Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 8(2000) 1/4
[ Bestand im SWB ]

Personennamen des Mittelalters


00-1/4-031
Personennamen des Mittelalters : PMA ; Namensformen für 13.000 Personen gemäß den Regeln für die Alphabetische Katalogisierung (RAK) = Nomina scriptorum medii aevi = Personal names of the middle ages / Bayerische Staatsbibliothek. Red. Bearb. Claudia Fabian. - 2. erw. Ausg. - München : Saur, 2000. - XXIII, 696 S. ; 30 cm. - ISBN 3-598-11400-1 : DM 248.00
[5917]

In beträchtlich erweitertem Umfang legen die an der Bayerischen Staatsbibliothek unter der Leitung von Claudia Fabian tätigen Mitarbeiter die zweite Auflage der Personennamen des Mittelalters vor. Die 1989 - 1992 erschienene erste Auflage in zwei Bänden und einem Supplement[1] umfaßte insgesamt 4286 Namen, die Neubearbeitung bringt es auf die imposante Zahl von über 13.200 Personen; der Umfang hat sich somit mehr als verdreifacht. Diese bedeutende Ausweitung ist einer systematischen Auswertung einschlägiger Lexika und Repertorien zu verdanken; dem Verzeichnis der Namen geht eine Liste von 15 vollständig ausgewerteten Nachschlagewerken voraus (das Lexikon des Mittelalters und das Verfasserlexikon, 1998 bzw. 1999 abgeschlossen, konnten vollständig von A bis Z ausgeschöpft werden). Auch nach dieser beträchtlichen Vermehrung ist jedoch mit zahlreichen Neuzugängen zu rechnen, die über die laufend aktualisierte Personennamendatei (PND) zu suchen sind. Eine zusätzliche, bequem zu benutzende Quelle für Personennamen wäre etwa die Bibliographie Medioevo latino, deren jährlich erscheinende Bände sowohl ein aus der aktuellen Forschungsliteratur zusammengestelltes Autorenverzeichnis als auch - seit Bd. 17 (1996) - eine aus neu erschienenen Handschriftenkatalogen exzerpierte Zusammenstellung von Autoren und Texten umfassen.[2] Trotz der Vervielfachung der enthaltenen Einträge und Verweisungen ist der Umfang dank typographischer Komprimierung (fünf Spalten je Seite) nicht gewachsen; die Benutzer werden es zu schätzen wissen, nur noch mit einem einzigen Band hantieren zu müssen.

Auf die bekannten Schwierigkeiten einer normierten Ansetzung mittelalterlicher Namen muß an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Die Grundprinzipien bei Auswahl und Ansetzung sind gegenüber der ersten Auflage unverändert geblieben. Die Einführung informiert darüber, wie die Regeln für die alphabetische Katalogisierung (RAK) für das vorliegende Repertorium angewandt wurden, distanziert sich aber auch zu Recht von der Forderung nach einem allumfassenden Regelwerk: "Eine Normdatei ist das beste Mittel, um eine einheitliche Ansetzung zu gewährleisten, weit geeigneter als das noch so präzise Formulieren von Regeln, die legitimerweise in der Anwendung zu unterschiedlichen Ergebnissen führen können, und in ihrer Komplexität und Kasuistik kaum zu überblicken wären" (S. X).

