Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 8(2000) 1/4
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Jüdisches Kinderleben im Spiegel jüdischer Kinderbücher


00-1/4-032
Jüdisches Kinderleben im Spiegel jüdischer Kinderbücher : eine Ausstellung der Universitätsbibliothek Oldenburg mit dem Kindheitsmuseum Marburg. [Katalog zur 17. Ausstellung der Universitätsbibliothek im Rahmen der Oldenburger Kinder- und Jugendbuchmesse 1998 im Stadtmuseum Oldenburg aus den Beständen der Universitätsbibliothek Oldenburg, dem Kindheitsmuseum Marburg und anderen Bibliotheken] / hrsg. von Helge-Ulrike Hyams ... - Oldenburg : BIS, Bibliotheks- und Informationssystem der Univ. Oldenburg, 1998. - 475 S. : Ill. ; 26 cm. - S. 285 - 474: Bibliographischer Teil. - ISBN 3-8142-0644-4 : DM 50.00. - (BIS, Verlag, Uhlhornsweg 49 - 55, 26129 Oldenburg)
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Die Universitätsbibliothek Oldenburg, die seit achtzehn Jahren alljährlich Ausstellungen zur Kinder- und Jugendliteratur veranstaltet, wandte sich 1998 dem "jüdischen Kinderleben im Spiegel jüdischer Kinderbücher" zu. Im umfangreichen Ausstellungskatalog haben vierundzwanzig Autoren aus verschiedenen Blickwinkeln jüdisches Kinderleben und jüdische Kinderbücher beschrieben. Die Beiträge reichen von persönlich gefärbten Berichten über literaturwissenschaftliche Erörterungen bis hin zu sozialhistorischen Darstellungen. Fast alle Beiträge sind von nichtjüdischen Autoren verfaßt worden. Behandelt wird der Zeitraum von der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis zum Nationalsozialismus. Die Beiträge zeigen, "daß die Geschichte der jüdischen Kindheit in Deutschland eine Geschichte der Assimilation war. Aus den Ghettojuden in ihrer aufgezwungenen wie freigewählten Ausgrenzung wurden die deutschen Juden oder jüdischen Deutschen. Dieser historische Prozeß findet sich im jüdischen Kindheitserleben, in den Träumen und Wünschen und eben in den Lebensgewohnheiten wieder."

Es wird deutlich gesagt, was ein jüdisches Kinderbuch von anderen unterscheidet. "In jüdischen Kinderbüchern wird ausgesprochen jüdisches Leben vermittelt." Ein "jüdischer Rhythmus bestimmt das Leben, und das ist im jüdischen Kinderbuch reflektiert." Der Tageslauf, die Mahlzeiten und Feste sind mit Ritualen verbunden, über die im jüdischen Kinderbuch berichtet wird. So wird vornehmlich vom orthodoxen Judentum berichtet. Die Kriterien fordern, daß nicht einfach Kinderbuchautoren jüdischer Herkunft verzeichnet wurden. Else Ury z.B. wird man vergebens suchen, nicht die Herkunft ist entscheidend, sondern der Inhalt. So sind nicht alle der verzeichneten Kinderbücher von jüdischen Autoren geschrieben. Es finden sich auch Titel von Franz Hoffmann, Louise Pichler, Oskar Höcker, Annette von Droste-Hülshoff, Ferdinand Schmids u.a.

Der Bibliographische Teil verzeichnet 422 Titel, die in 12 Sach- oder Genre-Gruppen aufgeführt werden. Angefangen von ABC-Büchern, über biblische Geschichten bis hin zu Unterhaltungsbüchern und Kalendarien wird ein breites Spektrum sichtbar, in dem sich auch die besonderen Themen der jüdischen Zionismusliteratur widerspiegelt, ebenso wie die originär für die Kinder verfaßte Hagada mit den Pessach-Erzählungen, die bei der Seder-Mahlzeit vorgelesen werden, und schließlich die letzten noch bis zum Jahr 1936 in Deutschland gedruckten Bücher für jüdische Kinder und Jugendliche.

Alle Titelaufnahmen wurden nach Autopsie angefertigt und mit Standortangaben bzw. Namen des Leihgebers versehen. Die ausführlichen Annotationen sind namentlich gezeichnet und erläutern Inhalt und Bedeutung des Werkes. Die ausgestellten Bücher stammen zum größten Teil aus dem Bestand der Sammlung Hyams des Marburger Kindheitsmuseums und wurden durch Exponate der UB Oldenburg u.a. Bibliotheken ergänzt. Die Bibliographie wird durch Personen- und Titelregister erschlossen, dagegen leider nicht die Wissenschaftlichen Beiträge, obwohl auf den über 280 zweispaltigen Textseiten zahlreiche Kinderbücher behandelt oder erwähnt werden. Der Katalog ergänzt sehr gut die umfangreiche Bibliographie Deutsch-jüdische Kinder- und Jugendliteratur von der Haskala bis 1945,[1] auf die unverständlicherweise nicht hingewiesen wird. Man findet ihren Titel lediglich in den Literaturangaben des letzten Beitrages; sonst wird sie nirgends erwähnt.

Die "deutsch jüdische Kindheitsgeschichte" sollte anschaulich gemacht werden. Es sollte "ein Einblick in die durch Religion und Tradition geprägte Kultur vermittelt werden." Das ist mit dem durch zahlreiche Photos und Abbildungen aus Kinderbüchern großzügig ausgestatteten Katalog gelungen.

Heinz Wegehaupt


[1]
Deutsch-jüdische Kinder- und Jugendliteratur von der Haskala bis 1945 : die deutsch- und hebräischsprachigen Schriften des deutschsprachigen Raums ; ein bibliographisches Handbuch / Zohar Shavit und Hans-Heino Ewers. In Zsarb. mit Annegret Völpel und Ran HaCohen und unter Mitwirkung von Dieter Richter. - Stuttgart ; Weimar : Metzler, 1996. - Bd. 1 - 2. - 1495 S. : Ill. ; 25 cm. - ISBN 3-476-01421-5 : DM 398.00 [3613]. - Rez.: IFB 97-1/2-069. (zurück)

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