Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 8(2000) 1/4
[ Bestand im SWB ]

L'édition française


00-1/4-082
L'édition française : depuis 1945 / sous la direction de Pascal Fouché. - [Paris] : Éditions du Cercle de la Librairie, 1998. - 933 S. : zahlr. Ill. ; 31 cm. - ISBN 2-7654-0708-8 : FF 990.00
[4884]

Frankreich verfügt in der Histoire de l'édition française[1] über eine vorzügliche, moderne, reich bebilderte Darstellung seiner Verlagsgeschichte, die vom Mittelalter bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit bis 1950 reicht. Als deren Fortsetzung für die letzten fünfzig Jahre kann man den hier besprochenen Band ansehen, auch wenn es sich bei ihm weniger um eine abgerundete Geschichte, denn um ein Panorama aus vielen einzelnen Aspekten handelt. Der Band besteht aus zwei fast gleich langen Teilen. Der erste enthält 16 Kapitel über unterschiedliche Verlagsbereiche: schöne Literatur, Geistes- und Sozialwissenschaften (2 Kapitel), Buchklubs, Taschenbuch, Kunstbuch, Kinderbuch, Comics, religiöses Buch, Schul- und Lehrbuch, Fachbuch, populäres Sachbuch, Nachschlagewerke (2 Kapitel), elektronisches Publizieren. Die von Fachleuten stammenden Beiträge sind von größter Unterschiedlichkeit. Nur drei Beispiele: L'édition de la bande dessinée (S. 250 - 277) von dem Comics-Spezialisten Patrick Gaumer[2] besteht aus einem historischen Überblick gegliedert nach Zehnjahres-Schnitten und Kurzartikeln über die wichtigsten französischen Comics-Verlage mit ihren Erfolgstiteln; nichts dagegen zur wirtschaftlichen Bedeutung dieses Verlagszweiges, keine Statistiken und ähnlich "harte Fakten". Mit Statistiken und Tabellen ist dagegen der Beitrag L'édition religieuse en France (S. 278 - 311) von Pater Michel Albaric gespickt, mit besonderen Abschnitten über die drei Reformbewegungen, die nachhaltigen Einfluß auf die Buchproduktion hatten: Bibel, Patristik, Liturgie. Das Kapitel über die Enzyklopädien enthält eine Chronologie der wichtigsten Neuerscheinungen auf diesem Gebiet mit kurzen Charakteristika (und zwei "Kästen" für die beiden aus der Masse herausragenden Werke, die thematische Encyclopédie française und die Encyclop‘dia universalis).

Die neun Kapitel des zweiten Teils unter dem Motto Verlage im Wandel sind folgenden Bereichen zugeordnet: Große Entwicklungslinien (Verlagsstrategien; das graphische Gewerbe von der Mechanisierung zur Digitalisierung; graphische Gestaltung); Beziehungen zum Staat[3] (u.a. Urheberrecht, Preisbindung, Informationsfreiheit und mit einem langen Kapitel über die Zensur); Wirtschaftliche Aspekte (mit Kapiteln über Werbung; Verlagskonzentration; Wachstum und Krise).

Obwohl im Inhaltsverzeichnis dem zweiten Teil zugeschlagen, nehmen die drei folgenden Kapitel, die dem Register vorausgehen, eine Sonderstellung ein und haben zugleich den Charakter von versteckten Nachschlagewerken: 1. Alphabetisch geordnete, gezeichnete Artikel über die bekanntesten Verlage (leider ohne Literaturangaben) und ohne Wiederholung - aber auch ohne Verweisung auf die vorstehend erwähnte Zusammenstellung der Comics-Verlage (S. 739 - 800); das Studium dieser Artikel sei allen Fachreferenten und Mitarbeitern der Erwerbungsabteilungen empfohlen, die französische Bücher kaufen; 2. Detaillierte Chronologie wichtiger Ereignisse aus dem Verlagswesen (S. 801 - 849); 3. Titelreiche, sachlich (unter Berücksichtigung der Kapitel des Bandes) gegliederte Bibliographie (S. 851 - 866).

Besonders zu erwähnen ist die reiche, vielfach farbige Bebilderung: Akteure des Verlagswesen, vor allem aber ihre Produkte. Wer, wie der Rezensent, fast die gesamte hier dargestellte Epoche als Leser französischer Bücher erlebt hat, kann sich beim Blättern nostalgischer Reminiszenzen kaum erwehren. Insgesamt können andere Länder mit bedeutendem Verlagswesen die französischen Kollegen um diese aufwendig gemachte, informative Publikation beneiden.

Klaus Schreiber


[1]
Histoire de l'édition française / réalisée sous la direction générale de Henri-Jean Martin ... - [Paris] : Promodis. - 1 (1983) - 4 (1986). - Paperbackausg.: Paris : Fayard ; Cercle de la Librairie. - 1 (1989) - 4 (1991). (zurück)
[2]
S.u. (IFB 00-1/4-244) die Rezension seines Dictionnaire mondial de la bande dessinée. (zurück)
[3]
Die Beziehung zwischen der Lektüre und der sich seit der Nachkriegszeit tiefgreifend wandelnden französischen Gesellschaft untersucht die folgende Studie:
Lire des livres en France : des années 1930 à 2000 / par Nicole Robine. - Paris : Cercle de la Librairie, 2000. - 260 S. ; 24 cm. - (Collection bibliothèques). - ISBN 2-7654-0782-7 : FF 250.00 [5952].
Im Anhang (S. 185 - 254) ein ausführlich kommentiertes Verzeichnis von 50 chronologisch (von 1955 - 1999) geordneten Untersuchungen und Umfragen zum Leseverhalten der Franzosen. (zurück)

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