sind.

In der Einleitung schreibt Schuster, daß er die Bibliographie im wesentlichen auf der Basis von Internet-Recherchen in den Bibliothekskatalogen der Library of Congress, der Deutschen Bibliothek und der Bibliothek der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam mit Hilfe zweier Mitarbeiter innerhalb eines halben Jahres zusammengestellt hat. Er habe dabei eine ausgewogene Mischung aus Spezial- und Grundlagenliteratur zum Ziel gehabt und habe daher vor allem im Fall der Nachschlagewerke stark ausgewählt. Man darf ergänzen, daß er doch auch im Fall der Zeitschriften stärker hätte auswählen sollen, - vielleicht nicht so sehr um "allzu esoterische Einträge zu eliminieren" (S. 14), sondern um auf allzu entfernte und für eine Autopsie schwer zu erreichende lokale und regionale Berufs- und Verbandszeitschriften aus den USA und Kanada zu verzichten. Dazu wäre aber eine Autopsie oder der Versuch einer Autopsie unumgänglich gewesen, - ihr Fehlen erweist sich als das grundlegende methodische Manko der Bibliographie. Zwar wäre die Bibliographie dann nicht in einem halben Jahr zustande gekommen, besäße aber eine solidere methodische Grundlage, als es Katalogrecherchen nun leider einmal sein können. Vielleicht hätten dann statt regionaler US-amerikanischer Zeitschriften naheliegendere und "wichtigere" Bibliographien, Nachschlagewerke und Fachzeitschriften aus den europäischen Ländern aufgenommen werden können, auf deren Nachweis Schuster unverständlicherweise ganz und gar verzichtet. Die Aufführung von versteckten oder unselbständig veröffentlichten Bibliographien zu erwarten, wäre in jedem Fall zu hoch gegriffen, - ihr generelles Fehlen sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Schwerer wiegt da schon das Fehlen jeglicher Internet-Adressen, unter denen inzwischen in unübersichtlicher Menge und Güte ergänzende oder ähnliche Literatur- und Sachhinweise angeboten werden, - sie in einem Buch aufzulisten, mag zwar unangemessen erscheinen, Schuster übergeht dies Thema aber schlichtweg.

Dennoch finden wir hier eine Bibliographie vor, die so vor noch wenigen Jahren gar nicht hätte erstellt resp. nur von ganz anderen Voraussetzungen ausgehend hätte aufgebaut werden können. Internet-Recherche in Bibliothekskatalogen und anderswo, schnelle, rechnerunterstützte Aufbereitung und der "Mut zur Lücke" sind unabdingbare Voraussetzungen solch einer Bibliographie. Sie genutzt zu haben und so bei aller Unzulänglichkeit eine wesentliche Lücke im Medienliteratur-Angebot wenn schon nicht geschlossen, so doch aber gefüllt zu haben, dafür sei Schuster gedankt.

Wilbert Ubbens


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