Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 8(2000) 1/4
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Deutsche biographische Enzyklopädie


00-1/4-051
Deutsche biographische Enzyklopädie : (DBE) / hrsg. von Walther Killy und Rudolf Vierhaus. - München [u.a.] : Saur. - 25 cm. - Bd. 1 - 3 hrsg. von Walther Killy. - ISBN 3-598-23160-1 (Grundwerk Bd. 1 - 10) : DM 3980.00, DM 3600.00 (Vorauszahlungspr. bis 30.06.1998)
[2688] [5152]
Bd. 10. Thibaut - Zycha. - 1999. - XXIV, 711 S. - ISBN 3-598-23170-9 : DM 448.00, DM 398.00 (Vorauszahlungspr.)
Bd. 11,1. Nachträge, Personenregister A - Ha. - 2000. - XXIII, 644 S. - ISBN 3-598-23171-7 : 696.00, DM 596.00 (für Bezieher des Grundwerks; Preise jeweils mit Bd. 11,2) Bd. 11,2. Personenregister He - Z. - 2000. - S. 645 - 1323. - ISBN 3-598-23171-7 : DM 696.00, DM 596.00 (für Bezieher des Grundwerks; Preise jeweils mit Bd. 11,1)
00-1/4-052
Das große biographische Lexikon der Deutschen : über 2000 Persönlichkeiten aus dem deutschsprachigen Kulturraum / auf der Grundlage der "Deutschen biographischen Enzyklopädie" hrsg. von Walter Killy und Rudolf Vierhaus. Ausgew., neu zsgest. und um einen Anhang erw. von Toni Meissner unter Mitarb. von Jürgen Lotz. - Exklusive, neu zsgest. und erg. Lizenzausg. - [Rheda-Wiedenbrück ; Gütersloh] : RM-Buch-und-Medien-Vertrieb [u.a.], 1999. - XXXVI, 788 S. ; 25 cm. - Lizenz des Verlags Saur, München. - DM 34.90 (nur für Mitglieder)
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Die sehr ausführliche und kritische Rezension der Deutschen biographischen Enzyklopädie (DBE) in IFB 99-B09-300 berücksichtigte die Bd. 1 (1995) - 9 (1998). Mit dem hier nur der Vollständigkeit halber angezeigten Bd. 10 (1999), der im Juni herauskam, lag das Grundwerk nach fünf Jahren abgeschlossen vor, eine in der Tat eindrucksvolle Leistung, die allerdings primär damit zu erklären ist, daß von den ca. 60.000 Artikeln nur ca. 1000 auf ausführliche Biographien entfallen, während es sich bei der Masse der ca. 59.000 Kurzartikel zumeist um mehr oder weniger gelungene 'Abstracts' aus anderen Quellen handelt.[1] Auch die zwanzig zweispaltigen Seiten mit Corrigenda (s.u.) sind primär dem Bearbeitungstempo anzulasten. Außer dem Bd. 12 mit dem Orts- und Berufsregister war damals auch bereits ein Bd. 11 mit Nachträgen und Personenregister angekündigt, der ursprünglich Ende 1999 erscheinen sollte und der dann Anfang März 2000 in zwei Teilbänden bei den Subskribenten einging. Er besteht - neben dem aus dem Grundwerk bekannten Verzeichnis der häufig benutzten Werke und dem Verzeichnis der abgekürzt zitierten Literatur[2] - aus vier, nach Umfang sehr ungleichen Teilen:

1. Nachträge zum Grundwerk, d.h. "Artikel zu mehr als 1200 Personen, die während der Erarbeitung des Werkes verstorben sind oder zunächst nicht berücksichtigt wurden" (alle Zitate, soweit nicht anders angegeben, aus den Hinweisen für den Benutzer, S. VII). Wenn man billigerweise die Grenze mit dem Todesjahr 1994 beginnen läßt, so entfallen von den 54 Namen im Alphabetabschnitt A 26 auf die Zeit bis 1993, darunter auch Namen aus früheren Jahrhunderten und 28 auf die Zeit ab 1994, darunter mehrere erst kurz vor Redaktionsschluß Verstorbene (H. Albers gest. 14.10.1999). Es handelt sich bis auf eine Ausnahme um nicht gezeichnete Kurzbiographien,[3] auch wenn viele Artikel ausführlicher sind als der Durchschnittsartikel im Grundwerk; der gezeichnete Langartikel im selben Alphabetabschnitt ist der am 16.6.1999 verstorbenen schweizerischen Kabarettistin Elsie Attenhofer gewidmet. Auch in den folgenden Alphabetabschnitten ist die Zahl der gezeichneten Langartikel gering: von den insgesamt sieben derartigen Biographien im Abschnitt A - G gelten sechs jüngst Verstorbenen (außer der bereits genannten E. Attenhofer noch: H. Blumenberg, I. Bubis, Th. Eschenburg, A. Everding, O. Gigon); lediglich einer betrifft eine Person, die bereits im Grundwerk hätte erscheinen können (B. Groethuysen, gest. 1946). Bemerkenswert ist jedoch eine stillschweigende Korrektur der Gesamtzahl der enthaltenen Biographien: während man auf Grund der Angaben in Bd. 1 und der Verlagswerbung immer von insgesamt rund 60.000 Namen ausging (eine Zahl, die auch der Waschzettel auf der vorderen Innenseite des Schutzumschlags wiederholt), sind es lt. Benutzungshinweisen in Bd. 11 etwa 4000 weniger: "In der DBE werden rund 56.000 Personen mit einem Artikel dargestellt"; im Grunde sind es sogar über 5000 weniger, da man davon ausgehen kann, daß in den 56.000 Artikeln die "mehr als 1200 Personen" der Nachträge mitgezählt sind. Nach welchen Kriterien "zunächst nicht berücksichtigt(e)" Personen ausgewählt wurden, wird nirgends gesagt. Von offensichtlichen Lücken abgesehen, die jetzt geschlossen werden, verdanken die anderen wohl ihre Berücksichtigung primär der Auswertung neuer biographischer Sammelwerke.