In PMA aufgenommen sind Personen aus dem griechischen, lateinischen und arabischen Bereich, die nach 500 und vor 1501 gestorben sind. Zum ganz überwiegenden Teil handelt es sich bei den verzeichneten Personen um Autoren oder Veranlasser von Texten. Die Ansetzung erfolgt bei griechischen Verfassern unter der latinisierten Namensform, bei den übrigen Autoren in derjenigen Sprache, in der sie überwiegend ihre Werke verfaßt haben (dabei fallen gelegentlich Inkonsequenzen auf: Leonardo Bruni und andere Humanisten würde man z.B. nach diesem Prinzip eher mit latinisiertem Namen erwarten); die Namensform und den Titel weltlicher Fürsten findet man in der Sprache des jeweiligen Herrschaftsgebiets: den französischsprachigen Wilhelm den Eroberer also unter William <England, King, I.>. Die überaus zahlreichen Verweisungen sorgen in jedem Fall für ein rasches und bequemes Auffinden des jeweiligen Haupteintrags. Ausdrücklich wird in der Einführung hervorgehoben, daß gegenüber der Erstauflage in Reaktion "auf heftigen Widerspruch" (S. XV) lediglich drei Namen prominenter Autoren in der Ansetzung verändert wurden: es handelt sich um Abaelardus, Petrus statt Petrus <Abaelardus>, Walther statt Walter <von der Vogelweide> und Johannes <von Tepl> statt <von Saaz>. Bei der Ansetzung der lateinischen Namen mit I bzw. J ist nach wie vor zu beachten, daß die Namen biblischen Ursprungs mit J, alle übrigen mit I angesetzt werden: also Jacobus, Johannes, Jonas, Joseph usw., aber Iordanus, Iulianus, Iulius usw. Was die Ansetzung unter Vor- bzw. Familienname angeht, so wurde von Fall zu Fall in Anlehnung an die in den gängigen Lexika übliche Lemmatisierung entschieden. So finden sich die Mitglieder der Familie Alighieri an unterschiedlichen Stellen, denn die beiden Söhne des unter Dante Alighieri angesetzten Dichters sind als Alighieri, Jacopo und Alighieri, Pietro verzeichnet.

Ein außerordentlich erfreulicher Fortschritt besteht darin, daß bei den Haupteinträgen nicht nur die Lebensdaten der Autoren, sondern vielfach auch die Ordenszugehörigkeit, die wichtigsten Werke und Fundstellen in den herangezogenen Nachschlagewerken genannt werden. Es ist leicht nachvollziehbar, daß dies nicht ganz gleichmäßig, geschweige denn erschöpfend geschehen kann. Gleichwohl ist damit eine bedeutende Hilfestellung für weitere Recherchen gegeben. Im Einzelfall kann die Angabe eines Werktitels freilich über die vom betreffenden Autor bevorzugte Sprache täuschen, so etwa wenn bei Salutati, Coluccio lediglich das Epistolario genannt wird, das die lateinischen (Privat-) Briefe Salutatis umfaßt.

Die Fülle des Gebotenen wird sowohl der einheitlichen Beschreibung von Handschriften zugute kommen als auch Online-Katalogrecherchen, zumal in ausländischen Katalogen. Die Ausrichtung nach der von den jeweiligen Verfassern bevorzugten Sprache macht das Repertorium zu einem auch international wegweisenden Nachschlagewerk.

Christian Heitzmann


[1]
Personennamen des Mittelalters : PMA ; Ansetzungs- und Verweisungsformen gemäß den RAK / erarb. von der Bayerischen Staatsbibliothek. [Hrsg. von der Kommission des Deutschen Bibliotheksinstituts für Alphabetische Katalogisierung unter dem Vorsitz von Klaus Haller. Red. Bearb.: Claudia Fabian]. - Autorisierte Ausg. - Wiesbaden : Reichert. - 29 cm. - (Regeln für die alphabetische Katalogisierung ; 6) [1039]. - [Grundwerk]. - 1989. - T. 1 - 2. - ISBN 3-88226-475-3 : DM 198.00. - Rez.: ABUN in ZfBB 37 (1990),1, S. 39 - 42. - Suppl. - 1992. - IX, 147 S. - ISBN 3-88226-544-2 : DM 68.00. - Rez.: IFB 93-1/2-024. (zurück)
[2]
Vgl. die Besprechung der 1998 auf den Markt gekommenen CD-ROM mit der Literatur zu Autoren und Texten, die in den Bänden 1 (1980) - 10 (1989) von Medioevo latino verzeichnet ist in IFB 99-1/4-224. Die im zuletzt erschienenen Bd. 20 (1999) angezeigten Autoren und Titel können über die Homepage der herausgebenden Körperschaft SISMEL abgerufen werden: http://sismel.meri.unif.it (zurück)

Zurück an den Bildanfang