Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 8(2000) 1/4
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Bibliografia luganese del Settecento


00-1/4-026
Bibliografia luganese del Settecento : le edizioni Agnelli di Lugano ; libri, periodici / Callisto Caldelari. - Bellinzona : Casagrande, 1999. - 728 S. : zahlr. Ill. ; 28 cm. - (Strumenti storico-bibliografici ; 1). - ISBN 88-7713-275-1. : SFr. 130.00
[5691]

Vier Jahre nach seiner Bibliographie der Tessiner Drucke des 19. Jahrhunderts[1] legt der als Fachmann bestens ausgewiesene Kapuzinerpater Callisto Calderini als Bd. 1 der Verlagsreihe seine Bibliographie der in Lugano im 18. Jahrhundert gedruckten Werke vor. Dabei handelt es sich um den seltenen Fall, daß eine subjektive Regionalbibliographie inhaltlich identisch mit einer Druckerbibliographie ist, nämlich derjenigen der von 1746 - 1799 aktiven Offizin Agnelli, während von den drei anderen in Lugano im 18. Jahrhundert nachweisbaren Druckern (sie werden auf S. 690 - 693 vorgestellt) nur eine einzige Publikation überlebt hat. Die Druckerei Agnelli, ein Ableger der gleichnamigen, alteingesessenen Firma in Mailand, hatte nicht zuletzt deswegen ein europaweites Renommee, weil es in dem unter Schweizer Oberhoheit stehenden Lugano weniger Zensur gab, als in den italienischen Staaten. Das erklärt sowohl, daß Agnelli eine bedeutende Rolle bei der Publikation von antijesuitischen Traktaten spielte als auch die Existenz zahlreicher (meist venezianischer) Drucke mit dem fingierten Druckort Lugano.

Die Bibliographie verzeichnet zunächst die authentischen Drucke der Offizin Agnelli (unter Einschluß zahlreicher nur noch bibliographisch nachweisbarer) im Verfasser- bzw. Titelalphabet; es handelt sich um 401 Nummern (in Wirklichkeit wegen eingeschobener Nummern um 419 Drucke). Es folgen in derselben Anordnung die mit fingiertem Druckort Lugano in Umlauf gebrachten Publikationen (Nr. 420 - 527 mit fünf eingeschobenen Nummern).[2] Die bibliographische Beschreibung ist extrem ausführlich unter Angabe des Zeilenfalls, Besitznachweisen,[3] Fundstellen in Bibliographien und Katalogen sowie angereichert mit z.T. umfangreichen Annotationen, in denen aus den Vorwörtern etc. ebenso zitiert wird wie aus Rezensionen der zeitgenössischen Presse.[4] Auf ein chronologisches Verzeichnis der Drucke, wiederum getrennt nach echten und fingierten Impressa (S. 533 - 572), folgt die Bibliographie der drei von Agnelli veröffentlichten Periodika (S. 573 - 675), nämlich der von 1746 bis 1799 bestehenden Wochenzeitung Nuove di diverse corti e paesi (später: Gazzetta di Lugano), dem monatlichen Corrier zoppo [Hinkender Bote] sowie dem jährlichen Almanach Scuola di Minerva, jeweils mit Zitierung von Texten, die man heute als "Editorial" bezeichnet sowie einer Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse, über die berichtet wurde. Die Anhänge enthalten: 1. Drucke, die möglicherweise aus der Offizin Agnellis stammen; 2. Übersichten über die Drucke mit fingierten Druckorten; 3. die bereits erwähnten Informationen über die drei weiteren Luganer Drucker. Register: 1. der Sachbegriffe,[5] 2. der Personen, Körperschaften und Geographica. Besonders zu erwähnen ist die reiche Bebilderung - überwiegend Titelblätter - im Text und auf Tafeln.

Vorzügliches Beispiel für eine subjektive Regionalbibliographie, die auf die weiteren von Caldelari angekündigten Bände gespannt machen, nämlich einen solchen für die Akzidenzdrucksachen der Offizin Agnelli sowie vor allem eine Bibliographie der in den Periodika von Agnelli bzw. in den beiliegenden Novitätenlisten Libri nuovi verzeichneten Titel.

Klaus Schreiber


[1]
Bibliografia ticinese dell'Ottocento : libri, opuscoli, periodici / Callisto Caldelari. Con la collaborazione di Beatrice Lampietti. - Bellinzona : Casagrande. - 29 cm. - (Strumenti storico-bibliografici ; 2). - ISBN 88-7713-074-1 : SFr. 150.00 [3592]. - 1. A - L. - 1995. - 430 S. : Ill. - 2. M - Z. - 1995. - S. 450 - 877 : Ill. - Rez.: IFB 97-3/4-272. (zurück)
[2]
Die Zuschreibung an die Druckerei Agnelli bzw. die Abschreibung erfolgt primär an Hand des typographischen Befundes unter Berücksichtigung der Zierstücke, die auf S. 517 - 532 abgebildet sind. (zurück)
[3]
Die an Agnelli-Drucken reichste Bibliothek ist die des Kapuziner-Konvents in Lugano (Biblioteca Salita dei Frati di Lugano), die als einzige Klosterbibliothek im Tessin ihren Bestand unbeschadet über die Zeiten bis heute retten konnte. Eine Auswahl von 1198 Kleinschriften (mit einem Umfang zwischen 4 und 120 Seiten) von 1538 - 1850 enthält der folgende Katalog mit ausführlichen bibliographischen Beschreibungen:
Gli opuscoli in prosa della Biblioteca Salita dei Frati di Lugano : 1538 - 1850 ; inventario e studio critico / Stefano Barelli. - Bellinzona : Casagrande, 1998. - 236 S. : Ill. ; 28 cm. - (Strumenti storico-bibliografici ; 5). - ISBN 88-7713-276-0 : SFr. 68.00 [5947].
Am Register der Druckorte läßt sich der Schwerpunkt des Bestandes bei italienischen Drucken ablesen (es führen Lugano, Mailand und Venedig). Interessant ist der Index nach Fächern. Weitere Erschließung durch ein chronologisches Register (Schwerpunkt bei den fast gleichauf liegenden Publikationen der zweiten Hälfte des 18. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts; ein Register der Vorbesitzer sowie eines der Verfasser und sonstiger beteiligter Personen. (zurück)
[4]
Die ausgewerteten Zeitschriften sind auf S. 45 - 52 verzeichnet und verweisen für die besprochenen Titel auf die laufenden Nummern der Bibliographie. (zurück)
[5]
Hier auch unter Traduzioni Nachweise über die verzeichneten Übersetzungen, nach Sprachen auch noch einmal differenziert nachgewiesen unter der jeweiligen Sprache (z.B. Tedesco mit nur einem einzigen literarischen Werk, Salomon Gessners Idilli in der Übersetzung des Abate Ferri, Nr. 170). (zurück)

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