2. Corrigenda zum Grundwerk (S. 189 - 208): "Korrekturen fehlerhafter Sachverhalte" sowie "inzwischen ermittelte Lebensdaten" (S. 189); ersterer Typ überwiegt, wobei relativ selten längere Ergänzungen vorgenommen wurden, so etwa bei G. Abb der im ursprünglichen Artikel fehlende Hinweis auf seine Tätigkeit während des Zweiten Weltkrieges[4] oder bei J. G. A. Galletti der auf sein bekanntestes Werk, beides Fälle, die in der genannten Rezension erwähnt wurden. Die Zahl der Fälle mit ergänzten Todesdaten könnte höher liegen, wenn die Redaktion alle ihr gemeldeten Daten eingearbeitet hätte.

3. Autoren- und Artikelverzeichnis (S. 209 - 241); gemeint sind in beiden Fällen die gezeichneten Langartikel. Es überwiegen Autoren, die nur einen oder wenige Artikel beigesteuert haben; solche mit vielen Artikeln rekrutieren sich weitgehend aus dem Kreis des wissenschaftlichen Beirats und der Redaktion; Spitzenreiter ist D. von Engelhardt mit 27 Biographien. Dank der Liste der signierten Artikel kann man deren Zahl exakt ermitteln: es sind 1006, eine Zahl, die den ursprünglichen Angaben entspricht.

4. Das Personenregister, das den großen Rest von Teilband 1 und den ganzen Teilband 2 einnimmt, enthält: 1. Namen mit eigenem Artikel mit Angabe von Beruf, Geburts- und Todesjahr und Fundstelle (in der Form Band/Seite); eine fett gesetzte Fundstelle weist auf einen Artikel hin, Erwähnungen dieser Personen innerhalb anderer Artikel (zitiert mit dem Namen und der Fundstelle) sind normal gesetzt; dazu kommen "weitere 14.000" Namen, die nur in anderen Artikeln erwähnt sind und die für den Registereintrag "nach Möglichkeit um Angaben zu Lebensdaten, Nationalität und Beruf ergänzt" wurden. Der Wert dieser zusätzlichen Fundstellen ist in beiden Fällen unterschiedlich; man stößt auf verwandtschaftliche oder sonstige Beziehungen, die häufig wenig aussagekräftig sind und deswegen enttäuschen. 2. Verweisungen von abweichenden Namensformen und Pseudonymen sowie Sammelverweisungen "von alternativen Namensformen ... auf mehrere Haupteinträge gleichnamiger Personen" (S. VII).

Klaus Schreiber

War die gesamte DBE schon in einer preisgünstigen Ausgabe für die Mitglieder der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft erschienen und dazu im Originalverlag zu einem Jubiläumspreis,[5] so setzt die Verwertung von Teilen nicht, wie man hätte erwarten können, im Originalverlag ein, sondern mit einer für die Buchclubs von Bertelsmann eingerichteten Auswahl von "über 2000 Persönlichkeiten". Nach Stichproben zu schließen wurden in unveränderter Form nur 75 % der gezeichneten Langartikel übernommen[6] und diese durch Hinzufügung von Kurzartikeln mehr als verdoppelt. Besondere Auswahlkriterien kommen also nur bei letzteren zum Tragen, doch gibt die Vorbemerkung von Toni Meissner in dieser Hinsicht nicht viel her und ebensowenig der Beitrag Aspekte geschichtlicher Größe aus derselben Feder (S. VIII - XIV). Neu ist lediglich ein Anhang mit 82 Deutschen Persönlichkeiten der Gegenwart (S. 759 - 788) mit Lang- und Kurzbiographien noch Lebender, verfaßt von Meissner und Jürgen Lotz[7] und - in Anlehnung an den Stil der DBE - entweder mit deren vollem Namen oder mit Namenskürzel gezeichnet. Die Auswahl ist (wie in der Vorbemerkung angekündigt) ganz einseitig, entfällt doch genau die Hälfte der Biographien auf Vertreter der darstellenden Künste und der Musik, während die an nächster Stelle folgenden Schriftsteller (einschließlich Literaturkritikern) es auf 11 bringen und die restlichen Gruppen unter 10 bleiben (z.B. Politik 7, Sport 6). Herr Bahners wird diesen Auswahlband wohl kaum besprechen.

