Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg // Südwestdeutscher Bibliotheksverbund
Rezension aus:
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 8(2000) 1/4
[ Bestand im SWB ]
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Seiten-Ansichten


00-1/4-017
Seiten-Ansichten : Buchkunst aus deutschen Handpressen und Verlagen seit 1945 ; die Sammlung des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg / Eduard Isphording. - Leipzig : Faber & Faber, 1999. - 287 S. : Ill. ; 28 cm. - ISBN 3-932545-43-5 : DM 98.00 (geb., Buchhandelsausg.)
[5875]
00-1/4-018
Seiten-Ansichten : Buchkunst aus deutschen Handpressen und Verlagen seit 1945 ; die Sammlung des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg / Eduard Isphording. - Leipzig : Faber & Faber ; Nürnberg : Verlag des Germanischen Nationalmuseums, 1999. - 287 S. : Ill. ; 28 cm. - (Kataloge des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg). - ISBN 3-926982-62-4 : DM 68.00 (br., Museumsausg.)
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Die Typographie verläßt das Papier und wird elektronisch: jeder kann Typograph sein. Viele merken nun, daß das, was sie sich ausdrucken, nicht befriedigend ist: Auf die Frage nach dem 'Wie besser?' werden nicht nur typographische Ratgeber, sondern wird die 'Handwerkskunst', werden Pressendrucke und Künstlerbücher neu in Wert gestellt. Seiten-Ansichten, der Katalog der Sammlung Buchkunst des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg mit seinen 1057 zum Teil (ca. 200) illustrierten Einträgen erscheint damit zu einem Zeitpunkt, zu dem mehr als 'nur' bibliophile Geister an ihm und der Sammlung Interesse finden werden.

Der Band annotiert lt. Klappentext den gesamten seit den 1960er Jahren gesammelten, nach 1945 erschienenen Bestand, tatsächlich wurde von einigen Editionen jedoch nur eine Auswahl nach Typographie und Ausstattung aufgenommen. Er ist dennoch einzig greifbares, aktuelles Werkverzeichnis[1] und (trotz der wenigen, kleinformatigen Reproduktionen) Streifzug durch die deutsche Buchkunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert. Die von etwa 350 Handpressen, Editionen, Verlagen, bibliophilen Gesellschaften, Hochschulen oder einzelnen Buchkünstlern herausgegebenen Bände erscheinen alphabetisch nach diesen; ein Register der Künstler und Typographen sowie ein separates der Autoren erschließen die Einträge zusätzlich.

Die Titelaufnahmen beschreiben die Objekte samt ihrer physischen Form, d.h. sowohl Typographie, Illustration und Drucktechnik als auch buchbinderische Ausstattung. Anders aber als zum Beispiel in den Katalogen Bartkowiaks finden sich keine weiteren Hintergrundinformationen etwa zu Pressen (Wirkungszeitraum, Adresse, Philosophie) oder Künstlern. Nur gelegentlich finden sich Hinweise auf weiterführende Literatur.

Das Spektrum des vorgestellten Bestandes reicht von schlaffer Gediegenheit der William-Morris-Jünger bis hin zur schrillen Dekonstruktion zeitgenössischer Pressendrucke. Präzise Layouts stellen die haptischen und ästhetischen Qualitäten des Buches heraus und öffnen den Blick auf die materiellen, handwerklich-technischen Grundlagen der Textherstellung sowie für die verschiedenen Stilrichtungen der Ausstattung. Kein Platz hier für die Tingel-Typographie ungeübter Online-Publizierer, die Schnellschüsse nicht einmal dem Papier einen Eindruck hinterlassender Offset- und Kopie-Vervielfältigungen.[2] Textgestaltung und Illustration der hier verzeichneten Originale können den Leser und den Betrachter, den Bibliophilen und den Sammler, den Büchermacher und den Graphiker faszinieren und anregen. Als Bestandskatalog kann Seiten-Ansichten dieser Anforderung natürlich nicht gerecht werden. Im Zeitalter vorzüglicher illustrierter Online-Kataloge von Sondersammlungen sind gedruckte Bestandskataloge größerer Sammlungen zum Aussterben verurteilt. Den vorliegenden Ausstellungskatalog, mit dem sich dessen Autor, lange Jahre Bibliothekar am Germanischen Nationalmuseum, in den Ruhestand verabschiedet, sollte man dagegen primär als wohlgelungenen Rechenschaftsbericht über die Erwerbungen sehen, die vor allem in seiner Amtszeit getätigt wurden. Als Handwerkszeug ist er dagegen unzureichend und als Coffee-Table-Book zu kleinformatig und zu wenig illustriert - womit er das Schicksal etwa von teuren Weinbüchern teilen sollte: lieber etwas mehr ausgeben und die Sache selbst 'verkosten'.

Rudolf Nink


[1]
Die Bestände sind zur Zeit offensichtlich in keinem Online-Katalog verzeichnet. (zurück)
[2]
Im Klappentext stilvoll 'die Herausforderung der Moderne' genannt. (zurück)

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