Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 8(2000) 1/4
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Kleine Bibliotheksgeschichte


00-1/4-070
Kleine Bibliotheksgeschichte / von Uwe Jochum. - 2., durchges. und bibliogr. erg. Aufl. - Stuttgart : Reclam, 1999. - 232 S. ; 15 cm. - (Universal-Bibliothek ; 8915). - ISBN 3-15-008915-8 : DM 10.00
[5887]

Die zweite, durchgesehene Auflage von Uwe Jochums Kleiner Bibliotheksgeschichte erscheint zur rechten Zeit, da das Papier der Erstauflage von 1993[1] jetzt zu bräunen beginnt. Der Verlag hat den Reihentitel Reclam Wissen fallengelassen, der Autor seine Widmungsadressatin ausgewechselt. Jochums Text von 1993 hat an Lebendigkeit und Aktualität nicht eingebüßt, zumal der Autor stets im Dialog mit der jüngeren Forschungsliteratur argumentierend sein Hauptaugenmerk auf die Höhen und Tiefen der Geschichte der deutschen Bibliotheken in den beiden letzten Jahrhunderten richtet. Auch vor Provokationen scheut er nicht zurück, wenn es darum geht, die Entwicklung des bibliothekarischen Berufsstandes seit Friedrich Adolf Eberts Manifest zur Bildung des Bibliothekars (2. Aufl. 1820) zu durchleuchten. Man hätte sich gewünscht, daß seine jüngste Kontroverse mit den 'Total Quality Managers' im Westen der deutschen Bibliothekslandschaft zur Sprache kommen würde, doch dafür reichte die vorgegebene Bogenzahl nicht aus.

Wie sein fleißig exzerpierter Vorgänger Wolfgang Schmitz[2] verliert auch Jochum kein Wort zur Rolle des Benutzers in der Institution Bibliothek. Ist und bleibt der Leser ein Störfaktor und Nichtsnutz in der deutschen Bibliotheksgeschichtsschreibung?

Bei der Durchsicht des Textes von 1993 sind nicht alle Versehen korrigiert worden. Gutenberg hat bestimmt nicht mit einer "Druckmaschine" (S. 79, Fn. 7) gearbeitet, sondern sich auf seine gute alte Handpresse verlassen. Das Benediktinerkloster "Pfävers" (S. 64) war in Pfäfers angesiedelt. Ein Mammutsatz auf Seite 124 läuft immer noch grammatisch aus dem Ruder ("Indem der Erlaß außerdem festlegte, welche Kenntnisse [...] zu verlangen waren, [...] hat er sicherlich den 'allgemeinen Mangel an Berufsgefühl' [...] beseitigen helfen"). Die Zahlen zur deutschen Buchproduktion im 19. Jahrhundert (S. 131) stammen aus der unseligen Arbeit von Ilsedore Rarisch,[3] die schon viele Köpfe verwirrt hat. Anzuraten ist die Lektüre des achten Kapitels in Reinhard Wittmanns Geschichte des deutschen Buchhandels.[4] Beim Umbruch des erweiterten und aktualisierten Literaturverzeichnisses ist zu guter Letzt Gerhart Lohse durch einen verrutschten Spiegelstrich zum Autor eines Aufsatzes von Hartwig Lohse gemacht worden.

Die kleinen Monita ändern nichts daran, daß Uwe Jochums faktenreiche, durchdachte und stilistisch ausgefeilte Kleine Bibliotheksgeschichte vorerst keine Konkurrenz zu fürchten hat. Schon des Schnäppchenpreises wegen sollte jeder, der über die gegenwärtigen Umbrüche in den Bibliotheken aller Sparten nachzudenken gewillt ist, das ermutigende und zuweilen aufmüpfige Taschenbuch zur Hand nehmen.

Horst Meyer


[1]
1. Aufl. - 1993. - 232 S. (zurück)
[2]
Deutsche Bibliotheksgeschichte / Wolfgang Schmitz. - Bern [u.a.] : Lang, 1984. - 257 S. - (Germanistische Lehrbuchsammlung ; 52). - ISBN 3-261-03216-0. (zurück)
[3]
Industrialisierung und Literatur : Buchproduktion, Verlagswesen und Buchhandel in Deutschland im 19. Jahrhundert in ihrem statistischen Zusammenhang / Ilsedore Rarisch. - Berlin : Colloquium-Verlag, 1976. - 105 S. : Ill. - (Historische und pädagogische Studien ; 6). - ISBN 3-7678-0393-3. (zurück)
[4]
Geschichte des deutschen Buchhandels / Reinhard Wittmann. - Durchges. und erw. Aufl. - München : Beck, 1999. - 493 S. ; 19 cm. - (Beck'sche Reihe ; 1304). - ISBN 3-406-42104-0 : DM 26.00 [5468]. - Rez.: IFB 99-1/4-104. (zurück)

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