Klaus Schreiber


[1]
Das ist einer der beiden Kritikpunkte, die Patrick Bahners in seiner mit provozierenden Formulierungen gespickten Rezension der DBE in der Frankfurter Allgemeinen (99-11-30, S. L 33) hervorhebt und der ihm das Bonmot eingab, die DBE als "dieses gewaltige Abschreibeunternehmen" zu bezeichnen. Der andere Kritikpunkt zielt auf fehlende Namen und beides faßt die in der Überschrift der Rezension ausgesprochene Empfehlung zusammen: "Darf in einem gebildeten Haus fehlen." Es brauchte knapp einen Monat, bis der Herausgeber der DBE in einem Leserbrief (99-12-27, S. 8) zu deren Verteidigung antrat, der mit dem eher peinlichen Satz endet: "Im Übrigen vermute ich, dass er [d.h. 'der von mir als Publizist geschätzte Rezensent', wie ihm vorher geschmeichelt wird] das Angebot, einen langen Artikel für die DBE zu schreiben, nicht abgelehnt und eine vorzügliche biographische Skizze geliefert hätte."
Daß das nicht das letzte Wort sein konnte, war eigentlich klar, und so nutzt Andreas Platthaus in seiner Anzeige der Bd. 11 - 12 (FAZ. - 00-10-30, S. 57) die Gelegenheit, beiden Seiten etwas zu geben, nämlich der DBE ins Stammbuch zu schreiben, sie sei "immer noch nachtragend", was die Berücksichtigung gewisser Personen betrifft aber andererseits zu betonen, daß "die DBE ein überaus nützliches Werk (ist), das manche Namen durch die Zeit bewahren wird; wenn auch viele mit nicht mehr als zwanzig Zeilen." - Wieviel Korrespondenz zwischen Herausgebern und Verlag einerseits und Zeitung andererseits wohl erforderlich war? (zurück)
[2]
Hier findet sich auf S. XVIII (und so schon seit Bd. 8. 1998) unter Marcon ein Werk über Professoren und Dozenten der Wirtschafts- und Staatswissenschaften der Universität Tübingen, das angeblich in "Stuttgart (im Druck)" sei. Es war bis November 2000 nicht erschienen, soll aber nach Auskunft des Bearbeiters "definitiv im Jahr 2001 erscheinen". (zurück)
[3]
Unter den neu berücksichtigten Personen weiter hinten im Alphabet ist auch der 1997 verstorbene Julius Hackethal, dessen Kurzartikel Munzinger als Quelle nennt. Es heißt dort u.a. "Seit Mitte der achtziger Jahre setzte sich H. verstärkt für die humane Sterbehilfe ein, die er selbst mehrfach praktizierte ...". Die juristischen Folgen, die sich daraus für ihn ergaben, hält die DBE nicht für erwähnenswert, ebensowenig wie die Artikel über Hackethal in zwei anderen, in diesem Heft besprochenen biographischen Lexika (IFB 00-1/4-306 und -417). (zurück)
[4]
Ob er nun die "Hauptverwaltung der Bibliotheken im 'Generalgouvernement ...'" "leitete" oder ob er nur "ab 1940 kommissarischer Leiter" war, wie die an sich zuverlässige Quelle des Rezensenten berichtet, bleibe dahingestellt. Dafür fehlt weiterhin die wichtige Information, daß er Abteilungsdirektor an der Preußischen Staatsbibliothek war und dazu Verfasser des Beitrags über den Leihverkehr im Handbuch der Bibliothekswissenschaft. (zurück)
[5]
IFB 99-B09-300, Anm. 14 - 15. (zurück)
[6]
Geprüft auf Grund des Artikelverzeichnisses in Bd. 11,1: von 52 Namen des Alphabetabschnitts Bo - Bux (bereinigt um den einzigen Namen - Ignaz Bubis - des Ergänzungsbandes) fehlen 13, was z.T. (etwa A. Böckh, F. Bopp) im Hinblick auf den Benutzerkreis angeht. Nicht erklärlich ist dagegen das Fehlen des Dichters Brentano, während der Außenminister gleichen Namens mit einem Kurzartikel vertreten ist; auch im folgenden glaubt man eher an eine Unachtsamkeit, wenn zwar der Verleger Max Brockhaus mit einem Kurzartikel vertreten ist, nicht dagegen sein viel berühmterer Namensvetter Friedrich Arnold, dessen Artikel von einem berühmten zeitgenössischen Verleger stammt. Die Kriterien für die Berücksichtigung bzw. Nichtberücksichtigung der in diesem Abschnitt relativ zahlreich begegnenden Reformatoren würde man auch gerne erfahren. (zurück)
[7]
Über beide konnte der Rez. nichts in Erfahrung bringen. Die Auswahl für den Hauptteil und das Supplement gehen allein auf das Konto des Lizenznehmers. (zurück)

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